Pleite in der Corona-Pandemie

Verlust für eine ganze Stadt: dieses beliebte Ausflugslokal schließt jetzt für immer

Café-Paradies pleite Stadtpark Soest
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Das Café-Paradies war außerordentlich beliebt – jetzt bleibt es geschlossen, die Corona-Pandemie hat der Betrieb nicht überlebt.

Geschäftsführerin Barbara Sauerwald hat Insolvenz für das Café Paradies am Stadtwald angemeldet. Nächste Woche werde das Verfahren eröffnet, sagt sie. Grund für die Pleite sei ganz klar die Pandemie. „Ich hatte das Gefühl, ich sitze in einem Zug, in dem ich auf halber Strecke die Notbremse ziehen muss“, beschreibt Barbara Sauerwald ihre Rolle.

Soest - Zurzeit ist die fatale Situation des Lokals nicht erkennbar, weil es wie alle Gaststätten geschlossen ist. Doch das Ende des Cafés ist ein Verlust – nicht nur für die Gastronomie- und Kulturszene, sondern für den gesamten Nordosten der Stadt, wo es nichts Vergleichbares gibt.

Ende 2019 platzte das Auftragsbuch im Café Paradies fast vor Reservierungen für Familienfeiern, Jubiläen, Hochzeiten. Das fünfte Jahr, in dem eine Firmenneugründung „über den Berg sein sollte“, versprach ein erfolgreiches zu werden. Das Jahr 2020 ließ sich langsam an. Wie üblich in der Gastronomie, liefen die ersten drei Monate zäh. „Für die Zeit braucht man Futter in der Vorratskammer“, sagt Barbara Sauerland.

Beliebtes Ausflugslokal insolvent: traurige Bilder

Den ersten Lockdown überstand sie dank der Soforthilfe. Als das Café wieder öffnen durfte, kamen auch die Leute zögernd. Planungssicherheit gab es aber nicht. Viele sagten Reservierungen aus Corona-Gründen ab. Zu den Feiern, die trotzdem stattfanden, kam aus Angst vor der Pandemie nur die Hälfte der Geladenen. „Das waren traurige Bilder.“

Das Café machte im Sommer nur 50 Prozent des Umsatzes der Vorjahre. „Dabei hätten wir jetzt mal richtig verdienen müssen“, sagt die Geschäftsführerin. Als der zweite Lockdown kam, war es nicht mehr zu leugnen: Das Café war pleite. Barbara Sauerwald flüchtete aus dem „Paradies“ und meldete Insolvenz an.

Beliebtes Ausflugslokal insolvent: Gegenwelt zur Ellenbogengesellschaft

„Wenn Sie mich jetzt fragen, wie es weitergeht: Ich weiß es nicht“, sagt die Geschäftsführerin. Außer ihr sind 17 Mitarbeiter – darunter acht Aushilfen - von der Insolvenz betroffen. Barbara Sauerwald und Marion Wagener waren im Jahr 2016 angetreten, eine „Gegenwelt zur Ellenbogengesellschaft“ zu schaffen und die Tradition des 70er-Jahre-Cafés auf moderne Weise fortzusetzen. Es sollte wieder zum florierenden Ausflugslokal werden und zugleich Platz für Familienfeiern sowie für Beerdigungskaffees bieten.

Der Plan glückt, die Café-Idee kam an. Der Laden florierte dank einer naturnahen Speisekarte, eines bunten Kulturprogramms und des großen Engagements der beiden Frauen. Meinungsverschiedenheiten blieben allerdings nicht aus, sodass zunächst Marion Wagener in den Jahren 2018/2019 als alleinige Geschäftsführerin zeichnete, sich dann zurückzog und Barbara Sauerwald die Geschäftsführung überließ.

Beliebtes Ausflugslokal insolvent: Chefin steht vor einem Haufen Schulden

Die steht jetzt vor einem Haufen Schulden. Unter anderem gehören die rund 50 Freunde und Vertrauten zu den Gläubigern, die seinerzeit die Idee der beiden Frauen mit Genuss-Scheinen unterstütz hatten – eine in alternativen Kreisen nicht unübliche Finanzierungshilfe. Sie können ebenso Ansprüche geltend machen wie die Darlehensgeber, die Kredite für die Immobilie, die alteingesessene Gaststätte im Stadtwald gegeben haben. Das Haus selber steht auf Erbpacht-Grund, gehört also der Stadt Soest.

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