Plastische Chirurgen reisen durch die ganze Welt: In Soest legen sie ihre Ziele für 2019 fest 

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Dieses Kind hat Dr. Michael Bergermann in Indien behandelt.

Soest - Sie tun Gutes in aller Welt und operieren Menschen mit angeborenen Fehlbindungen oder nach schlimmsten Unfällen, um ihnen so ein halbwegs funktionierendes Leben zu ermöglichen. 1000 Ärzte aus ganz Deutschland haben sich mit 1000 weiteren Mitgliedern zur Hilfsorganisation Interplast Germany zusammengeschlossen.

Am Wochenende tagen Vorstand und Sektionsleiter in Soest, um die nächsten Einsätze zu besprechen. Die Jahrestagung ausgerechnet hier abzuhalten, hat doppelten Grund: Dr. Michael Bergermann ist einer der mitwirkenden Sektionsleiter; der 60-jährige Welveraner arbeitet als Mund-Kiefer-und-Gesichtschirurg in Hamm. 

„Wir möchten einfach unseren Verein in Soest und der Region bekannt machen und so vielleicht den ein oder anderen Förderer hinzuzugewinnen.“ Sein 29. Einsatz beginnt im Oktober Bergermann war bei 28 Auslandseinsätzen – vorwiegend in Entwicklungsländern – dabei und kennt die ganze Bandbreite der plastischen Operationen aus eigener Erfahrung. 

„Da fällt einer Mutter ihr Kind aus dem Tragetuch, als sie sich gerade über die Feuerstelle beugt; das Kind erleidet Verbrennungen dritten Grades im Gesicht und am Körper.“ Weil es keinen Notarzt, oft auch keine Klinik in der Nähe gibt, wird das Opfer so gut wie nicht behandelt – mal abgesehen von ein paar schmerzlindernden Kräutern, die auf die Wunden gelegt werden. 

Aus Indien kennt Bergermann Fälle, bei denen vom Ehemann verstoßene Frauen mit Kerosin überschüttet und angezündet werden. Weil sich die Wunden zusammenziehen, sitzt das Kinn auf der Brust; die Ärzte aus Deutschland trennen per Operation die zusammengewachsenen Körperteile und transplantieren gesunde Haut auf die zerstörten Stellen. 

4000 mittellosen Patienten haben die Teams von Interplast Germany bei 75 Einsätzen allein im vergangenen Jahr helfen können. Neben grässlichen Wunden geht es auch um angeborene Fehlbildungen wie zum Beispiel eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder einen Klumpfuß. Seit Gründung des Vereins sind 96 000 Patienten versorgt worden, die sich ohne den Einsatz Interplasts sehr wahrscheinlich mit ihrem Leid hätten abfinden müssen. 

In Soest wird am Samstag  nun der Einsatzplan für 2019 aufgestellt. Bergermanns nächster Hilfs-Aufenthalt steht bereits Ende Oktober an und führt ihn für zwei Wochen nach Nord-Brasilien, dem Armenhaus des Landes. Mit im Gepäck; Operationsbesteck, Narkosemittel, ja sogar gewöhnliche Medikamente – alles was hierzulande bereit liegt, aber in vielen Regionen der Welt nicht aufzutreiben ist.

Mehr Infos gibt es im Netz: www.interplast-germany.de

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