Franzosen in Soest auf den Spuren eines seliggesprochenen Mönches

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Pierre und France Laurent und ihre Familie sahen sich im früheren Gefangenenlager am Meiningser Weg um.

Soest.  Die Familie Laurent aus Paris geht auf Spurensuche. Die Franzosen reisten jetzt nach Soest, um den Ort zu sehen, wo der kürzlich als Märtyrer seliggesprochene Frère Luc freiwillig in Gefangenschaft lebte. Er hatte sich aus humanitären Gründen gegen einen Vater von vier Kindern austauschen lassen. 

Pierre Laurent ist der Neffe des Trappistenmönches Bruder Lukas, früher Paul Dochier. Der 83-Jährige hatte sich gemeinsam mit seiner Ehefrau France, Tochter Pascale, Sohn Bruno, den Schwiegertöchtern Catherine und Françoise sowie Enkel Sylvain auf den Weg begeben, um mehr über die Geschichte seines Onkels zu erfahren. Der Kontakt kam durch die frühere Lehrerin Mechtild Brand zustande, die viel über das ehemalige Offiziersgefangenenlager geforscht hat und im Rahmen ihrer Recherchen auf Frére Luc aufmerksam wurde. 

In ihrem Buch „Weggesperrt – Kriegsgefangenschaft im Offlag IVA“ schreibt sie über den Ordensbruder, der später nach Algerien ging und zu den Mönchen des Klosters Tibhirine im Atlasgebirge gehörte. Mitte der 90er-Jahre sind sie während des algerischen Bürgerkrieges von Extremisten verschleppt und ermordet worden.

 „Wir haben in den vergangenen Monaten sehr oft mit Mechtild Brand gesprochen und viel über meinen Onkel erfahren. Sie hat uns gesagt, dass wir in Soest sehr willkommen sind“, erzählt Pierre Laurent. Also fasste die Familie den Entschluss zum Besuch. 

Werner Liedmann vom Vorstand der Geschichtswerkstatt begrüßte drei Generationen. Mit Interesse sahen sich die Gäste auf dem Gelände um, betrachteten die Fassaden der Mannschaftsblöcke und stiegen gespannt die Treppen zur Französischen Kapelle hoch, die ihnen Edith Engelbach vorstellte. 

Sie zückten die Fotohandys, hielten viele Eindrücke mit der Kamera fest und stellten Fragen. Staunend entdeckten sie im kleinen Andachtsraum mit den reichen Malereien eine Darstellung des heiligen Laurent (Laurentius). 

Für sie war es sehr eindrucksvoll und bewegend, nun an genau dort zu sein, wo sich Frère Luc vor 75 Jahren aufgehalten hat und sich auch als Arzt um die Gefangenen gekümmert hat. Die Familie hatte im Dezember auch an der Feier zur Seligsprechung teilgenommen. „Es war sehr berührend“, sagt Pierre Laurent. Er habe dem Erzbischof von Algier versprochen, ihm auch über die Fahrt nach Soest zu berichten. Nun habe er dem hohen geistlichen Würdenträger viel zu erzählen. Ehe sich die Familie wieder verabschiedete feierte sie mit Pfarrer Friedhelm Geißen einen Gottesdienst in der von Gefangenen gestalteten Kapelle.

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