"Carmina burana" werben für Südwestfalen

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Lutz Rademacher leitete einen gewaltigen Klangapparat aus rund 100 Instrumentalisten und 200 Sängern. 

Soest – Die Veranstalter hatten zunächst befürchtet, es könne zu wenig Publikum kommen. Doch am Freitagabend (17. Mai) strömten so viele Menschen zur „Gala der Volksbanken in Südwestfalen“, dass sich vor der Kasse eine Warteschlange bildete und das Foyer geöffnet werden musste.

Und als Dirigent Lutz Rademacher zu Carl Orffs „Carmina burana“ anhob, sah er sich nicht nur 100 Instrumentalisten der Musikwerkstatt Südwestfalen und rund 200 Sängern aus vier Chören gegenüber, darunter auch der Soester Chorgemeinschaft „Pro Musica. Der Dirigent wusste auch mehr als doppelt so viele Menschen hinter sich. Der Region Südwestfalen hat das Konzert zweifellos den erhofften Imagegewinn gebracht. 

Carmina Burana

Nicht von ungefähr wurde es mit der neuen Südwestfalen-Fanfare eröffnet, einer Auftragskomposition von Andres Reukauf. Das war der Aufruf zur Identifikation mit der Region. Grüne Landschaft, schwarze Industrie – alles soll sich wiederfinden. Erst nach der Fanfare erklangen die Akademische Festouvertüre von Johannes Brahms und die „Romeo und Julia“-Ouvertüre von Peter Tschaikowsky.

Und nach der Pause standen die „Carmina burana“ auf dem Programm. Carl Orffs populäre Kantate ist ideal für den Zweck. Alle Menschen, wie mögen, können bei diesem wuchtigen Meisterwerk mitmachen, vor allem bei der sinfonischen Variante, die Lutz Rademacher und die Veranstalter gewählt hatten Schon frühzeitig waren Chöre aus der Region aufgerufen worden, mitzusingen. Und die Philharmonie Südwestfalen hatte zudem fortgeschrittene Instrumentalisten angesprochen.

Lutz Rademacher hatte also einen gewaltigen Klangapparat zur Verfügung, den er größtenteils souverän händelte, wenngleich das Orchester trotz der vielen Sänger manchmal die Oberhand gewann. Kein Wunder, es spielten allein sechs Hörner, zwei Tuben und das gesamte sinfonische Schlagwerk mit. Die Zuhörer waren überwältigt – allein schon aufgrund der Lautstärke, die sich vor allem im Saal konzentrierte. Im Foyer kamen die Klänge gedämpfter und damit besser an.

Mit der Sopranistin Maya Boog und dem Bass Detlef Roth hatten die Veranstalter zwei Sänger gewonnen, die gut zu dem große Ensemble passten. Als plötzlich auch der Dritte im Bunde, der Tenor Ulrich Cordes, auftauchte und lautstark den Zuschauerraum durchquerte, gerieten die Stadthallen-Crew und die Zuschauer in hohe Alarmbereitschaft. Was sollte das denn? 

Glücklicherweise konnten sich alle beruhigen. Cordes sang den „gebratenen Schwan“ und polterte herum, wie es seine Rolle verlangte. Als zum Schluss die Wiederholung des gewaltige Eingangschor „O Fortuna“ verklungen war, brandete Applaus auf und das Publikum bedankte sich lautstark für die Aufführung. Die einprägsame „Carmina“ hatte fast jeder noch im Ohr. Die Klassik-Stücke des ersten Teils hatten die meisten vergessen.

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