Pflegekräfte dringend gesucht

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Das Foyer des Kreishauses füllte sich: Die Gesundheits- und Pflegebörse bot reichlich Gelegenheit, Gespräche zu führen, Fragen zu stellen, Informationen zu sammeln. Ziel ist es, junge Leute, Berufsrückkehrer oder Quereinsteiger anzusprechen und die Möglichkeit des direkten Kontaktes zu geben – wie hier am Stand der Frauenhilfe.

Soest – „Das ist mein Traumberuf“, sagt Ramona Lettau. Sie möchte für Menschen da sein, sie in ihren letzten Lebensjahren begleiten. Sie sollen sich wohl, umsorgt, geborgen fühlen und eine familiäre Atmosphäre spüren, deshalb entschied sich die junge Frau, in die Altenpflege zu gehen. Bei der Gesundheits- und Pflegebörse im Kreishaus sprach die Auszubildende über ihren Arbeitsalltag.

„Der Bedarf an Pflegekräften ist groß“, brachte Dr. Rainhard Langer von der Arbeitsagentur gleich zu Beginn auf den Punkt, worum es an diesem Tag geht: Die Region sei geprägt von vielen Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens. Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Alter, die Zahl junger Leute geht stetig zurück. Deshalb richteten sich die Organisatoren einerseits an Schulabgänger, andererseits an diejenigen, die überlegen umzusatteln oder aber nach einer Pause in den Job zurückzukehren. Langer: „Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, sich zu qualifizieren.“

Branche mit Zukunft

Wie viele Wege sich in dieser Branche auftun, welche Richtungen offenstehen und was sich in diesem Berufszweig mit Zukunft erreichen lässt, zeigten 18 Aussteller auf. Dieses umfangreiche Angebot der Orientierungshilfe nutzte auch eine Gruppe von Clarenbach-Schülern, die sich gleich morgens mit Lehrerin Julia Keßler und der Berufseinstiegsbegleiterin Reinhild Köhler-Alsweh im Foyer umsah, um sich ein Bild zu machen und sich nach Einstiegsmöglichkeiten zu erkundigen. Ursula Rode-Schäffer, Geschäftsführerin der Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland, freute sich über das große Interesse, denn viele Besucher nutzten die günstige Gelegenheit, mit Praktikern ins Gespräch zu kommen. Durch diese direkten Kontakte sei mit den bisherigen Auflagen der Veranstaltung schon mancher Vertrag zustande gekommen.

Pflegebörse 2016 im Kreishaus Soest

Günther Frenzen und Kai- Uwe Groll vertraten den Arbeitskreis der privaten Pflegeeinrichtungen im Kreis. Sie stellten ein abwechslungsreiches, aber auch anspruchsvolles Einsatzfeld vor, das gute Chancen bietet – nicht nur denen, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen.

Die Altersspanne der Auszubildenden reiche aktuell von 17 bis Ende 40/Anfang 50 hieß es gestern. Die Kooperation mit Schulen nannten Frenzen und Groll als einen der Ansatzpunkte, Nachwuchs zu gewinnen. Wer sich zur Ausbildung entschließe, bekomme große Unterstützung. „Wir bemühen uns, die Arbeit der Pflegekräfte familienfreundlich zu gestalten“, führten sie aus. „Menschen helfen“, nannten Wiebke Brokjans und Dominik Schumann am Stand der LWL-Akademie für Gesundheits- undPflegeberufe Lippstadt ihre Motivation. Noch sind sie in der Ausbildung, doch sie wissen: „Wir haben uns richtig entschieden.“

Waschen, kämmen, sich der Bedürfnisse und Kümmernisse annehmen, Wunden und kleine Wehwehchen versorgen, mitunter böse Monster vertreiben, zu essen und zu trinken geben, zuhören und die Probleme der alten Menschen zu den eigenen zu machen – all das zählten Ramona Lettau und Annalena Simon auf, als sie über ihren Dienst sprachen. Und warum tun sie das, wo die Tage doch sicher häufig anstrengend und manche Situationen belastend sind? Die Antwort: „Für jedes Dankeschön, für das Lächeln, wenn Tränen in den Augen glitzern und für jede Umarmung.“ Der Beruf rückt den Menschen in den Mittelpunkt – und zwar Körper, Geist und Seele. „Wir begegnen ihnen nicht nur flüchtig, sondern über längere Zeit – oft bis zu ihrem Tod“, so Ramona Lettau.

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