Personalnotstand? Soester Krankenhäuser besser als der Bundesdurchschnitt

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Bundesweit fehlen Pflegekräfte, an den Soester Krankenhäusern sieht es nach eigenen Angaben aber noch vergleichsweise gut aus.

Soest – Was ihre Personalsituation betrifft, sind viele Krankenhäuser im Land Pflegefälle: Bundesweit sind 17 000 Stellen auf den Stationen unbesetzt, das Deutsche Krankenhausinstitut hat ermittelt, dass vier von fünf Häusern große Probleme haben, ihre freien Pflegestellen zu besetzen. Gilt das auch für die beiden Krankenhäuser in Soest? 

„Jein“ lautet die Antwort, sowohl aus dem kommunalen Klinikum Stadt Soest als aus dem zum Katholischen Hospitalverbund gehörenden Marienkrankenhaus. Zwar haben auch sie Mühe, das nötige Personal für ihre Stationen zu finden, aber so gravierend wie offensichtlich in vielen anderen Krankenhäusern ist die Situation nach eigenen Angaben nicht. Und das hat Gründe. 

Klinikum Stadt Soest 

„Wir befinden uns im knallharten Wettbewerb mit anderen Krankenhäusern“, räumt Markus Böddecker ein, stellvertretender Pflegedirektor. Dazu gehörten nicht nur, aber eben auch, die anderen Häuser in der Region. Weil insgesamt zu wenige Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt seien, müsse sich jedes Haus besonders anstrengen, um eigene Stellen besetzen zu können – die fehlen dann zwangsläufig in anderen Krankenhäusern. 

Für das Klinikum zahle es sich zwar aus, dass in der eigenen „Albrecht-Schneider-Akademie für Gesundheitsberufe“ selber Pflegekräfte ausgebildet würden, die würden aber natürlich nach ihrem Abschluss nicht zwangsläufig alle am Klinikum bleiben. „Pro Jahr stellen wir 10 bis 15 der Absolventen ein“, nennt er Zahlen. 

Vor dem Hintergrund gesetzlich vorgeschriebener Personalstärken für die Betreuung der stationären Patienten seien am Klinikum kleinere Stationen aus Effizienzgründen mit größeren zusammengelegt worden seien. „Wegen Personalmangel bleibt hier aber kein Bett leer“, versichert Böddecker. 

Marienkrankenhaus 

Der Hospitalverbund bildet das Pflegepersonal für seine eigenen Krankenhäuser in Unna, Werl und Soest ebenfalls an einer eigenen Schule aus, davon profitiert auch das Marienkrankenhaus. „Ohne unsere eigene Schule wäre es kaum möglich, die nötigen Fachkräfte zu bekommen“, erklärt Karin Riedel, Pressesprecherin des Hospitalverbundes. 

Und der Bedarf ist fast schon traditionell groß, die Fluktuation hoch. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass in den Pflegeberufen vorwiegend Frauen arbeiteten, die oft mit einer Familiengründung zumindest vorübergehend aus dem Arbeitsleben ausscheiden würden. „Umso wichtiger ist es für ein Krankenhaus, sich nicht nur als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, sondern es auch tatsächlich zu sein“, betont sie. 

Das unterstreicht auch ihr Chef, Geschäftsführer Christian Larisch – und er verweist auf Erfolge: „In den vergangenen 18 Monaten wurden im Marienkrankenhaus 18 neue Vollzeitkräfte eingestellt. Das ist nicht nur eine Folge davon, dass wir uns im Verbund frühzeitig mit dem Thema Ausbildung befasst haben. Das zeigt auch, dass die Pflege ein attraktives Berufsfeld ist, das im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung auch ein hohes Maß an Zufriedenheit bieten kann.“

Leserforum: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Immer mehr Patienten für immer weniger Personal in den Krankenhäusern – das bedeutet eine hohe Arbeitsbelastung für die Pflegekräfte. Permanenter Stress belastet sie, kann aber auch belastend für die Patienten werden. Wir wollen wissen: Welche Erfahrungen haben Sie als Patienten oder Besucher gemacht – gute oder weniger gute? Schreiben Sie uns eine E-Mail an stadtredaktion@soester-anzeiger.de, Stichwort: Leserforum Pflege.

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