Patienten schieben OP-Termine in den Winter

Da im Winter viel Blut gebraucht wird, ist der Blutspendedienst dankbar für jeden Freiwilligen.

SOEST - Das anhaltende Grau-in-Grau im Januar nützt den Krankenhäusern. Die ersten Wochen im neuen Jahr sind beliebt bei Patienten, die unters Messer müssen, aber durchaus flexibel beim Operationstermin sind. Der gute Zulauf in der Chirurgie macht die Delle wett, die Klinikum und Marienkrankenhaus mitten im Sommer Jahr für Jahr verzeichnen.

Der Trend ist so prägnant, dass kürzlich sogar der Blutspendedienst des Roten Kreuzes bei seinen Terminen in der Stadthalle die Soester mit dem Hinweis mobilisierte: „Der Januar zählt zu den verbrauchsstärksten Monaten, und Blutprodukte sind nicht uneingeschränkt haltbar“, so Rotkreuz-Referent Stephan Jorewitz. Der Bedarf sei zum Glück nicht auf mehr Verkehrsunfälle zurückzuführen, sondern tatsächlich auf die größere Nachfrage aus den Spitälern.

„Der Monat Januar ist traditionell der Monat mit einem hohen Verbrauch an Spenderblut“, heißt es aus dem Klinikum Stadt Soest, wo der Chefarzt der Inneren Medizin, Dr. Ulrich Menges, gleichzeitig als Transfusionsbeauftragter einen genauen Blick auf Bedarf und Bestand der Blutkonserven hat.

Gerade bei nicht-akuten Eingriffen – etwa neuen Gelenken oder Prothesen – seien die ersten Wochen und Monate des Jahres beliebt, bestätigt Klinikum-Sprecher Frank Beilenhoff: „Viele Menschen kümmern sich gern im Winter um ihre Gesundheit.“ Später, wenn es wärmer wird, seien sie mit dem Gedanken wohl schon wieder im Urlaub: Die bei stationären Aufenthalten obligatorischen „Stützstrümpfe an heißen Tagen machen sich nicht so gut“.

Zum Glück kein richtiger Winter

Kein Wunder also, dass die Belegung derzeit extrem hoch ist. „Wir warten händeringend auf unseren Neubau“, sagt Beilenhoff, Ende März soll der bezugsfertig sein.

Zum Glück, so ergänzt Karin Riedel, die Sprecherin des Marienkrankenhauses, ist ein richtiger Winter mit Schnee und Glatteis in den vergangenen zwei Jahren ausgeblieben. Wäre dem nicht so, kämen zu der großen Nachfrage nach Wunschtermin-Operationen noch der eine oder andere Knochenbruch, dessen Operation nicht aufgeschoben werden könne. Doch auch so sind OP-Säle und Betten in dieser Jahreszeit „gut gefüllt“. Auch Riedel erwähnt die „emotionalen Gründe“, die manche Patienten antreiben: „Krampfadern lassen sich die meisten lieber im Winter entfernen.“

Keine Frage: Blutspenden werden nach wie vor benötigt. Doch die Zahl der Konserven konnte von Jahr zu Jahr reduziert werden, berichtet Riedel: Zum einen durch Eigenblutspenden der Patienten vor dem Eingriff. Zum anderen durch die „intraoperative Aufbereitung des Bluts“. Bei großen Schnitten etwa bei Hüft-Operationen wird das ausströmende Blut aufgefangen, gesammelt, an Ort und Stelle aufbereitet und so dem Kreislauf wieder zugeführt.

Und noch ein Trend: Wie in der Industrie gilt auch beim Blut-Liefern immer mehr das sogenannte Just-in-Time-Prinzip. Die Reserven im Krankenhaus, so Riedel, gehen nahezu gen Null, weil eben auf den Blutspendedienst des Roten Kreuzes Verlass sei. Anruf genügt. „Für eilige Fälle haben die Rotkreuz-Fahrzeuge sogar ein Blaulicht oben drauf.“ - hs

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