Einsatz für die Kröte 

Panzerfahrt für den Umweltschutz in Büecke

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Volle Fahrt voraus: Beim ABU-Einsatz am Kleiberg hatten alle Beteiligten mächtig Spaß im Panzer.

Büecke - Wie ein Luxusdampfer bei hohem Wellengang pflügt sich der Panzer Leopard 1 durch die hügelige Landschaft. Alles, was sich ihm auf dem Schutzgebiet am Kleiberg bei Büecke zwischen Soest und Möhnesee in den Weg stellt, wird platt gemacht. An Bord werde ich durchgeschüttelt wie in einem Mixer. Übel wird mir dabei nicht – da machen sich offensichtlich die Bootsurlaube an der Costa Brava bezahlt.

30 Tonnen wiegt das entmilitarisierte Ungetüm, vier Liter Sprit schluckt es auf einem Kilometer. Ob über Stock und Stein oder durch Meter tiefe Krater voll trübem, schlammigem Wasser – der Panzer fährt stoisch wie eine Dampfwalze über das Gelände. Im Weg stehende Bäume werden einfach umgefahren. Ich spüre ein Gefühl der Macht und Stärke. 

Doch was sich zunächst nur nach sinnlosem Spaß anhört, hat einen wichtigen und ernsten Hintergrund. Seit über zehn Jahren wird der ehemalige Standortübungsplatz in Büecke nicht mehr vom belgischen Militär genutzt. Während er früher durch Panzer in eine bizarre Kraterlandschaft verwandelt wurde, hat heute die Vegetation wieder alle Flächen im Griff. Eine besonders schützenswerte Art leidet unter dieser Rückeroberung der Natur: die Gelbbauchunke. 

ABU im Panzer auf dem Kleiberg.

Der gefährdete Froschlurch ist hier fast vollständig verschwunden, da es seinen Lebensraum, wassergefüllte Fahrspuren, nicht mehr gibt. Der ehemalige militärische Übungsplatz ist gerade wegen dieser stark gefährdeten Tierart als Schutzgebiet ausgewiesen worden. 

Tiefe Fahrspuren als wichtiger Lebensraum 

„Als die belgische Armee mit ihren Panzern das Gelände zerwühlte, war es von Fahrspuren zerfurcht und der Lebensraum für die Unken optimal“, erklärt Biologe Matthias Scharf von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU). Nachdem die Belgier Soest verließen, verschwanden mit ihnen auch die Pfützen in den Fahrspuren. Ohne regelmäßiges Befahren wuchsen sie zu und hielten kein Wasser mehr. 

Daher wurde versucht, mit unterschiedlichen Fahrzeugen einige dieser Spuren wieder „frisch“ zu fahren. Dort hielt sich dann in den letzten Jahren eine kleine Restpopulation der Unken. „Früher gab es hier rund 10.000 Exemplare, jetzt sind es vielleicht noch 50“, sagt Scharf. Dies sei die unterste Bestandsgrenze. 

Damit sich die Population wieder erholen kann, fuhr nun eben ein Leopard-1-Panzer durch das Gelände und konzentrierte sich dabei auf die alten Spuren, bis sie nur noch mit einer lehmigen Brühe gefüllt und tief eingefahren waren – so wie es sich die Gelbbauchunken wünschen und wie es dem Gewissen des mitfahrenden Anzeiger-Reporters gefällt: Wenigstens nicht umsonst so viel Sprit verblasen! 

Durch die tiefen Fahrspuren entstanden kleine Tümpel, in denen die Unken ablaichen können. Der Erfolg der Aktion zeigt sich im Sommer. „Wofür wir eine Fahrt benötigen, braucht die Feuerwehr mit ihren Wagen 50 Fahrten“, meint der 65-jährige Panzerfahrer Bernd Thomas. Zusammen mit ehemaligen Militärkollegen hat er sich aus Siegen auf den Weg in die Börde gemacht. „Für beide Seiten ist das eine ‘Win-Win-Situation’: Wir können den Panzer ausfahren und die Umwelt hat auch noch was davon“, so Thomas. 

Koordiniert wurde die Maßnahme mit dem Panzer durch den Bundesforst im Auftrag der BIMA, der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Soest, der die Aktion auch finanziert. Die Kosten für Transport und Sprit belaufen sich auf 2.000 Euro. Verbunden ist damit die Vorgabe, alles zu unternehmen, um die Gelbbauchunken zu fördern.

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