Noch immer geht es vor Gericht um viel Geld

Ostönner sind Brandruine leid: Doch bald könnte es den langersehnten Abriss geben

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Von Frank-Dieter Sievert (rechts) hatte Werner Horschig das alte Ostönner Lokal „Zur Post“ 1993 erst gepachtet und später gekauft. Sievert hatte zuvor das Haus in fünfter Generation geführt. Die beiden stimmen überein, dass hier so schnell wie möglich die Ruine verschwinden und wieder Ordnung einkehren müsse.

Ostönnen – Der Wunsch nach einem baldigen Abriss der Ostönner Brandruine ist allenthalben. Egal ob Eigentümer, Nachbarn, ja das ganze Dorf Ostönnen und Durchreisende stoßen sich an dem scheußlichen Anblick am Ortseingang.

2020 könnte es womöglich eine Lösung, also einen Abriss und einen Neubau geben. Inzwischen hat sich auch Soests Bürgermeister in die Sache eingeschaltet. 

Nächsten Monat jährt sich zum siebten Mal der verheerende Brand. Die Polizei vermutete damals, es waren gelangweilte Jugendliche, die in dem einstigen Landgasthof gezündelt haben. Bewiesen wurde das nie. Klar war nur: Hier hat jemand Feuer gelegt, denn der Brand – so die Sachverständigen – war an mehreren Stellen im Haus ausgebrochen. Seither hat sich das total zerstörte Haus, an dem das Dach weggebrannt und die Zwischendecken eingestürzt sind, wie eine Narbe ins Dortbild gebrannt. 

Eigentümer: "Mir hängt das zum Hals raus"

Eigentümer Werner Horschig, mittlerweile 82 Jahre alt, wollte von Anfang an „so schnell wie möglich“ den Schandfleck beseitigen: „Mir hängt das ja selber zum Hals raus.“ Und in seinem Alter möchte man die Dinge abschließend regeln. 

Doch der Streit um die Feuerversicherung ist bis heute nicht ausgeräumt. So lange die nicht zahlt, sagt Horschig, habe er kein Geld für den Neubau, nicht mal die 60.000 Euro, die allein der Abriss kosten würde. 

„Was die Sache so sehr verzögert hat, ist die erste Klage der Brauerei“, erläutert Rechtsanwalt Hermann Jürgen Lier. Die Brauerei hatte Horschig ein Darlehen für den Betrieb der Gaststätte gegeben und sich dies im Grundbuch absichern lassen. Also strengten die Bierbrauer den ersten Prozess vor dem Landgericht Frankfurt auf Auszahlung der Versicherungssumme an. „Für uns wäre das ein Selbstläufer geworden“, so Rechtsanwalt Lier. Hätte die Brauerei Recht bekommen, hätte auch Horschig mit seinen Forderungen leicht durchdringen können. 

Feuer im Landgasthaus Ostönnen

Doch die Richter in Frankfurt gaben in erster Instanz der klagenden Brauerei Recht, hoben aber in zweiter Instanz das Urteil auf. Jahre ohne Ergebnis vergingen. Seit 2017 kämpfen Horschig und sein Anwalt Lier nun vor dem Landgericht in Dortmund. In erster Instanz erfolglos.

Gerichtssprecher Christian Fastermann: Die Kammer geht von „vorsätzlicher Herbeiführung des Versicherungsfalls aus“. Übersetzt heißt das nichts anderes als: Die Richter halten Horschig vor, sein Haus selber angesteckt oder Dritte damit beauftragt zu haben. 

Kripo-Fotos sollen Spuren belegen

Das Urteil, so Rechtsanwalt Lier, habe eingeschlagen wie eine Bombe. Es kam „so plötzlich und unerwartet“. Das soll jetzt 2020 im Berufsverfahren nicht noch einmal drohen. Man werde nachweisen, dass durchaus andere Täter in Betracht kommen, die mit seinem Mandanten über Kreuz liegen. Außerdem stimme die Einschätzung des Gerichts nicht, es habe damals keine Einbruchsspuren am Haus gegeben. Lier verweist auf Fotos der Kripo in Soest, die solche Spuren belegen sollen. Dumm nur: Die CD mit den Bildern werde in der Ermittlungsakte erwähnt, sie sei aber nicht mehr auffindbar. 

Es geht um 1,15 Millionen Euro

So oder so. Es geht um viel Geld. „Wir klagen auf Neuwertspitze“, sagt der Anwalt. Man wolle so viel Geld, um Abriss und Neubau bezahlen zu können, konkret 1,15 Millionen Euro. 

Wie sehr die Ostönner der Anblick der Brandruine ärgert, hat vor ein paar Wochen auch Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer zu hören bekommen, als er das Dorf besuchte. Er hat jetzt den Eigentümer zum Gespräch eingeladen und seine Hilfe angeboten. Man wolle die Rahmenbedingungen ausloten und prüfen, ob vielleicht Wohnungsbau angesichts der augenblicklich guten Baukonjunktur die besten Chancen auf Verwirklichung hat.

Horschig freut sich über die Unterstützung und den Hinweis, die Stadt könnte bei der Suche nach einem Investor behilflich sein. Doch beide – Bürgermeister wie Eigentümer – wollen zunächst noch warten, wie es vor Gericht weitergeht. Anwalt Lier zeigt sich zuversichtlich: „Allzu lange kann das nicht mehr dauern.“ Das Oberlandesgericht in Hamm habe signalisiert „Wir sind dran“ und habe sich bereits mit Nachfragen in der Kanzlei gemeldet. 

Apropos wohnen: Beim Ortstermin in Ostönnen zieht Werner Horschig die Tür zu einem angrenzenden Schuppen auf. Hier liegen Schaumstoffmatratzen und ein paar Habseligkeiten. So ganz menschenleer ist die Brandruine wohl doch nicht.

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