Neue Methode zur Behandlung von Aneurysmen am Soester Klinikum

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Maßgeschneidert: Dr. Kristian Nitschmann (links) zeigt eine speziell für den Patienten gefertigte Stentprothese, die über Katheter in die Hauptschlagader eingeführt werden. Zusammen mit seinen Kollegen Dr. Dirk Grabosch (rechts) und Dr. Wolfgang Steffen erspart er somit den Patienten aufwändige Bauch- und Brustraum-Operationen. 

Soest- Die Behandlung von Aortenaneurysmen, einer Erkrankung der Hauptschlagader, ist seit Jahren ein Schwerpunkt der Klinik für Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie am Klinikum Stadt Soest. Mit der Therapie des thorako-abdominellen Aortenaneurysmas sind die Mediziner nun in eine neue Dimension der Versorgung vorgestoßen. 

Sie ermöglicht, mit einem einzigen Eingriff Aneurysmen in Brust- und Bauchraum gleichzeitig auszuschalten.

 Ein Aneurysma stellt eine spindel- oder sackförmige Erweiterung eines arteriellen Blutgefäßes dar. Wenn ein solches Aneurysma einreißt oder platzt, schwebt der Betroffene in akuter Lebensgefahr. „Das kann verhindert werden durch den Einsatz einer Stentprothese“, erklärt Dr. Kristian Nitschmann, Chefarzt der Klinik für Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie. 

Eine Stentprothese ist ein mit Kunststoff ummanteltes, röhrenförmiges Drahtgeflecht, das in die Schlagader eingeführt wird und dort als Gefäßstütze dient. Das Blut fließt hindurch, und das Aneurysma wird so ausgeschaltet. Mindestens zehn Prozent der Patienten, die an einer Erkrankung der Aorta leiden, haben ein Aneurysma sowohl im Brust- als auch im Bauchbereich. Um beides zu behandeln, mussten in der Vergangenheit entweder mehrere Eingriffe mit Katheter vorgenommen oder in einer großen Operation Bauch- und Brustraum des Patienten geöffnet werden. Die am Klinikum Soest etablierte moderne Methode ermöglicht Stentprothesen-Implantationen in der Brust- und Bauchaorta mit simultaner Stentversorgung der Eingeweideschlagadern, ohne Brust- und Bauchraum zu öffnen.

 „Eine große Operation, die mit einer höheren Sterblichkeits- und Querschnittslähmungsrate verbunden ist, kann dadurch vermieden werden“, nennt Nitschmann einen der Vorteile dieser Methode.

 Für den Eingriff werden lediglich zwei Schnitte an der Leiste benötigt sowie oftmals noch ein zusätzlicher Zugang durch die Achselarterie. Über einen Katheter mit Führungsdraht werden danach gefensterte, also verzweigte Stentprothesen eingebracht, die kleine Öffnungen und Seitenarme haben. „Durch diese Bauweise der Prothesen können komplexe Aneurysmen von der Blutzirkulation ausgeschlossen, aber gleichzeitig die Blutversorgung der Nierenarterien, Eingeweidearterien oder inneren Beckenarterien sichergestellt werden“, erklärt Dr. Nitschmann. Für den Eingriff wird neben einem Operationssaal mit Angiografieeinheit ein erfahrenes Ärzteteam unterschiedlicher Fachrichtungen sowie geschultes Pflegepersonal benötigt. 

Bei den Aortenprothesen handelt es sich um Sonderanfertigungen, die zwischen 20 000 und 35 000 Euro kosten. Denn die müssen zum Teil nach einer Computertomografie für den Patienten maßgefertigt werden. „Bei einer Behandlung im Klinikum Soest übernehmen die Krankenkassen diese Kosten, da wir ein zertifiziertes Gefäßzentrum sind“, sagt Nitschmann.

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