Er nennt abschreckende Gründe

"Nur die halbe Wahrheit": Busfahrer äußert sich zur beruflichen Lage

Busunternehmen haben Probleme, ausreichend Fahrer zu finden.

Soest - Busunternehmen haben Probleme, ausreichend Fahrer zu finden. Zu den Gründen hat sich nun ein Soester Busfahrer gemeldet. 

„Das ist nur die halbe Wahrheit“, reagierte ein Busfahrer auf den Artikel, in dem es um die Probleme vieler Unternehmen ging, qualifizierte Mitarbeiter zu finden („Platz am Lenkrad bleibt oft frei“). Die andere Hälfte sei: schlechte Bezahlung und ebensolche Arbeitsbedingungen, die potenzielle Interessenten für den Job eher abschrecken als anlocken würden.

Der Mann, dessen Name der Redaktion bekannt ist, verwies besonders auf den „knallharten Wettbewerb“, bei dem die günstigsten Anbieter als Subunternehmer zum Zuge kämen. „Die Konkurrenz kann aber nur unterboten werden, weil auf Kosten der Fahrer gespart wird“, kritisierte der Mann, der selber bei einem heimischen Unternehmen beschäftigt ist.

In der Praxis führe das unter anderem dazu, dass ein Busfahrer im Liniendienst zwar auf insgesamt bis zu 260 Arbeitsstunden im Monat komme, aber nur maximal 180 davon auch bezahlt würden – mit gerade einmal 10 Euro pro Stunde in vielen Fällen. „Geld gibt´s nur für die Lenkzeiten, der Rest sind unbezahlte Standzeiten“. Die aber würden sich gerade bei den Fahrern der Subunternehmen summieren, weil deren Dienstpläne entsprechend zusammengestellt seien. „Das wiederum liegt daran, dass sich die großen Hauptunternehmen die attraktiven Strecken rauspicken und der Rest dann nur mit langen Standzeiten bedient werden kann“, erklärt der Fahrer. Für ihn ist klar: „Eine Familie können sie als Busfahrer mit ihrem Gehalt kaum ernähren“.

Ein großes Thema unter den aktiven Fahrern sei auch die immer enger werdende Taktung auf vielen Strecken. „Da sind kaum noch Reserven drin“, beschreibt das der Fahrer. Mit entsprechenden Folgen: Kommt es, zum Beispiel in der Soester Innenstadt, zu kleineren Verzögerungen, sind die im weiteren Verlauf der Strecke nicht mehr aufzuholen. „Mit den wegen der Verspätungen unzufriedenen Fahrgästen müssen wir uns dann auseinandersetzen“. Keine Gespräche, so versichert er, die den Job des Busfahrers attraktiver machen würden.

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