Notbetreuung in Soester Schulen

Nie waren Ganztags-Angebote so wertvoll wie heute

Patroklischule Soest Ganztagsbetreuung Hartmann Meyer
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Auch im Lockdown in der Schule: In kleinen Gruppen treffen sich die Mädchen und Jungen in der Patrokli-Grundschule. Schulleiterin Astrid Hartmann (links) und die Leiterin der Ganztagsbetreuung, Katja Meyer, organisieren das Tagesangebot während des Lockdowns.

Bei der Ausstattung mit Tablets, Netzwerken und digitaler Expertise hat die Corona-Pandemie so manche Schwachstelle in den Schulen ans Licht gebracht. Bei der Ganztagsbetreuung hingegen profitieren gerade viele Kinder davon, dass hier seit Jahr und Tag bewährte Teams an Bord sind, die während des Lockdowns den Mädchen und Jungen nun auch an den Vormittagen zur Seite stehen.

Soest – Außerdem hat das Land Geld locker gemacht, um Helfer für den zusätzlichen Bedarf in Sachen Corona anheuern zu können.

Katja Meyer leitet die offene Ganztags-Schule an den beiden Soester Grundschulen Patrokli und Georg. Sie schildert: „Auch wenn bei den Kindern die Schutz-Regeln längst in Fleisch und Blut übergegangen sind, gibt es zusätzliche Aufgaben.“ Die Helfer stehen mit in den Badezimmern, wo sich zum Händeaschen vor dem Frühstück und Mittagessen lange Schlangen bilden. Sie müssen die Tische und Stühle desinfizieren, sie geben das Besteck aus und schenken die Getränke ein – alles Tätigkeiten, die die Sechs- bis Zehnjährigen vor Corona allein und ohne große Kontrolle erledigt haben.

Das Land hat für diese Zusatzaufgaben soeben einen Fördertopf geöffnet, knapp 30 Millionen Euro werden zwischen Rhein und Weser lockergemacht. In der Stadt Soest kommen davon 43.290 Euro an, die nun an unter den Ganztagsschulen aufgeteilt werden (siehe auch Kasten).

Studenten kommen gern

Für das zusätzliche Geld zusätzliche Kräfte zu finden, scheint kein Problem. Burgis Korte, die bei der Caritas den Einsatz für die Ganztagsschulen koordiniert, sagt: „Das war nicht schwierig.“ Studenten zum Beispiel, die sich sonst ihr Budget durchs Kellnern aufgebessert haben und nun bei geschlossenen Kneipen auf dem Trockenen sitzen, hätten da gern zugegriffen.

Die Caritas organisiert die Betreuung in elf Ganztagsgrundschulen kreisweit. Andere Verbände wie die Diakonie und der Paritätische Wohlfahrtsverband kümmern sich um die anderen Schulen.

Oberflächlich ist oft die Rede davon, in den Schulen laufe wegen des Shutdowns wenig bis gar nichts an Präsenzunterricht und Betreuung. Doch der Eindruck täuscht, wie neulich erst der Blick auf die Bernhard-Honkamp-Schule in Welver gezeigt hat. Beinahe jedes vierte Kind kommt morgens zur Schule, weil die Eltern beruflich unterwegs sind und sich nicht um ihre Kinder kümmern können.

Betreuer beinahe in Lehrer-Rolle

An der Patroklischule in Soest, so schildert Katja Meyer, sind es täglich zwischen 25 und 28 Mädchen und Jungen, die in die „Notbetreuung“ kommen, an der Georgschule zwischen 20 und 25. In vier beziehungsweise drei kleinen Gruppen werden die Kinder aufgeteilt. Dabei schlüpfen ihre Betreuer schon fast in die Lehrer-Rolle; schließlich steht morgens – genauso wie für die Kinder, die tatsächlich zu Hause bleiben – der Distanzunterricht an. Meyer: „Wir haben i-Pads und nehmen zusammen mit den Sechs- bis Zehnjährigen an diesem Video-Unterricht teil.“ Die Lehrerin am anderen Ende der Leitung sitzt also zu Hause und ein Teil ihrer Schüler tatsächlich in der Schule.

Als Corona noch ein Fremdwort kam, gab es die offene Ganztagsschule, also die Betreuung nach dem Unterricht, nur ab 11.30 bis etwa 16 Uhr. Nun kommt die Vormittagsschicht hinzu und mit ihr auch Kinder, die zuvor das Ganztags-Angebot nicht benötigt haben, weil ihre Eltern eben nur morgens im Job waren und mittags ihre Kleinen in Empfang nehmen konnten. Im Gegenzug bleiben aber auch viele Schüler, die sonst zur Ganztagsschule zählten, in diesen Wochen komplett zu Hause, weil sie dort Mütter und Väter haben, die nicht vor die Tür müssen.

Unterm Strich, so Meyer, gehe die Rechnung auf. Die etatmäßigen acht Betreuer an der Patroklischule (viele in Teilzeit), können die Vormittagsstunden mit übernehmen, weil die Zahl der Kinder nur halb so groß ist wie vor der Pandemie.

So sehr die Mädchen und Jungen die Spielregeln in diesen Wochen verinnerlicht haben und sich schon gegenseitig ermahnen, wenn mal eine Maske schief sitzt und die Nasenlöcher hervorlugen, so sehr spüren sie dennoch den Ausnahmezustand. Meyer: „Die Kinder fragen täglich, wann die anderen wiederkommen.“ Ihre Freundinnen und Freunde, mit denen sie noch vor kurzem nebeneinander gesessen oder auf dem Schulhof gespielt haben. Doch auf Fragen wie nach dem genauen Termin des Wiedersehens können ihre Betreuer nicht konkret antworten, wohl aber darauf hinweisen, dass sie selber den Tag herbeisehnen, an dem „Normalität“ wieder den Alltag prägt.

Meyer: „Wir spüren, welch enormen Bewegungsdrang die Kinder in dieser Zeit haben.“ Zum Glück steht der Schulhof für Spiel und Spaß bereit. Und dort an der frischen Luft können die Betreuer auch mal kurz ihre Maske runterziehen, wenn die Kleinen den Wunsch äußern: „Sag mal, wie siehst Du eigentlich aus?!“

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