Noah hat das Down-Syndrom: Seine Eltern genießen das Familienglück

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Familienglück: die Eltern Jens Achim Moritz und Petra Schumann mit ihren Kindern Noah Johannes (3) und Josephine (2).

SOEST - Noah strahlt. Er steht am Klavier, klimpert, vertieft sich ins Spiel. Dann nimmt er sein Lieblingsbuch, betrachtet die Tierbilder, lässt sich durch nichts und niemanden ablenken. Immer gibt es etwas Neues zu entdecken.

„Durch Noah ist unser Leben reicher geworden“, sagen sein Vater Jens Achim Moritz und seine Mutter Petra Schumann. Der Dreijährige hat das Down-Syndrom. „Von ihm haben wir unendlich viel gelernt“, betonen seine Eltern.

„Noah zeigt uns, was im Leben wirklich zählt. Wir sind dankbar für jeden Tag mit ihm. Es ist ein Geschenk. Die Jahre mit ihm haben uns weitergebracht“, schildern Jens Achim Moritz und Petra Schumann.

Bei ihnen zu Hause ist immer was los, es geht bunt und fröhlich zu: Noah und seine Schwester, die zweijährige Josephine, bringen Trubel in die Bude. Die beiden sind ein Herz und eine Seele, sie schmusen miteinander, kuscheln, erkunden die Welt um sich herum. Manchmal aber gibt’s auch kräftig Knatsch – so wie eben bei allen Geschwistern. Jens Achim Moritz und Petra Schumann – beide Musiktherapeuten – nehmen den heutigen Welttag des Down-Syndroms (medizinisch Trisomie 21) zum Anlass, jungen Eltern Mut zu machen, ihr Familienglück zu genießen, jedes Kind als einmalig anzunehmen, als einzigartige Persönlichkeit, die ihren Weg gehen wird: behütet und begleitet von Menschen, die sie lieben.

Mit beiden Beinen fest im Leben

Das Paar weiß, wie groß der Schock erst einmal ist, wenn werdende Eltern die Gewissheit haben, dass ihr Baby anders sein wird als andere Kinder. Sie hören, berichten sie, immer wieder, dass Väter und Mütter nach der zunächst erschütternden Diagnose den Rat bekommen, die Schwangerschaft abzubrechen, dass sich die meisten auch zu dem Schritt entschließen – wohl aus Angst vor dem Ungewissen, aus Unsicherheit und Unwissenheit.

Petra Schumann fühlte sich bei ihrer Frauenärztin gut aufgehoben, auch die Hebamme im Geburtshaus habe sie sehr unterstützt. „Wir möchten“, hebt sie hervor, dass Noah alle Möglichkeiten hat. Er hat seinen eigenen Kopf, er kann was. Er braucht kein Mitleid.“

Der kleine Kerl hat Charme, er gibt Liebe, ist lebensfroh, mit seinem Lächeln spricht er die Herzen an. „Alle, die ihn kennenlernten, sind beseelt und begeistert“, erzählt seine Mutter. Den Eltern ist es wichtig, ihren Jungen – genau wie die Tochter – zur Selbstständigkeit zu erziehen. Ihre Kinder sollen mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Sie freuen sich über Noahs Musikalität, über sein handwerkliches Geschick, seine ausgeprägte Neugierde und seine große Hilfsbereitschaft. „Er hat ein gesundes Urvertrauen“, unterstreicht sein Vater. Noah habe eine besondere Gabe, Situationen zu erspüren, sofort zu fühlen, wer ihm zugetan ist. „Und er schafft es, auf Anhieb mit den Menschen Kontakt aufzunehmen“, ergänzt die Mutter. Noah bekommt eine intensive Förderung. Regelmäßig stehen Termine beim Logopäden oder beim Physiotherapeuten an. Die Eltern tun viel dafür, dass sich der Junge seinen Anlagen gemäß entwickelt. Sie freuen sich über die Fortschritte, die er macht – auch wenn alles langsamer vonstatten geht. Sie finden Rückhalt, die Familie springt ein und hilft, den Tagesablauf zu organisieren. Noah braucht – wie alle Kinder – Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit. Er besucht den Waldorf-Kindergarten in Lohne, soll später einmal zur Regelschule gehen. Seine Eltern haben viel durch ihn erfahren – und verstanden. Jens Achim Moritz, Kinder- und-Jugendlichen-Psychotherapeut: „Wir wissen durch ihn, was es heißt, sich ganz dem Augenblick hinzugeben und unbeschwert in den Moment versunken zu sein.“ Und: „Noah hat uns die Chance gegeben, darüber nachzudenken, welche Gesellschaft wir wollen – eine, die ihre Ellenbogen einsetzt und Menschen an den Rand drängt oder eine Gemeinschaft, die deutlich macht, dass alle zusammengehören, ganz egal, welche Stärken und Schwächen sie haben.“ - Köp.

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