Neues Terminservicegesetz

Vermittlung zum Facharzt darf nicht länger als vier Wochen dauern

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Laut Terminservicegesetz darf der Patient nicht länger als vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten.  

Kreis Soest – Viele Menschen im Kreis Soest warten Monate (zu) lange auf einen Termin beim Facharzt – darüber haben wir online ausführlich berichtet. Die Situation soll durch das neue „Terminservice- und Versorgungsgesetz“, das seit dem 11. Mai in Kraft ist, verbessert werden.

Gesetzlich Versicherte sollen schneller einen Termin beim Arzt bekommen. „Die Regelungen des neuen Gesetzes sind sehr umfangreich und treten erst nach und nach bis zum kommenden Jahr in Kraft“, sagt Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, zu der auch der Kreis Soest zählt. Um die Neuerungen dieses Gesetzes in den Praxen in die Realität umzusetzen, brauche es ein wenig Zeit. 

Schon seit zwei Jahren vermitteln die Terminservice-Stellen Termine beim Facharzt, wenn der Patient beim Arzt seiner Wahl zu lange warten muss. Im aktuell geänderten Gesetz ist die Palette der Ärzte, die über die Servicestelle vermittelt werden, erweitert worden: Eingeschlossen sind nun auch Haus- und Kinderärzte. 

Die Kassenärztliche Vereinigung nennt Zahlen: 2016 wurden rund 10.300 Termine vermittelt, 2017 waren es 16.500 und 2018 rund 27.800 Termine. 

So funktioniert die Vermittlung durch die Servicestellen

Der Patient, der eine Überweisung vom Hausarzt mit Dringlichkeitsvermerk hat, ruft bei der Servicestelle an, dort wird die Anfrage notiert. „Innerhalb einer Woche erhält der Patient einen Rückruf und bekommt einen Termin genannt. Dabei wird darauf geachtet, dass vom ersten Anruf des Patienten bis zur persönlichen Vorstellung beim Facharzt nicht mehr als vier Wochen vergehen“, sagt Vanessa Pudlo. 

Lesen Sie: Warum Patienten lange auf einen Facharzt-Termin warten

Dies sei dann kein Termin beim Wunscharzt, das müsse dem Patienten klar sein. Wie weit sei die Reise zumutbar? Auch da gibt es klare Regeln: Zu Fachärzten wie zum Beispiel Augenärzten, Orthopäden, HNO-Ärzten oder Nervenärzten darf die Fahrzeit maximal 30 Minuten betragen, zu Anästhesisten, Fachinternisten, Kinder- und Jugendpsychiatern und Radiologen maximal 60 Minuten. 

So funktioniert die Terminvergabe

Die Ärzte melden freie Kapazitäten über eine Software an die Terminservicestelle, die die freien Termine an die Patienten weitergibt. 

Bis jetzt habe sich diese Methode im Praxisalltag gut entwickelt. „Es wird sicherlich Einzelfälle geben, wo es schwierig wird, den Termin innerhalb von vier Wochen zu vermitteln. Doch grundsätzlich funktiniert das System“, so Pudlo. „Für uns Hausärzte ist die neue Regelung unsinnig, denn wir haben immer freie Sprechstundenzeiten“, sagt Dr. Walter Jesse, Vorsitzender der Ärzte-Vereins Soest. 

Wie die Fachärzte im Kreis Soest zum neuen Gesetz stehen, sei bis dato im Ärzte-Verein noch nicht Thema gewesen. Das neue Gesetz bringe aber noch mehr Bürokratie ins Spiel. „Wenn es medizinisch geboten und dringend ist, greife ich auch zum Hörer und rufe meinen Fachkollegen selber an.“

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