Neues Konzept zur lokalen Klimaanpassung auf dem Weg

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Am Wall kam früher kein feindliches Heer vorbei. Heute aber trägt das massive Bauwerk dazu bei, dass wenig frische Luft aus dem Umland in die Altstadt strömt.

SOEST - Vorbei die Zeiten, als die Anpassung ans Klima noch mit einem Rückzug in die Höhle und dem Überwerfen eines wärmenden Felles weitgehend abgetan werden konnte. Heute bedarf es dazu eines wissenschaftlich fundierten Konzeptes – und genau das soll im Laufe des Jahres für Soest entwickelt werden.

„Der globale Klimawandel ist nicht aufzuhalten“, machen sich Stadtplaner Alfons Tubes und Dr. Monika Steinrücke von der Ruhr-Universität in Bochum keine Ilusionen. Aber Maßnahmen zum Klimaschutz, gerade auch auf lokaler Ebene, können seine Auswirkungen positiv beeinflussen – und Maßnahmen zur Klimaanpassung seine Folgen für das ganz alltägliche Leben von Menschen erträglicher machen.

Obwohl unsere Breiten sich darüber freuen dürfen, immer noch das Privileg eines relativ gemäßigten Klimas für sich in Anspruch zu können, werden die klimatischen Entwicklungen ganz sicher auch um Soest keinen Bogen machen. Besonders hohe Temperaturen in den Sommermonaten und extrem starke Niederschläge in Form von Platzregen werden auch den Menschen in der Börde in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zusetzen.

Weil das als Phänomen nicht zu ändern sein wird, gelte es nun, so Dr. Steinrücke, frühzeitig in der Stadtentwicklung die Klimaanpassung als einen von mehreren wichtigen anderen Bausteinen bei Konzepten und Projekten zu berücksichtigen.

Als Beispiel nennt sie die großen Temperaturunterschiede in den Sommermonaten zwischen dem Zentrum der Altstadt und umliegenden Ortsteilen. So mussten sich im vergangenen Jahr am 17. Juli Bürger in der Altstadt um 23 Uhr bei rund 23 Grad in den Schlaf schwitzen, während zwischen Deiringsen und Meiningsen angenehme 19 Grad gemessen wurden.

Dafür, dass solche Differenzen in der Zukunft nicht noch viel größer werden, kann einiges getan werden: Die Auswahl von Baumaterialien und Straßenbelägen gehört ebenso dazu wie die Begrünung von Dächern oder, gerade in der Kernstadt ein brandaktuelles Thema, die Versiegelung von Grünflächen.

Klar ist: Soest muss nicht nur mit dem Klimawandel leben, sondern auch mit seiner historischen Vergangenheit. Hielt der Wall früher feindliche Heere fern, leitet er heute vor allem die Frischluft aus dem Umland an der Altstadt und ihren Bewohnern vorbei. - kim

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