Millionen-Angebot für Landwirt

Unternehmen hat schon Pläne für weitere Windräder im Soester Süden

Windkraft Worthberg Schalksmühle Halverscheid Symbolfoto
+
Werden sich schon bald neue Windräder zwischen den Dörfern im Soester Süden drehen? Und wenn ja, wie viele? Diese Frage beschäftigt viele Menschen in Epsingsen, Meiningsen, Röllingsen und Ampen.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum Anwohner in Epsingsen, Meiningsen, Röllingsen und Ampen etwas dagegen haben, dass in ihrer Nachbarschaft Windräder gebaut werden sollen. Einer davon ist die Befürchtung, dass es bei den bislang geplanten fünf Anlagen nicht bleiben wird. Offenbar ist diese Befürchtung berechtigt.

Epsingsen – Investor Andreas Düser aus Ense und die Stadt haben die Karten bereits auf den Tisch gelegt und Details der Planungen für die Windräder vor den südlichen Toren der Kernstadt nahe der Autobahn genannt. Von anderen, zusätzlichen Plänen für weitere Windräder war da bislang nicht die Rede.

Und das galt, soweit es die Stadt betrifft, auch noch vor einigen Tagen: „Bei uns liegen weder ein Antrag noch eine Anfrage eines weiteren Windkraft-Investors vor“, erklärte Thorsten Bottin, Sprecher der Soester Stadtverwaltung, gegenüber dem Anzeiger am vergangenen Donnerstag.

Dann aber erreichte ein „offener Brief“ der Bürgerinitiative „Mit Abstand am besten“, in der sich Anwohner rund um die geplanten neuen Windräder organisiert haben, die Verwaltung. Und in dem war sehr wohl die Rede von einem solchen „weiteren Windkraft-Investor“, der Anlagen in diesem Bereich bauen will - offenbar war die Wahl seiner Gesprächspartner bislang aber nicht auf Mitarbeiter im Soester Rathaus gefallen. Stattdessen, so ist zu hören, aber auf einen Landwirt, dem ein konkretes Pacht-Angebot für zwei Flächen zwischen Epsingsen und Röllingsen unterbreitet wurde.

Sie sollen als Standorte für zwei bis zu 200 Meter hohe Windräder genutzt werden. Konkret geht es um Ackerflächen südlich zwischen den beiden Ortsteilen und unmittelbar nördlich vor dem als Dolfsbusch bekannten Waldstückchen – rund 700 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt.

Das Angebot ist für den Landwirt höchst lukrativ. Für 30 Jahre, so heißt es in dem Schreiben der Firma Naturwerk Windenergie mit Sitz in Herten, sollten die beiden Flächen angepachtet werden. In den ersten zehn Jahren mit einer Beteiligung von 9 Prozent am Gesamterlös aus der Stromgewinnung, mindestens aber 102 000 Euro – pro Jahr und Windrad, Auszahlung monatlich. Das steigt in den späteren Jahren noch an und erreicht in den letzten zehn Jahren des Pachtvertrages eine Beteiligung von 11 Prozent, mindestens aber 116 000 Euro. Macht über die gesamten 30 Jahre über drei Millionen Euro, garantiert. Mehr bei entsprechend höherer Stromproduktion.

Und auch die Kommune, so rechnet das Unternehmen vor, habe etwas von den beiden Windrädern: Neben der ohnehin fälligen Gewerbesteuer könne die Stadt auch an der eingespeisten Strommenge beteiligt werden – gedacht sei da an 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde. So kämen bei dem geplanten Anlagentyp zwischen 35 000 und 40 000 Euro für das Stadtsäckel zusammen, pro Jahr und Windrad.

Angesichts dieses konkreten Angebotes fragt die Bürgerinitiative die Verwaltung nicht nur, ob ihr diese (und möglicherweise ja noch weitere) Pläne inzwischen bereits bekannt seien, sondern auch, wie sie dazu steht. Mit der Bitte um eine baldige Antwort.

Inzwischen hat die Stadt bestätigt, dass es eine konkrete Anfrage für den Bau eines Windrades in einem anderen Bereich der Stadt gibt – und zwar auf einer Fläche nördlich des neuen Gewerbegebietes Wasserfuhr im Osten von Soest.

Stadt wehrt sich gegen Kritik an Informationspolitik

Nicht auf sich sitzen lassen will Matthias Abel, Technischer Beigeordneter, Vorwürfe der Bürgerinitiative, die unzufrieden mit der Informationspolitik der Stadt ist. Er verweist auf die virtuelle Unterrichtung interessierter Bürger am 13. April mit über 100 Teilnehmern.

Aus deren Reihen seien rund 30 Fragen gestellt worden. Auf der städtischen Beteiligungsseite www.mitdenken-soest.de seien weitere 111 Fragen und Anregungen eingegangen und beantwortet worden.

Auf der Seite sei auch eine Fülle weiterer Informationen hochgeladen worden - soweit sie zu diesem frühen Zeitpunkt der Planungen überhaupt vorlägen.

In dem Zusammenhang weist Abel auch darauf hin, dass sowohl die Stadt als auch Investor Andreas Düser klar gemacht hätten, dass das Ergebnis der Diskussion über eine 1000-Meter-Abstandsregel auf Landesebene abzuwarten sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare