Thomas Link im Interview

Der neue Soester Polizeichef ist ein "Polizist mit Begeisterung"

+
Thomas Link hat Erfahrungen in vielen Bereichen der Polizeiarbeit gesammelt. Seit dem 1. Oktober kann er die auch bei der Soester Kreispolizei einbringen.

Seit dem 1. Oktober ist Thomas Link der neue Chef der Soester Kreispolizei. Der Polizeidirektor lebt mit seiner Familie in Bergkamen, hat vor seinem Wechsel nach Soest Führungserfahrung auf vielen verschiedenen Ebenen von Dienststellen unter anderem in Unna, Gütersloh und Hamm gesammelt.

Kreis Soest - Über die Erwartungen an seine neue Aufgabe und welche Schwerpunkte er dabei setzen will sprach der 58-Jährige mit Achim Kienbaum.

Sport hat in Ihrem Leben immer eine große Rolle gespielt. Vor allem dem Handball sind Sie mit großer Leidenschaft verbunden, erst als aktiver Spieler, später unter anderem als „Teammanager“ der Polizei-Nationalmannschaft. Wie fit ist denn die Soester Kreispolizei für die Aufgaben, die ihr derzeit gestellt werden?

Die aktuelle Situation verlangt allen Kollegen viel ab. Zunächst ein Lockdown mit tiefgreifenden Einschränkungen und Umstellungen im Dienstbetrieb, der natürlich auch auf das private Leben großen Einfluss genommen hat. Dann im weiteren Verlauf der Pandemie immer wieder das Risiko, sich selbst in Einsätzen zu infizieren. Ohne die Sicherheit der Bürger hier im Kreisgebiet zu vernachlässigen, haben sich alle Kollegen in den Dienststellen bis an die Grenze der Belastungsfähigkeit darum bemüht, den berechtigten Ansprüchen der Menschen gerecht zu werden. 

Das ist nach meinem Eindruck auch im Wesentlichen gelungen. Und zwar ohne dass es zu Infektionen im Einsatzgeschehen gekommen ist. Um im Bild zu bleiben: Die Kreispolizei Soest hat sich in den vergangenen Monaten wie in einem Trainingslager auf die Situation eingestellt. Sie ist nicht nur fit für ihre Aufgaben, sondern richtig durchtrainiert.

Apropos im Bild bleiben: Als Handball-Schiedsrichter haben Sie viele Jahre Spiele in der ersten Liga gepfiffen. Was muss ein guter Schiedsrichter haben, das auch ein guter Polizist haben sollte?

Ein guter Schiedsrichter muss über eine ausgeprägte Wahrnehmung und eine schnelle Auffassungsaufgabe verfügen. Und er muss körperlich leistungsfähig, durchsetzungsfähig und kommunikativ sein. Außerdem ist natürlich eine sehr gute Regelkenntnis Voraussetzung für eine sichere Entscheidung in der jeweiligen Situation. Das sind alles auch wesentliche Eigenschaften für einen Polizeibeamten. Wir müssen ja ebenfalls häufig in sehr kurzer Zeit die wichtigsten Informationen erfassen, rechtlich bewerten und eine angemessene Entscheidung treffen, die dann den Beteiligten verständlich erklärt werden muss.

Das Thema Verkehr und Verkehrssicherheit hat bei Ihrer Polizeiarbeit einen großen Stellenwert gehabt, unter anderem als Dozent an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung und in den vergangenen zwei Jahren auch als Direktionsleiter bei der Polizei in Hamm. Welche Möglichkeiten sehen Sie für Ihre Beamten, aktiv zu mehr Verkehrssicherheit beizutragen?

Ich finde, wir erzielen hier im Kreis bereits viele gute Ergebnisse. Wo wir noch besser werden können, versuchen wir Konzepte zu entwickeln, um negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. Aktuell stellen wir zum Beispiel fest, dass die Unfälle mit Rad- und Pedelecfahrern zunehmen. Die vor kurzem eingerichteten Fahrradstreifen sollen dazu beitragen, die Zahl dieser Unfälle zu reduzieren. Repressive Maßnahmen wie Kontrollen und das Verhängen von Bußgeldern sind sicher auch ein Beitrag für mehr Verkehrssicherheit. Aber die polizeilichen Möglichkeiten darauf zu reduzieren, wäre natürlich zu wenig. Deshalb setzen wir neben der Repression auf eine Vielzahl von Aktivitäten und Maßnahmen, die vor allem präventiv wirken sollen. 

Es geht darum, dass Verkehrsteilnehmer selber ihr Verhalten darauf ausrichten, dass sie weder sich selbst noch andere gefährden. Unsere Arbeit für dieses Ziel beginnt bereits im Kindergartenalter und geht bis in den Seniorenbereich – da planen wir zum Beispiel aktuell Schulungen für Pedelec-Fahrer. Es geht also immer um ein Zusammenspiel von Repression, Prävention und Präsenz, und das wissen auch die Beamten und Beamtinnen der Soester Kreispolizei. Am Ende ist aber natürlich auch jeder Verkehrsteilnehmer selber mit dafür verantwortlich, ob sein Verhalten einen Unfall wahrscheinlicher macht oder nicht.

Mehr Kontrollen, mehr Präsenz - am besten überall und rund um die Uhr. Bürger haben große Erwartungen an ihre Polizei. Welche können Sie erfüllen und welche nicht?

Ich kann versprechen, dass wir rund um die Uhr für die Bürger im Kreis Soest da sind. Vor allem möchte ich sicherstellen, dass wir immer dann, wenn wir gebraucht werden, auch schnell vor Ort sind. Darüber hinaus sollen die Kollegen in allen Wachbereichen präsent, also sichtbar sein. 

Aber natürlich kann das in der Fläche nicht überall gleichzeitig garantiert werden. So viel Personal gibt es einfach nicht. Deshalb kann polizeiliche Präsenz und Kontrolltätigkeit immer nur auf wenige Orte zeitgleich begrenzt sein. Das kann ich leider nicht ändern. Bei besonderen Wünschen einer intensiveren polizeilichen Präsenz können die Bezirksbeamten vor Ort als Ansprechpartner helfen. Und natürlich sollte im Notfall immer die 110 gewählt werden.

Wo haben Sie als Direktor einer Kreispolizei eigentlich eigene Gestaltungsspielräume – und wo haben Sie die nicht?

Grundsätzlich ist natürlich Landrätin Eva Irrgang Behördenleiterin und damit Gesamtverantwortliche. Ich trage die Verantwortung für die Entwicklung von Strategien und Konzepten zur Kriminalitäts- und Verkehrsunfallbekämpfung sowie zur sachgerechten Einsatzbewältigung. Das beinhaltet auch die Zuweisung des erforderlichen Personals und der Sachmittel. Damit bin ich auch für die Ergebnisse der Kreispolizei verantwortlich.

Wenn es um qualifizierten Berufsnachwuchs geht, befindet sich die Polizei in einem knallharten Wettbewerb. Womit können Sie potenzielle Bewerber begeistern, was begeistert Sie selber auch nach vielen Dienstjahren noch an diesem Beruf?

Ich habe im Oktober 1978 meinen Dienst bei der Polizei aufgenommen. Damals warb man damit, dass kein Tag wie der andere sei und Polizisten Hubschrauber fliegen oder Porsche fahren könnten. Es gibt zwar keine Porsche mehr bei der Polizei, aber es stimmt, dass kein Tag wie der andere ist. Ich weiß nie, was mich in der nächsten Schicht erwartet. Ich weiß aber immer, dass ein tolles Team auf mich wartet. 

Es gibt viele Fortbildungs- und Einsatzmöglichkeiten. Es gibt den Wach- und Wechseldienst und die Kriminal- und Verkehrspolizei. Und es gibt Spezialeinheiten, Reiterstaffeln und sogar Hubschrauber. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Aufstiegsmöglichkeiten und ein sicherer Arbeitsplatz. All das habe ich persönlich erlebt. Ich war Leiter aller operativen Direktionen, Dozent an der Hochschule der Polizei und Leiter einer Stabsdienststelle. Bei einigen Themen konnte ich meine Erfahrungen auch in Arbeitsgruppen auf Landesebene einbringen und Entwicklungen mitgestalten. 

Im Laufe der Jahre habe ich viele tolle Kollegen und Kolleginnen und die unterschiedlichsten Behördentypen kennengelernt. Ich kann wirklich sagen, dass es nie langweilig war und ich auch heute noch ein Polizist mit Begeisterung bin.

Lassen Sie uns zum Abschluss einen Blick in die Zukunft werfen: Welche Bereiche der Polizeiarbeit werden in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen?

Ich bin mir sicher, dass die Themen Demografie und Digitalisierung die Polizeiarbeit beeinflussen werden. Dass die Gesellschaft immer älter wird, wirkt sich ja bereits aus. Zum Beispiel ist Mobilität auch im hohen Alter ein wichtiges Gut. Damit nimmt auch die Zahl der älteren Pedelecfahrer und die Zahl der Unfälle zu, in die sie verwickelt sind. Das macht uns schon heute Sorgen. Die Digitalisierung wird neue Kriminalitätsphänomene produzieren. 

Das Internet als Tatmittel ist ja längst etabliert und wird weiter zunehmen. Das gilt auch für die Entwicklung des autonomen Fahrens, wo erste Testläufe ja auch schon eingerichtet sind. Und natürlich nimmt auch die Gewalt gegen Polizeibeamte zu, während der respektvolle Umgang mit ihnen abnimmt. Das macht die Einsätze schwieriger, weil kaum noch sicher eingeschätzt werden kann, was am Einsatzort zu erwarten ist. Darauf müssen wir die Einsatzkräfte gut vorbereiten. In allen diesen Bereichen wird es neue Herausforderungen geben, sowohl für die gesamte Gesellschaft, als auch für die Polizei. Denen werden wir uns stellen müssen. Ich bin mir aber absolut sicher, dass uns das auch gelingen wird.

Immer am Ball: Polizist und Sportler

Im Beruf ein Mann mit viel Führungserfahrung, privat gerne auch ein Teamplayer – beides scheint zur Persönlichkeit von Polizeidirektor Thomas Link zu gehören. Letzteres wird in seiner Leidenschaft für den Mannschaftssport Handball deutlich. Er hat selber lange aktiv gespielt und begann damit beim VfL Kamen. Später engagierte er sich dort als Trainer im Jugendbereich sowie Spielertrainer der zweiten Mannschaft und Schiedsrichter, der auch bei Spielen in der Bundesliga zum Einsatz kam. 

Außerdem ist er als „Fachwart Handball im deutschen Polizeisportkuratorium“ verantwortlich für die Polizeinationalmannschaften der Männer und Frauen, die bei den Titelkämpfen vor zwei Jahren Europameisterinnen wurden. In dieser Funktion organisiert er unter anderem Trainingslager und Vorbereitungsspiele für Titelkämpfe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare