Neue Bewegung "Extinction Rebellion"

Ungehorsame gesucht: Soesterin macht mit Ordnungswidrigkeiten  auf Klimakrise aufmerksam

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Leya Paschen, Gruppen-Gründerin

Soest – Tatort Kreuzung Arnsberger Sraße / Lübecker Ring, morgens um 7.30 Uhr: 50 bunt gekleidete Menschen gehen bei „Grün“ über die Straße – und bleiben wie angewurzelt stehen, obwohl die Ampel längst wieder „Rot“ zeigt.

Sieben Minuten lang. Einige blockieren die Straße, andere verteilen Flyer mit eindeutigen Botschaften: „Lasst uns gemeinsam die drohende Klimakatastrophe verhindern“ oder „Wir stehen hier, weil wir Eure Aufmerksamkeit brauchen“.

„Wir“, das ist die Ortsgruppe Soest/Lippstadt von Extinction Rebellion (XR), was so viel heißt wie „Rebellion gegen die Ausrottung“. „XR macht mit friedlichem Ungehorsam auf den drohenden Klimakollaps und das massive Artensterben aufmerksam“, steht auf der Internetseite der Gruppe für Deutschland.

Damit das eingangs erzählte Szenario schon bald Realität wird, will Leya Paschen heute in Soest eine XR-Ortsgruppe gründen. Denn der 20-jährigen Soesterin liegt der Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe spätestens seit diesem Jahr „mit seinen dramatischen Entwicklungen“ richtig am Herzen. Warum? Weil angesichts einer „auch für die Spezies Mensch lebensbedrohlichen Entwicklung“ keine Zeit mehr bleibe.

Das fängt im Persönlichen an („Ich versuche jetzt konsequent umweltfreundlich zu leben“) und zieht die junge Frau nun auch in die Öffentlichkeit („Weil wir viele Menschen überzeugen müssen, um die Kurve noch zu kriegen“).

Über Freunde und soziale Medien stieß sie auf XR, besuchte die Ortsgruppe in Dortmund – und war begeistert. „Wir sind der Ansicht, dass es nicht mehr ausreicht, nur zu demonstrieren oder Petitionen zu schreiben“, sagt Leya, „deshalb setzen wir auf das Mittel des zivilen Ungehorsams.“ Das höre sich zwar radikal an, doch Straftaten seien absolut tabu. Ordnungswidrigkeiten dagegen nicht. „Wir sind absolut friedlich, wir kooperieren mit der Polizei“, sagt sie. Und: „Unsere Aktionen sind alle schwangerschaftstauglich“. Zuletzt sei es in Dortmund zu einer Straßenblockade gekommen, bei der sich 35 Aktivisten von der Polizei wegtragen ließen.

Gründungs-Treffen 

Gemeinsam mit der Lippstädterin Tanja Frank lädt Leya Paschen am heutigen Donnerstag um 19 Uhr in den Raum 5 des „Alten Schlachthof“ ein. Wer kommen darf? „Alle. Uns geht es nicht um Politik, uns geht es nicht ums Alter. In London zum Beispiel haben 80-Jährige bei einer Blockade auf Bussen gesessen. Es geht auch nicht darum, schon jetzt konsequent ,grün’ zu sein.“ Worum es dann geht? Leya: „Darum, gemeinsam etwas zu bewegen.“

Drei Forderungen an die Politik

Die Bewegung „Extinction Rebellion“ (XR) ist nach eigenen Angaben eine internationale, dezentral organisierte gesellschaftspolitische Bewegung. „Unser Ziel ist es, den für das Klima nötigen umfassenden und tiefgreifenden Wandel herbeizuführen. Damit wollen wir das Risiko der Auslöschung der Menschheit und des Kollapses unserer Ökosysteme verkleinern“, heißt es. Die Bewegung erhebt drei Forderungen: Erstens fordert sie Regierungen auf, die Wahrheit über die Klimakrise zu verbreiten; zweitens sollen alle Regierungen handeln und bis 2025 (!) die CO2 -Emissionen auf „Nettonull“ (Emissionen werden kompensiert) herunterfahren; drittens soll ein Bürgerrat gebildet werden, der von Experten beraten wird, ehe er den Parlamenten Handlungs-Optionen aufzeigt.

Mehr Infos gibt es per Mail an soest-lippstadt@extinctionrebellion.de

KOMMENTAR VON JÜRGEN VOGT

„Ahimsa“ als Mittel des Widerstands

Die Idee von „Ahimsa“, die Mahatma Gandhi einsetzte, befreite die Inder im Jahr 1947 durch eine gewaltfreie Haltung der Nicht-Kooperation von der Herrschaft der Engländer. Sein Prinzip: Dem Ordnungssystem wird mit Wertschätzung begegnet; gleichzeitig gehen Aktivisten gegen herrschendes Unrecht mit Streiks, Blockaden, Gesetzesbrüchen vor. Die Bewegung „Extinction Rebellion“ agiert 72 Jahre später ähnlich. Um der Klimakatastrophe entgegenzuwirken, wählen die Aktivisten das Mittel des zivilen Ungehorsams. Ihr Ziel: friedlich Aufmerksamkeit erregen, nachhaltig auf Veränderungen hinwirken. Das ist ein guter Weg. Die Gefahr aber liegt in der dezentralen Organisation der Gruppen. Denn sobald es nur einmal zu Gewalt kommt, aus einer Ordnungswidrigkeit eine Straftat wird, ist die moralische Überlegenheit dahin. Bis dahin aber ist es eine vortreffliche Haltung, mit friedlichen Mitteln gegen eine Katastrophe zu kämpfen. Wer Zweifel an den Fakten hat, klicke www.de-ipcc.de.


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