Neue Herausforderung an der Wiesenkirche

Ein völlig maroder Pfeiler ließ Dombaumeister Jürgen Pril kürzlich Alarm schlagen. Nun ist der Schaden behoben. Prigl zeigt hier ein neues, sehr filigran gearbeitetes Maßwerk. -  Foto: Niggemeier

Soest -   Geschafft! Noch vor wenigen Wochen schlug Dombaumeister Jürgen Prigl Alarm, als er am Nordturm der Wiesenkirche einen völlig maroden Achteck-Pfeiler entdeckte. Der desaströse Zustand des auch im Inneren tief gerissene Steins – ein erschreckendes Bild.

Der Schaden ist inzwischen behoben. Eine weitere Herausforderung, die die Steinmetze meisterten. Prigl: „Das haben wir in den Griff gekriegt.“

Doch nun tut sich neben der Rettung der Türme die nächste große Baustelle auf: Die Schutzverglasung der Hauptchorfenster ist nicht mehr in Ordnung. Sie ist veraltet, und die Konstruktion entspricht mittlerweile technisch nicht mehr dem Stand der Zeit. Durch kleine Löcher dringt Feuchtigkeit von außen, zudem breitet sich im Zwischenraum Kondenswasser aus. Die drastischen Folgen lassen sich an einigen Stellen deutlich erkennen: Die Farben der kostbaren Glasmalereien verblassen und waschen aus.

Möglicherweise sind zudem noch Erneuerungen am Strebewerk notwendig. „Doch“, so Prigl, „in diesem Punkt sind wir guten Mutes, dass nicht allzu viel zum Vorschein tritt und wir mit minimalem Aufwand auskommen.“

„Das ist noch einmal eine ganz neue Dimension“, hebt der Dombaumeister hervor. Vieles sei erreicht worden, nun gelte es, den nächsten Schritt zu setzen und zu einem „neuen Ufer“ aufzubrechen.

Er schaut auf den Fensterzyklus, der wohl Hand in Hand mit dem Aufmauern der Wände entstanden ist, er betrachtet die Choranlage – „eine Synthese aus Stein und Glas“. „Ein atemberaubender Anblick“, meint er, „einfach wunderschön.“

Diese Pracht der gotischen Hallenkirche zu bewahren – ein herausragendes und weit über über Soest hinaus bekanntes kunsthistorisches Denkmal –, ist mit erheblichen Anstrengungen verbunden. Ein gewaltiges Projekt, das dem Dombauverein und der Gemeinde nach wie vor einiges abverlangen wird. Prigl zum Bauwerk: „Da steckt viel Arbeit drin, aber auch viel Schönheit.“

Er freut sich über die Nachricht, dass für die Fenster aktuell 400 000 Euro aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Bundesregierung fließen (wir berichteten). Sein Antrag sei damit glatt durchgegangen, erläutert Prigl. Zwar sei die höchstmögliche Fördersumme bewilligt worden, doch um das Vorhaben so, wie es geboten sei, umzusetzen, sei eine noch einmal so hohe Summe erforderlich – ein weiterer mühevoller Kraftakt. Die Unterstützung durch den Kulturstaatsminister sieht er als besondere Auszeichnung an: „Man weiß um die Wertigkeit des Objektes.“ Der Erhalt der Wiesenkirche für kommende Generationen gilt als Jahrhundertwerk, die Gerüste stehen im dritten Jahrzehnt. Prigl sprich von einem geschichtlichen Prozess – „großartig“. „Es war oftschwierig, wir wurden gefordert, aber es hat immer geklappt“, sagt er. Auf die Frage, wie lange die umfangreiche Sanierung noch läuft, antwortet er: „Das kommt ganz drauf, wie schnell wir noch vier Millionen Euro bekommen.“ In Zeiten knapper Kassen ein sehr beschwerliches Unterfangen. -  Köp.

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