Neues zum Soester Radstreifen / Mit Kommentar

Neue Deko für Soester Jakobistraße - weil der Verkehrsminister es so will

So soll demnächst die Radfahr-Jakobistraße aussehen. Rechts die dicke weiße Linie und die schraffierte Fläche, die für Auto- und Radfahrer gleichermaßen tabu sind. Das blaue Fahrrad-Signet soll Radler animieren, die Straße in der Mitte zu benutzen. Überholen scheidet dann von allein aus. - Fotomontage: Niggemeier

Soest - Es wird ein paar tausend Euro kosten, die Jakobistraße mit Schildern und neuen Streifen auf der Fahrbahn so umzudekorieren, damit sie künftig zweierlei erfüllt: Rechtssicherheit und (weiterhin) tatsächliche Sicherheit für die Radfahrer. Ein solch' bürokratischer Aufwand „passt eigentlich nicht in die heutige Zeit“, sagt Olaf Steinbicker, Bau-Abteilungsleiter im Soester Rathaus.

Steinbicker hatte am Montag mit den drei Gesandten des Berliner Verkehrsministeriums verhandelt. Er müsse nun mal schlucken, dass der heutige Mittelstreifen aus Juristensicht „nicht rechtskonform“ sei, weil er gegen das Rechtsfahrgebot verstoße. 

Da mag sich die Soester Lösung noch so sehr bewährt haben und obendrein 2013 vom (selben) Verkehrsministerium mit einem 5000-Euro-Preis ausgezeichnet worden sein: Ans Gesetz sei man gebunden, so widersprüchlich Preisvergabe und späte Forderung nach Abschaffung auch wirken mögen.

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Steinbicker hat jetzt im Gespräch mit dem Anzeiger erläutert, wie die „neue“ Jakobistraße aussehen soll: Sie wird zu einer Fahrradstraße; Schilder gleich am Eingang am Jakobitor werden aufgestellt. Auf der Fahrbahn teilt dann – etwa einen knappen Meter vom rechten Rand entfernt – ein dicker weißer Streifen („Breitstrich“) die Jakobistraße in zwei Bereiche: Auto- und Radfahrer dürfen nur links von dieser Linie fahren; der rechte Teil bleibt für alle tabu. „Wir überlegen noch, ob wir dies mit einer Schraffur allen begreiflich machen.“

Die eigentliche Fahrspur links vom Streifen bekommt die Fahrrad-Signets (weißes Rad auf blauem Grund) auf die Straße gepinselt. „Der Radfahrer muss lernen, dass er nur hier fährt und nicht – wie etwa auf Bundes- oder Landstraßen – rechts des Strichs“, sagt Steinbicker.

Im Grunde genommen soll der Radfahrer auch künftig genau dort radeln, wo er es heute schon gewohnt ist: Mitten auf der Straße, um von Autofahrern erst gar nicht überholt werden zu können.

„Es war ein gutes Gespräch“, fasst der Abteilungsleiter die Runde zusammen: Das Berliner Ministerium habe einen Unterabteilungsleiter („gleich unterm Staatssekretär“) nach Soest geschickt, begleitet von zwei Referatsleitern für die Straßenverkehrsordnung und fürs Radfahren. „Wir haben jetzt keine übertriebene Eile, das Ergebnis umzusetzen“, findet Steinbicker. Bis also Rad- und Autofahrer in Soest die neue Deko zu Gesicht bekommen, dürften noch Monate vergehen.

Kommentar zum Thema von Holger Strumann

Der Irrsinn mit den Paragrafen

Es hat prima funktioniert mit dem Fahrrad-Mittelstreifen in Soest. Darin stimmen alle überein, auch der Bundesverkehrsminister, der das Fass mit dem Rechtsfahrgebot aufgemacht hat. Doch gut, sinnvoll und sicher reichen bekanntlich hierzulande nicht. Das Ganze muss der guten Rechtsordnung halber auch noch bis ins letzte Detail zu den Paragrafen passen. Wo kämen wir denn sonst hin?! 

Ein Irrsinn, wenn man bedenkt, dass Radfahrern erst künftig noch durch die neue Linienführung vermittelt werden muss, dass sie mitten auf der Straße am besten aufgehoben sind und nicht rechts des Strichs, was sie von vielen anderen Straßen gewohnt sind. 

Sollte sich trotzdem ein Radfahrer auf den Randstreifen rechts verirren und dort womöglich wegen einer aufgerissenen Autotür zu Schaden kommen, wäre das höchst traurig, ja tragisch, aber zumindest regelkonform. Das mag zynisch klingen. Aber diese Paragrafen-Reiterei ist es auch. 

Es bleibt das Geheimnis der Ministerialen aus Berlin, eine über Jahre bewährte lokale Lösung nicht einfach zu akzeptieren und einem anderen juristischen Grundsatz zu folgen: Wo kein Kläger, da kein Richter.

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