Auf gute Nachbarn ist Verlass

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Die Nachbarn hatten sich viel zu erzählen. Angelika Janz, Anke Rauer-Jaschke und Angelika Grundmann (stehend) haben das Treffen initiiert.

Soest – „Das war schon abenteuerlich, es waren arme, aber schöne Zeiten“, sagt Ilse Schmidt und lacht. Sie erzählt über ihre Kindheit am Endlosen Weg – „jenseits der Bahngleise“ – wo sie schon eine halbe Ewigkeit wohnt. Viele der Häuser ringsherum standen damals noch nicht. Die Soesterin berichtet vom weiten Schulweg bis in die Stadt, vom scharfen Wind, der dort draußen wehte und die Kinder mit dem schwerem Holztornister auf dem Rücken umriss, so dass sie im nassen Graben landeten. Geschichten von früher machten beim Nachbarschaftstreffen am Bunker die Runde.

 Alteingesessene schilderten, wie es einst im Viertel zuging. Gerade erst Zugezogene plauderten über ihre bisherige Heimat, um dann hinzuzufügen, wie gut es ihnen nun in Soest gefällt. Die große Runde, die im Domizil des Schützenvereins Hattropholsen-Dörmen bei Kaffee und Kuchen gemütlich zusammensaß, hätte sich noch lange unterhalten können, und die meisten sprachen sich dafür aus, es nicht bei diesem einen Nachmittag zu belassen.

Das freut die drei Initiatorinnen: Anke Rauer-Jaschke, die sich für die Caritas-Konferenz engagiert und betont, wie wichtig es sei, in diesem Ehrenamt auf die Menschen zuzugehen; Angelika Janz, die von Rüsselsheim nach Westfalen gegangen ist und nun schwärmt, wie toll es in Soest ist, wie nett die Leute hier sind; Angelika Grundmann, die durch ihre Unterstützung das umsetzt, was Ehrenkommandeur Ernst-Wilhelm Kothe in seiner Begrüßung mit Blick auf die Historie zitierte: Zweck des Schützenvereins sei es immer noch, die freundschaftlichen Beziehungen zu stärken und das Band der Eintracht fester zu knüpfen. Das wollen auch die Anwohner dieses Quartiers, die nun häufiger etwas miteinander unternehmen möchten, zum Beispiel zusammen frühstücken, grillen, spazierengehen, musizieren. 

Alte und neue Nachbarn lernten sich kennen, für den ein oder anderen, der erst seit Kurzem ums Eck wohnt, sicher ein erster Schritt, um näher in Kontakt zu kommen. Die Erinnerungen an alte Zeiten boten reichlich Gesprächsstoff. Von den einstigen Kolonialwarenläden war die Rede, vom Metzger und vom Friseur, die ihre Kundschaft bedienten. Die Gaststätte „Kümmelecke“ ist unvergessen – dort stand der erste Fernseher in der Gegend. Das Publikum saß auf Reifen und schaute gebannt auf die schwarz-weißen Bilder. 

Klaus Immig kennt den Ilgenweg aus seiner Kindheit. Zwischendurch schlug er seine Zelte woanders auf, vor 20 Jahren ist er zurückgekehrt. Das hat er nie bereut. Denn: „Wir wurden aufgenommen, als wären wir nie weg gewesen. “ „Hier fühlen uns hier sauwohl“, betont er, und Ehefrau Anita stimmt zu. „Ja, hier oben war schon immer was los“, meint Friedel Kirchhoff vom Vorwerckweg. Denkt er zurück, so fallen ihm viele vergnügliche Stunden ein: „Wir hatten viel Spaß.“ Heute sei es ruhiger geworden, doch die gute Gemeinschaft präge das Viertel nach wie vor. Friedel Kirchhoff fühlt sich zuhause, und die Nachbarn vom neuen August-Müller-Weg wissen: Sie haben es bestens angetroffen. Hier lässt es sich aushalten.

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