Nachbar in Not

Corona und Mietrückstände: Soester brauchen Hilfe

Hein Jungbluth
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Heinz Jungbluth, ehrenamtlicher Geschäftsführer, weiß um die Notlagen der Soester. Das Bild im Rathaus entstand vor der Corona-Krise. 

Trotz oder gerade wegen Corona ist die Sprechstunde der Aktion „Nachbar in Not“ im Rathaus gut besucht. Heinz Jungbluth, ehrenamtlicher Geschäftsführer, berichtet von „verhältnismäßig vielen Anfragen“ von Soestern, die ihre Mietrückstände nicht begleichen können. Da besteht möglicherweise ein Zusammenhang mit der im Frühjahr erlassenen gesetzlichen Regelung, dass Mieter vorerst keine Kündigung befürchten müssen, wenn sie wegen der Pandemie in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Forderungen bleiben aber grundsätzlich bestehen, müssen also auch bedient werden – und das fällt einer Reihe von Soestern schwer, weil sie sich zum Beispiel in Kurzarbeit befinden und durch die Hygienestandards zusätzliche Ausgaben haben.

Soest - Ein zweites großes Thema, das Hilfesuchende im Gespräch mit Heinz Jungbluth und Sigrid Schöbel immer wieder vorbringen, sind die hohen Energiekosten und die Nachzahlungen, die ein Loch in die Haushaltskasse reißen. Heinz Jungbluth: „Wir haben in den vergangenen zwei Monaten einen starken Zulauf erlebt, und das wird sich vermutlich auch so fortsetzen.“

Die Geschäftsstelle hat es bis jetzt trotz der erheblichen Einschränkungen durch die Schutzmaßnahmen geschafft, für Soester, die dringend Rat brauchten, erreichbar bleiben. „Wir haben keine Pause eingelegt“, schildert Heinz Jungbluth. Per Smartphone, E-Mail oder mit Vorab-Anmeldung zum persönlichen Gespräch im Rathaus stehen er und Sigrid Schöbel zur Verfügung. Bis jetzt haben sie im laufenden Jahr 40 000 Euro an Hilfsmaßnahmen ausgezahlt – Geld, das Spender zur Verfügung stellen, die helfen wollen, Notlagen in der Stadt zu mildern.

Die Organisation springt ein, wenn Mensch unverschuldet und durch unvorhergesehene Ereignisse in einem finanziellen Engpass stecken, und kein kein Anspruch auf Unterstützung durch die Behörden besteht. Dabei gilt das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Jeder, der etwas bekommt, leistet auch einen eigenen Beitrag, um aus der Klemme zu kommen. Ein wichtiges Augenmerk richten die Initiatoren auf die Kinder, die die finanzielle Probleme in der Familie besonders spüren. Deshalb gibt die Aktion auch Geld für Ferienfreizeiten, damit junge Soester zumindest einige erlebnisreiche Tage in der Gemeinschaft verbringen. In diesem Jahr kam erschwerend dazu, dass die Schulen wochenlang geschlossen waren, die Kinder zuhause bleiben mussten und den Kontakt zu ihren Freunden vermissten. Zwar fielen im Sommer viele Fahrten aus, einige Veranstaltungen aber fanden statt, „wenn auch in eingeschränkter Form“, so Jungbluth. Nachbar in Not habe durch Zuschüsse eine Teilnahme ermöglicht.

Weil der November naht und es allmählich auf Advent und Weihnachten zugeht, rechnet der Geschäftsführer fest mit vielen weiteren Anträgen in 2020. „Darauf sind wir eingestellt“, betont er. Denn trotz des Lichterglanzes in der dunklen Jahreszeit wohnen unter den Dächern der Stadt Menschen, die so wenig Geld haben, dass sie ihren Kindern oder Enkeln nicht einmal ein kleines Geschenk kaufen können. Jungbluth geht davon aus, dass dann auch wieder etliche ältere Menschen vorbeikommen, die jetzt wegen des Virus lieber daheim bleiben. Er vermutet, dass nächstes Jahr als Folge von Corona noch mehr Anfragen eingehen.

Die Organisation

Auch der Anzeiger beteiligt sich an der Aktion „Nachbar in Not“ und unterstützt aus dem Hilfsfonds Menschen, die im Umfeld von Soest wohnen, und zwar in Bad Sassendorf, Möhnesee, Lippetal, Welver, in der Stadt Werl, in Wickede und Ense sowie in der Stadt Warstein.

Die Hilfe ist dank vieler Spender möglich. Die Initiative geht auf den früheren Soester Stadtdirektor Dr. Gerhard Groot zurück, der 1975 zu seinem Abschied bat, keine Geschenke mitzubringen, sondern an Bedürftige zu denken. Im Jahr 2000 schlossen sich die Stadt Soest und der Anzeiger als Aktionsgemeinschaft zusammen, um die Idee noch intensiver zu verbreiten.

Spendenkonten: Sparkasse Soest IBAN DE86 4145 0075 0003 0086 53 (Stadt Soest);

Sparkasse Soest, IBAN: DE97 4145 0075 0000 0682 88; Volksbank Hellweg: IBAN: DE25 4146 0116 0000 6664 00 (beide Soester Anzeiger).

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