Prozessauftakt am Landgericht Arnsberg gegen Männer aus Soest, Werl und Ense

Zechtour mündet in Gewalt: Trio überfällt wahllos Menschen und verprügelt sie

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Die Zechtour von Männern aus Soest, Werl und Ense, bei der auch Wodka eine nicht unerhebliche Rolle spielte, lief im Oktober 2018 völlig aus dem Ruder. Jetzt hat der Prozess gegen das Trio begonnen.

Ein Männer-Trio steht seit Dienstag vor Gericht. Sie hatten sich betrunken und dann wahllos Menschen überfallen, verprügelt und bedroht.

Soest/Werl/Ense – Es ist schon ein lange Liste zum Teil schwerer Vorwürfe, die den jungen Männern aus Soest, Werl und Ense gemacht werden, die seit Dienstag auf der Anklagebank im Arnsberger Landgericht sitzen. So lang, dass alleine die Verlesung der Anklageschriften 20 Minuten dauerte.

Das auf zwei Verhandlungstage angesetzte Verfahren dreht sich im Kern darum, dass die drei Männer sowie zwei mögliche Mittäter, gegen die gesondert verhandelt wird, in der Nacht zum 7. Oktober 2018 sturzbetrunken erst in Westönnen und dann in Werl wahllos Menschen überfallen, sie zum Teil verprügelt und mit zwei Schreckschusswaffen sowie einem Messer bedroht haben sollen.

Verkürzt wurde das Verfahren zunächst dadurch, dass ein Angeklagter sich nur über eine kurze Stellungnahme über seinen Verteidiger zur Sache äußerte, der mutmaßliche Rädelsführer diese erst zum zweiten Verhandlungstag ankündigte. Er wurde in Handschellen vorgeführt, sitzt zur Zeit eine andere Haftstrafe ab. Der dritte erwies sich als recht aussagefreudig.

Audiodatei vor Gericht abgespielt

Die umfassendste Aussage hatte er jedoch unfreiwillig geleistet: Nach dem Vorfall hatte er den Ablauf der Geschehnisse einem „Kollegen“ per Sprachnachricht geschildert. Diese Audiodatei wurde gesichert und vor Gericht abgespielt. 

Auch da schob er die Hauptschuld auf die anderen beiden. Der Enser und der Dritte, ein Soester, seien „voll die Asis gewesen“, aber er selber sei auch derart betrunken gewesen, er hätte auch mit der Schreckschusspistole geschossen.

Auf Schützenfest weitergebechert

An jenem Abend hatten er und die anderen Täter in Werl getrunken. Mit einem der anderen am Steuer seines Golfs sei man nach Ense gefahren. Dort trafen sie den Enser, man habe sich die Schreckschusspistolen gezeigt und ein wenig damit herumgeschossen

In der Nähe war ein Schützenfest, dort konsumierten sie weiter ihren selbst mitgebrachten Wodka.

Dann sei man nach Werl gefahren, habe bei Burger King etwas essen wollen. Bereits da habe der Enser vorgeschlagen, unterwegs „irgendwen abzuziehen“, „doch so was hat er ständig gesagt, ich hielt das auch da nur für Geschwätz“.

Vier junge Soester angegriffen

Auf der B1 hielten sie vier junge Männer aus Soest an. Die kamen von der Herbstfete in der Westönner Schützenhalle, hatten den letzten Zug verpasst, kein Taxi gefunden und sich zu Fuß auf den Heimweg gemacht. 

Die Angeklagten forderten die Herausgabe ihrer Ausweise, Geldbörsen und Wertsachen, bedrohten sie gar mit einer der Pistolen. Einer versteckte sich hinter einem Baum und rief die Polizei.

Angriff eskaliert völlig: Opfer bewusstlos

Die Sache eskalierte, einer der vier Soester landete im Straßengraben, ein anderer bekam einen derart heftigen Faustschlag ins Gesicht, dass er das Bewusstsein verlor. Drei Tage verbrachte er wegen eines gebrochenen Kiefers in einer Spezialklinik. 

Die losen Zähne konnten wieder eingesetzt werden, einer sei in der Zwischenzeit jedoch abgestorben.

Tritte und Schläge in Werl

Als die Täter vom Anruf bei der Polizei Wind bekamen, flohen sie ohne Beute Richtung Werl. In der Fußgängerzone baten sie einen Mann um Zigaretten, versuchten, ihn in die dunkle Bachstraße zu ziehen und auszurauben. 

Nach etlichen Schlägen und Tritten konnte er entkommen. Die Opfer jener Nacht sind erst für den zweiten Verhandlungstag geladen.

Aus Angst, erkannt zu werden, Bart abrasiert

Der Rädelsführer wurde noch in jener Nacht gefasst, die anderen beiden erst einige Tage später.

Aus Angst, erkannt zu werden, hatte der Werler sich seinen Bart abrasiert. Zwei Wochen später ließ der sich abermals volllaufen und fuhr seinen Golf zu Schrott, als er aus einer Kurve flog. 

Letzter Anklagepunkt ist der Fund von 27,50 Gramm Marihuana bei dem Enser.

Mann aus Ense sitzt in der JVA

Aussagefreudiger als zur eigentliche Sache zeigten sich alle drei bei der Erörterung ihrer Lebenswege. In allen drei Fällen zeichnete sich mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt das Bild perspektivloser junger Männer, die ihr Leben nicht auf die Reihe bekommen. 

Der Enser sitzt derzeit in der JVA Hövelhof ein – nicht das erste Mal, dass er mit dem Gesetz in Konflikt geraten war.

Erfahrung mit Terminen vor Gericht

Aus problematischen Familienumständen stammt der Werler. Zuletzt verdiente er sein Geld mit Zeitarbeit. Er stand bereits wegen Beleidigung und Diebstahl vor Gericht.

Der Soester dagegen, der am wenigsten am Geschehen beteiligt war, hat immerhin seinen Hauptschulabschluss geschafft, wurde jedoch an zwei Berufsschulen nicht den Anforderungen gerecht. 

Aktuell hat er ein Bewerbungsgespräch als Paketbote anstehen. Er musste sich bislang erst einmal verantworten, wegen gefährlicher Körperverletzung.

Die Verhandlung wird am 20. Dezember fortgesetzt.

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