Nur ein Drittel der Haushalte hat Elementarversicherung

Überflutete Keller und Wohnungen: Zwei von drei Soestern gehen leer aus

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Das Wasser ist weg, aber knöcheltief steht in dieser Imbissstube im Soester Süden der Schlamm.

Soest - Noch kann niemand die Schäden exakt beziffern, die durch vollgelaufene Keller und Erdgeschosse vergangenen Freitag entstanden sind. Doch eine grobe Faustformel gilt schon jetzt: Zwei von drei Soestern bleiben nach dem mächtigen Starkregen auf ihren Schäden sitzen.

Denn nur ein Drittel der Haushalte, so sagt Melanie Thiele, hat eine Elementarversicherung abgeschlossen – für die Schäden am Gebäude, aber auch für den Hausrat. Thiele muss es wissen; sie leitet das Soester Büro der Provinzial-Versicherung, die in Soest nach eigenen Angaben Marktführer ist.

Dass so viele Menschen die Zusatzpolice (etwa 20 Prozent des Grundbeitrags) für den Elementarschutz scheuen, liegt natürlich auch an der Konstruktion. Gegen Hochwasser und Sturzregen würden sich vermutlich die meisten versicherungsmäßig schützen, doch die „Elementar“ gibt es nur im Paket. Also neben Rückstau werden hier die Schäden durch Erdbeben, Erdrutsch, Lawinen und Vulkanausbrüche versichert. Zumindest die letzten beiden Risiken dürften auf dem flachen Land ohne Alpen und Vesuv überschaubar sein. 

Unwetter überflutet Teile von Soest

„Viele Menschen pokern aber auch“, berichtet Thiele. Was soll schon passieren?! In Soest gebe es keine reißenden Flüsse wie den Rhein oder die Elbe, die in jüngster Vergangenheit schon ganze Orte und Landstriche geflutet haben. 

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Dabei hat in Soest der starke Regen vollkommen ausgereicht, die Kanäle randvoll zu füllen und das überschüssige Wasser durch die Straßen bis in die Häuser zu schieben. 20 bis 30 Schadensmeldungen hat die Provinzial bereits auf dem Tisch. Es dürften jetzt stündlich mehr werden, schätzt die Versicherungsfrau. 

Denn zunächst mal kümmern sich die Betroffenen um Hilfe und die Beseitigung der Schäden; die Abrechnung erfolgt später, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist. 

Aber auch die ersten ohne Versicherung haben sich im Büro gemeldet und wollen nun nach dem nassen Freitag doch eine Police gegen Elementarschäden abschließen. Wer das erst nach einem vollgelaufenen Keller macht, muss übrigens höhere Beiträge dafür zahlen. Schließlich wägt jede Versicherung auch ihr Risiko, ob sie für Rückstau-Schäden demnächst geradezustehen hat. 

Trotzdem ist Thiele sicher: Auch wer jetzt ungeschoren davongekommen ist, wird über eine Elementarversicherung nachdenken: „Wenn jetzt nach dem schwarzen Freitag noch einer sagt, mich betrifft das nie, bleibt mir die Spucke weg.“

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