Nach bewaffnetem Überfall auf Supermarkt: Jugendliche geständig

Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten
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Vier junge Männer aus dem Kreis Soest stehen vor Gericht, weil sie bewaffnet einen Einkaufsmarkt in Bad Waldliesborn überfallen haben.

Soest/Paderborn - Ihnen standen alle Wege offen. Stattdessen vermasselten sie sich die Aussichten auf eine positive Zukunft: Vier junge Männer aus dem Kreis Soest, die bewaffnet einen Einkaufsmarkt in Bad Waldliesborn überfallen haben, stehen derzeit in Paderborn vor Gericht.

Dort backen sie kleine Brötchen und bitten reumütig um Verzeihung. Die Tat war alles andere als ein Dumme-Jungen-Streich, auch wenn es die große Jugendkammer ist, vor der sich das Quartett verantworten muss.

Am 20. März waren die vier Syrer unmittelbar vor Ladenschluss in den REWE-Markt in der Quellenstraße gestürmt. Drei von ihnen bedrohten die Kassiererin mit einer Spielzeugpistole, einem Elektroschocker und einem Fleischerbeil, um sie zur Herausgabe des in der Kasse befindlichen Bargelds zu nötigen. Der Vierte ging mit vorgehaltener Pistole – ebenfalls nicht echt – mit einem weiteren Mitarbeiter in den Büroraum: Dort sollte der Praktikant den Tresor öffnen – was er natürlich nicht konnte.

Drogenschulden und Familienunterstützung

Etwa 3000 Euro schnappten sich die Räuber aus der Kasse und verschwanden fluchtartig, als genau eine Minute nach 22 Uhr die Automatik das Licht in dem Einkaufsmarkt ausschaltete. Erst durch die Auswertung von Videoaufzeichnungen und eine Öffentlichkeitsfahndung konnten die jungen Männer Anfang Mai ermittelt und festgenommen werden. Als jugendliche Flüchtlinge waren sie ohne Familien nach Deutschland gekommen. Drei von ihnen, 19 Jahre alt, kennen sich seit der gemeinsamen Unterbringung in einem Wohnheim.

Sie haben Deutsch gelernt und sich bemüht, Fuß zu fassen – mit Erfolg: Einer lernt gerade Kfz-Mechatroniker, der andere geht noch zur Schule, zwei von ihnen haben feste Jobs. Sie haben eigene Wohnungen in Soest, Bad Sassendorf und Lippetal. Und dann kommt der Geldmangel, aber eher als höchst subjektiv empfundene Not: Der Älteste hat 300 Euro Drogenschulden, die anderen wollen ihre Familien in Syrien finanziell unterstützen.

Angeklagte entschuldigen sich

So entsteht die Idee, durch einen Überfall zu Geld zu kommen. Leugnen kommt den jungen Männern nicht in den Sinn. Sie geben gestern vor der Jugendkammer alles zu. Zudem gibt es Videobänder aus dem Kassenbereich. „Das sind Sie hier, der mit dem Hackebeil?“ fragt Richter Eric Schülke – der Azubi aus Soest nickt. Wenige Minuten später wendet sich der 19-Jährige an die wenig ältere Verkäuferin im Zeugenstand. „Wir haben nicht an Sie gedacht, sondern nur an uns. Das war alles Blödsinn. Ich hoffe, Sie können uns verzeihen.“

Auch seine Kumpane bitten die Frau um Entschuldigung. Und einer meint selbstkritisch. „Ich habe mir meine ganze Zukunft versaut.“ Wie das Gericht mit der Zukunft der Angeklagten umgeht, wird sich am 17. Oktober zeigen: Dann soll das Urteil fallen.

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