Baggerfahrer macht Entdeckung bei Wall-Arbeiten

Bunker-Fund in Soest: Dieser Mann (86) saß als Kind darin und sah nach den Bombenangriffen die Toten

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Mathias Krahnke ist heute 86 und erinnert sich gut an die Zeit im Bunker

Wenn es  noch eines Beweises bedarf, dass es sich bei den Tunnel unterm Wall um einen Luftschutzbunker handelt, dann liefern ihn Menschen  wie Gitta Leifert oder Mathias Krahnke. Sie haben als Kinder dort unten mit ihren Eltern gehockt, als Fliegeralarm ausgelöst wurde. Nicht ein- oder zweimal, sondern 20-mal oder noch mehr. Hier ihre Geschichte.

Soest - Mathias Krahnke, der langjährige Vorsitzende des Soester Kleingärtnervereins, war damals Ende 1944 elf Jahre alt, als es in den Bunker ging. Der heute 86-Jährige wohnte nur 30 Meter von dem Schutzraum entfernt in der Grünen Hecke 36 und erinnert sich haargenau: „Wir haben bei Sirenenalarm immer unsere kranke Oma dorthin getragen.“

Die alte Frau hätte es aus eigener Kraft nicht geschafft, sich in Sicherheit zu bringen. Eng beieinander hockten die Soester an den beiden Längsseiten des langen, aber nur etwa 1,2 Meter breiten Bunkers und stießen praktisch mit den Knien aneinander.

Seite an Seite auf den an den Wänden montierten Klappstühlen. „Später“, so Krahnke, „hatte hier jeder schon so eine Art Stammplatz.

Schon allein  der Blick in den Bunker ist beklemmend.

 Die Mütter strickten, um die Zeit totzuschlagen, zumal wir nicht wussten, wann Entwarnung kam.“ Väter gab es kaum hier, die waren größtenteils im Krieg. Als Elfjähriger, so Krahnke, habe er nicht die ganz große Angst gehabt. „Man gewöhnte sich von Alarm zu Alarm mehr daran.“ Zumal nicht jeder Luftangriff der Stadt Soest galt. 

Bombeneinschlag direkt nebenan

Und dennoch: Am Ende schlugen auch hier die Bomben ein, eine sogar auf der Ostseite des Tunnels nahe dem Ulrichertor, „Wir haben dort die Toten liegen sehen“, schildert der Zeitzeuge. Eine direkte Erinnerung an den Aufenthalt unterm Wall hat Gitta Leifert nicht mehr; sie war erst zwei Jahre alt, als ihre Eltern und Großeltern sie mitnahmen bei den Luftangriffen. Aber sie kennt aus den späteren Schilderungen all das, was sich hier zugetragen hat. Leifert ist sicher: Noch heute werden viele Soester, die über 80 sind, Erinnerungen an diese Zeit haben.

Erst am Donnerstag waren Bauarbeiter überraschend auf die Bunker-Anlage unter dem Stadtwall gestoßen. 

Zeitzeugen gesucht

Genau diese Soester und ihre Geschichten suchen wir. Wer bei Luftangriffen Schutz unterm Wall gesucht und gefunden hat, den bitten wir um seine Erlebnisse – am besten als Email an den Autor. holger.strumann@soester-anzeiger.de

Bunkeranlage im Wall entdeckt

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