Friede an Schule kehr langsam wieder ein

Schülerinnen zum Diebstahl gezwungen? Widersprüchliche Aussagen

Soest - Der Frieden ist halbwegs wieder hergestellt, die Mädchen kommen wieder zum Unterricht, die „Konflikt-Parteien“ gehen sich erst einmal aus dem Weg.

In den vergangenen drei Wochen ist kaum ein Tag vergangen, an dem Schüler, Eltern, Lehrer und auch die Polizei nicht mit den Folgen der massiven Anschuldigungen befasst waren, die zwei elfjährige Mädchen einer weiterführenden Schule in Soest erhoben hatten.

Die beiden Schülerinnen waren beim Laden-Diebstahl im Hit-Markt am Bahnhof ertappt worden; die Mädchen gaben an, sie seien von Mitschülern bedrängt und genötigt worden, für sie Beute zu machen. Dabei sei sogar ein Messer vorgezeigt worden, um die Schülerinnen einzuschüchtern.

Widersprüchliche Aussagen

„Wir haben mit allen Beteiligten gesprochen und wir haben uns vergangene Woche mit ihnen gemeinsam an den Tisch gesetzt“, heißt es aus der Schulleitung. Die beiden Mädchen blieben bei ihren Anschuldigungen, die bezichtigten Jungen verweisen die Vorwürfe weiterhin ins Reich der Fabel. Nach alledem bestehe der „begründete Verdacht“, dass die Schülerinnen womöglich nicht die volle Wahrheit gesagt haben.

„Das ist für uns insgesamt sehr unbefriedigend“, so sagen die Verantwortlichen der Schule. Doch das Bild, das sich nach all den intensiven Gesprächen ergebe, reiche nicht aus, um Ordnungsmaßnahmen gegen die Schüler zu erheben oder gar über einen Schulverweis nachzudenken. Diese Einschätzung werde von der Schulaufsicht in Arnsberg geteilt, die man eingeschaltet habe. „Alles in allem haben wir viele, viele Stunden darauf verwandt“, so die Schulleitung weiter, „Vergleichbares ist uns in der Form noch nicht untergekommen.“

Von Polizei und Staatsanwaltschaft zum Jugendamt

Auch bei den Ermittlern von Polizei und Staatsanwaltschaft ist der Fall nur bedingt in richtigen Händen. Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig, deswegen reichen die Behörden die Akte rasch weiter ans Jugendamt.

Fürs Erste begleiten nun Schulpaten die Mädchen auf dem Weg von der Schule zum Bahnhof. Das sind erfahrene Vierzehnjährige, die sich zu Streitschlichtern in der Schule haben fortbilden lassen.

Weil ein Großteil der (vermeintlichen) Bedrohungen und Vorwürfe über WhatsApp hin- und hergeschickt worden sind und die technischen Möglichkeiten, insbesondere die vielfältige Verbreitung nicht unbedingt hilfreich für die Aufarbeitung des Falls sind, werden in Kürze die Medienscouts in die Klasse gehen, um das Für und Wider solcher Posts zu besprechen. Bis auf Weiteres ist den beteiligten Schülern verboten worden, den Streit weiter über WhatsApp auszutragen.

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