Verdreckte Keller und Garagen

Nach dem Hochwasser: Ein Wochenende im Zeichen des Großreinemachens

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Kilian Soldan, Jens Hüttenschmidt, Madita Schelleter und David Altsach (von links) pumpen Resham Singh Dhillon den Keller seines Neubaus leer. „Am Freitagabend habe ich niemand erreichen können bei der Feuerwehr“, erzählte Singh: „Es war einfach zu viel zu tun überall…“

Soest - Von wegen Wochenendruhe. Unzählige Soester haben Samstag und Sonntag damit zu tun gehabt, nach der großen Welle am Freitag für klar Schiff zu sorgen. Wir haben uns bei den Anwohnern und in den Geschäften am Grandweg umgesehen, wo am Freitag die Flutwelle bis ins Haus geschwappt war.

Olga Martins von der Bäckerei Steinhoff gegenüber dem Grandweg-Parkplatz ist immer noch fleißig mit Feudel und Flitsche zugange. Am Samstag und wohl auch am Montag bleibt das Geschäft dicht, steht am Fenster. Zu Besuch kommt gerade ein Rentner und erzählt, wie es seiner Frau geht: Die wurde ein Stück weiter die Straße runter vom Wasser umgeworfen, mitsamt ihrem Rollator. Feuerwehr und weitere Helfer haben sie da wieder rausgeholt – die Episode schaffte es bis ins Fernsehen. In der Bäckerei stand das Wasser 30 Zentimeter hoch im Laden.

Unwetter überflutet Teile von Soest

 „Mit einem Schwung kam das Wasser, so schnell konnte man gar nicht reagieren“, schildert Roswitha Elberfeld von „Pepper“. Die Matschepampe hat auch das Geschäft für große Damen-Größen nicht verschont, gefühlt XXL schwappte hier die Suppe rein. Jetzt ist Totalausverkauf, so klebt es Weiß auf Knallrot am Fenster. „Aber nicht (nur) wegen der Flut“, erzählt der Mann auf der Leiter. „Internet, Online-Handel und eine schlechte Politik mit den verkaufsoffenen Sonntagen – das hat uns kaputt gemacht: Wir sind seit mehr als 20 Jahren hier. Verkaufsoffene Sonntage bringen nur was, wenn zeitgleich keine Großveranstaltung ist – und richtige verkaufsoffene Sonntage, so wie früher, die fehlen. 

Im „Silver Dollar“ wird gezockt und Kaffee ausgeschenkt. „Alles wieder gut“, sagt jemand am Tresen.

 Im „Goldankauf“ nebenan saugt jemand mit einem Wassersauger die Matsche von den Fliesen. Wasser und Dreck schwappten auch hier hinein. Klaus Röper zeigt die Tiefgarage am Grandweg. „Die letzten drei, vier Zentimeter bleiben immer stehen, die bekommt man nur mit viel Mühe wieder raus“, erzählt er. „Kennen wir“, sagt er zum Wasser. „Vor 13 Jahren war’s zuletzt so schlimm.“ Röper klappt einen schweren Eisendeckel hoch: Ein Pumpwerk arbeitet hier. „Sauberstes Quellwasser von der Haar“, erzählt Röper. „Hier war früher eine Gerberei, und für das Handwerk braucht es viel Wasser – das war also der ideale Standort hier.“

 Und er sorgt sich: „Was aus den Senioren in meinen Wohnungen auf der anderen Straßenseite wird, weiß ich noch nicht. Wenn wir da mit großen Trocknern durchmüssen, müssen die Bewohner raus – die Geräte saugen ja den ganzen Sauerstoff mit ab.“ I

An der Thomäresidenz waren Praxen und Veranstaltungsräume im Souterrain abgesoffen: „Eine Riesen-Sauerei“, erzählen zwei Damen, die seit Freitag putzen. „Viel Regen und Sturm, das haben wir alles schon erlebt, aber so was noch nicht“, sagen beide: „Gut, dass es vorüber ist.“ 

Im Café Grande stand der Keller fast einen Meter unter Wasser. Jörg Schauer bedient schon wieder seine vielen Früh-Gäste: „Wir müssen schauen, was an Waren hinüber ist. Leib und Leben sind ja ok soweit, jeder hat jedem irgendwie geholfen. 

Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer richtet am Wochenende Lob und Dank an die vielen Hundert Helfer, die im Einsatz waren. „Als unsere Stadt von einem außergewöhnlichen Unwetter getroffen wurde, haben Sie alle Gewaltiges geleistet.“ Sollte es zu Problemen oder akuten Notlagen kommen, bietet Ruthemeyer städtische Hilfe an. Betroffene können sich unter Telefon 02921 / 103-9046 im Rathaus melden.

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Kommentare

Peter ZipperlingAntwort
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Meine Mutter sagte immer:

"Lass' dich nicht von Deppen provozieren", daran halte ich mich, alleine schon wegen der erwünschten Diskussionskultur.

MaxAntwort
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Schön das Sie militaristische Dinge wie Heckenschützen zusätzlich zu Ihrem allgemeinen Lehrauftrag auch noch lieben - damit wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer im Keller Herr Zipperlein.

Peter ZipperlingAntwort
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Hach, wie ich diese Heckenschützen liebe, die unter ihrem Nicknamen scharf schießen, und obwohl sie eigentlich anonym sind, ihr Profil bei Disqus auf "privat" stellen.
Die elementarsten physikalischen Grundlagen sollten eigentlich jedem geläufig sein, aber jetzt, da es gerade wieder Sommer wird, glauben andere Menschen, die im Physikunterricht auch ständig die Kreide holen mussten, dass man bei Außentemperaturen von 30° C die Kellerfenster zum "Lüften" öffnen muss. Die Schimmelsporen freuen sich schon.