Verbotene Hunderassen

Nach Bericht über Hunde-Mafia: Plötzlich wollen alle die zehn Kampfhunde-Welpen aus dem Tierheim

Kampfhunde-Welpen im Tierheim Soest
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Endlich Besuch: Mama „Mira“ und die zehn Welpen haben große Lust, die weite Welt zu erkunden. Vorerst finden sie aber nur die Schnürsenkel des Fotografen.

Ein riesengroßer Ansturm aus der gesamten Republik, Reservierungen für alle zehn Welpen und nun ein Stufenplan, nach dem die American Staffordshire Terrier-Welpen ein neues Zuhause finden sollen. Im Soester Tierheim haben zehn junge Kampfhunde für ziemlich viel Trubel gesorgt.

Soest - Unsere Berichterstattung über die Hundewelpen, die auf Druck des Ordnungs- und Veterinäramts im Tierheim landeten, hat viele Menschen im ganzen Land bewegt. Der Grund für den Wechsel der süßen Welpen ins Tierheim: Die Zucht dieser Tierrasse ist in NRW verboten. „Ich bin hier fast verrückt geworden“, sagt Tierheim-Leiterin Birgit Oberg.

StadtSoest
KreisKreis Soest
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner48.747 (30. Juni 2010)

Nach dem Bericht habe das Telefon nicht mehr still gestanden und und zahllose Mails aus „Berlin, Brandenburg, Hamburg, München und dem ganzen Rest der Republik“ hätten alle den gleichen Wunsch formuliert: einen der Welpen zu adoptieren.

Verbotene Hunderassen: Anfragen aus München und Hamburg für Welpen im Tierheim Soest

„Dass diese Welpen so gefragt sind, wundert mich nicht“, so Oberg. Schließlich sei die Zucht verboten und dementsprechend gebe es einfach keine ganz jungen Hunde der American Steffordshire Terrier-Rasse. Dass es sich in diesem Fall um Mischlinge handele, tue der Sache keinen Abbruch. „Viele, die schon mal so einen Hund hatten, wollen den wenigstens so ähnlich einfach wieder haben.“ Und mal eben von Hamburg nach Soest zu kommen, um so einen Welpen kennen zu lernen, das sei offensichtlich kein Problem.

Besonders dann, wenn es sich um Welpen handelt. Denn die Tierheime in Deutschland sind gut bestückt auch mit American Staffordshire Terrier-Hunden. Aber eben älteren.

Verbotene Hunderassen: Ohne polizeiliches Führungszeugnis geht nichts

Dabei ist es mit einigen Hürden verbunden, ehe so ein Hund ins neue Zuhause darf. Ein polizeiliches Führungszeugnis ohne schwer wiegende Einträge, der „Sachkundenachweis für Anlagehunde“ inklusive Gespräch beim Veterinäramt und schließlich die Vorgaben des heimischen Ordnungsamts müssen erfüllt sein, ehe es grünes Licht für Hunde dieser Rasse gibt. Das Ordnungsamt etwa prüft auch die häuslichen Verhältnisse – unter Umständen mit Vor-Ort-Besuchen.

Zuständig ist im Übrigen das Ordnungsamt im neuen Wohnort des Hundes. Weil viele Interessenten das nicht wussten, klingelte am Donnerstag auch im Soester Ordnungsamt dauernd das Telefon. Die immer gleiche Frage: Was muss ich tun, damit ich einen Welpen bekomme. Die immer gleiche Antwort: Wenden Sie sich ans Tierheim und an ihr örtliches Ordnungsamt.

Verbotene Hunderassen: Zehn Welpen suchen ein Zuhause

Wie es nun weiter geht mit den zehn Welpen? Voraussichtlich am Sonntag wird die Mutter, die auf den Namen „Mira“ hört, zurück in ihr eigentliches Zuhause gebracht. „Die ist inzwischen wohl ganz froh, dass sie wieder nach Hause darf“, meint Birgit Oberg. So eine Welpenaufzucht gehe nämlich auch bei Hunden ganz schön an die Nerven – und die Kraftreserven. Zumal wenn es sich gleich um zehn Zöglinge handelt.

Beim Besuch unserer Redaktion jedenfalls freut sich Mira, lässt sich gerne streicheln und auch der Kontakt zu ihren Welpen ist ihr nicht unangenehm. Die nutzen die Gunst der Stunde und machen sich über die Schnürsenkel des Besuchers her - während der versucht, ein Foto der Bande zu machen. Das gelingt nur teilweise, zu neugierig erkunden die jungen Hunde die Verlockungen Welt.

Verbotene Hunderassen: Auch kleine Kampfhunde brauchen Muttermilch

Wenn Mira weg ist, sind die Welpen acht Wochen alt. „Wir machen das ganz bewusst stufenweise“, sagt die Leiterin des Tierheims. Erst ohne Mama, dann schrittweise mit weniger Geschwistern und schließlich mit dem Umzug ins neue Zuhause. Angewiesen auf die Muttermilch sind die Welpen inzwischen ohnehin nicht mehr. Zunächst erhalten sie noch einen Mix aus Aufzuchtmilch und Welpenfutter, kurz darauf gibt`s nur noch das Futter.

Was es bedeutet, wenn bei zehn Hundewelpen dieser Rasse mehrere hundert Anfragen kommen? Ganz klar: „Das macht den illegalen Vermehrern natürlich Mut, viele Welpen zu produzieren.“ Helfen könne da nur die Einsicht der Menschen, dass Verbotenes eben aus gutem Grund verboten sei. „Und die Idee, dass es in den Tierheimen viele sympathische Hunde gibt, die ein neues Zuhause suchen.“

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