Müll vermeiden: Günner Paar verbannt Plastik

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Im Zeichen der Müllvermeidung stehen nicht nur die alternativen Produkte auf dem Esstisch, sondern auch die Bemühungen von Sonja Hengsbach

Günne – Bei Karsten Winkler war es eine Plastikfolie zwischen zwei Käsescheiben fürs Pausenbrot, seine Verlobte Sonja Hengsbachs nennt einen Bericht über qualvoll verendete Fische mit Plastikmüll in den Bäuchen als Schlüsselerlebnis. Vor rund zwei Monaten war für beide klar: Wir produzieren einfach zu viel Müll.

Wir, damit meinen sie die Menschheit im Allgemeinen, aber auch sich selbst im Besonderen. Vor allem überflüssiges Plastik haben die beiden im Visier. Seither ist vieles anders im Hausstand. „Es muss sich etwas ändern, weil es so einfach nicht mehr weitergehen kann“, sagt Sonja Hengsbach.

Die 50-jährige Günnerin hat sich während der vergangenen Wochen richtig hinein gearbeitet in das Thema Müllvermeidung. Die Sache ist ihr ernst. Auf dem Esstisch hat sie extra für den Anzeiger-Besuch eine ganze Sammlung an Vorher-Nachher-Produkten aufgebaut: Haarbürsten aus Holz und Borsten ersetzen Plastikmodelle, Seife aus der Plastiknachfüllbox wird durch ein Stück Seife ersetzt und die Tupperdosen sind längst durch Glasschalen mit Deckel verdrängt. Im Kühlschrank stehen Milch und Joghurt in Glasflaschen – und leichter Schnupfen wird ab sofort nicht mehr mit Wegwerftaschentüchern, sondern mit Baumwollmodellen bekämpft. 

„Das Problem ist, dass wir alles ganz automatisch machen und viel zu wenig darüber nachdenken“, geht Sonja Hengsbach den Einkaufsgewohnheiten auf den Grund. Ein Beispiel? Als sie im Supermarkt an der Fleischtheke mit eigenen Schalen auftauchte, bekam sie nicht nur eine Abfuhr des Marktleiters, sondern auch viele verständnislose Blicke anderer Kunden. „Ich will das ganze Plastik nicht mehr“, argumentierte sie gegen (zu viel) Verpackung um die Wurst. Der Marktleiter hatte andere Argumente: Die Hygiene werde einfach missachtet – und wenn die Ware zu früh verderbe, dann sei das doch auch nicht gut. Am Ende verließ Sonja Hengsbach den Supermarkt mit eigenen Schalen und ohne Wurst. „Da war ich richtig sauer“, erinnert sie sich. Bei einem Fleischer hatte sie kurz darauf doch noch ein Aha-Erlebnis. Da nämlich reichten die Mitarbeiter die Ware über die Theke in die Schalen hinein – und hatten keine hygienischen Bedenken. 

Überhaupt das Einkaufen: Wieso braucht man für drei Äpfel eine Plastiktüte? Wieso kaufen die Menschen Honig in Plastik anstatt in Gläsern? Weshalb gibt es Brot in Plastik anstatt in einer eigenen Brottasche? Das sind Fragen, die Sonja Hengstbach beschäftigen. Immer mehr. 

Zu Hause führt sie die Besucher herum: In der Küche gibt es Wasser aus dem Wasserhahn – mit Kohlensäure. Das spart das Kistenschleppen und -reinigen. Hinter einer Tür stehen in schöner Ordnung Weck-Gläser. „Ich mache ganz klassisch ein“, sagt Sonja Hengsbach, „weil ich im Garten viel anbaue und weil wir so gut über den Winter kommen.“ 

Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer stehen Näpfe für Moni. Moni ist die Katze aus dem schmucken Haushalt von Sonja Hengsbach und Karsten Winkler in Günne. Das mit dem Katzenfutter, ja, das sei ein Problem, räumt Sonja Hengsbach ein. Zu viele kleine Blechschälchen, zu viel Müll falle da noch an. „Da bin ich noch auf der Suche nach einer Alternative“, meint sie. 

Dann wird es noch einmal grundsätzlich: 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff seien zwischen 1950 und 2015 weltweit hergestellt worden, die Hälfte davon sei während der letzten 13 Jahre hergestellt worden. Oder die Sache mit den Blechdosen: 95 bis 98 Prozent der Menschen hätten laut Studien ein Härtemittel für die Beschichtungen der Dosen im Urin, weil es sich unter Säure ablöse. Sonja Hengsbach: „Die Leute machen sich keine Gedanken und meinen, das sei schon in Ordnung. Mich macht das nur noch fassungslos.“

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