Angst vor Lärm und Schlagschatten

Riesen-Windräder? Nein Danke! Viel Kritik in Müllingsen an Plänen

Olaf Steinbicker (links) und Matthias Abel hatten die undankbare Aufgabe, Gastgeber für ein sehr kritisches Publikum in der Müllingser Schützenhalle zu sein.

Müllingsen – Es war weder Liebe auf den ersten, noch auf den zweiten Blick, aber nach 20 Jahren haben sich die Menschen in Müllingsen, Bergede und Lendringsen wohl gewöhnt an die vier Windräder auf Feldern in ihrer Nachbarschaft. Mehr oder weniger. Nicht anfreunden wollen sie sich aber damit, dass die jetzt durch zwei  wesentlich größere Anlagen ersetzt werden sollen. Bei einer Informationsveranstaltung dazu am Dienstagabend wurde das mehr als deutlich. 

Matthias Abel und Olaf Steinbicker von der Soester Stadtverwaltung sowie zwei vom Investor beauftragte Gutachter stellten das Projekt vor – von der für die Genehmigung zuständigen Kreisverwaltung aber war niemand gekommen. Das trug nicht nur zur Besserung der ohnehin schon schlechten Stimmung in der Müllingser Schützenhalle bei, sondern schmälerte auch, zumindest für einige besorgte Bürger, den Erkenntnisgewinn, den sie sich wohl erhofft hatten. 

So blieb es Abel, Technischer Beigeordneter der Stadt und damit Gastgeber, und Stadtentwickler Olaf Steinbicker vorbehalten, die rechtliche Situation zu erklären und die offensichtlich sehr begrenzten Möglichkeiten von Anwohnern und Stadt, das Projekt zu verhindern. „Schon seit den Zeiten von Helmut Kohl als Kanzler ist die Windkraft politisch priveligiert, Einwände müssen deshalb hohe Anforderungen erfüllen, wenn sie Wirkung haben sollen“, stellte Abel klar. Und: Vorgetragen werden müssen sie bis spätestens 18. Dezember beim Kreis. 

"Das ist unzumutbar"

In welche Richtung solche Einwände gehen dürften, wurde in der Versammlung deutlich: Die bereits durch die vier rund 100 Meter hohen Anlagen verursachten Geräusche und vor allem der Schlagschatten werden, so die Befürchtungen, durch zwei 230 Meter hohe Anlagen noch zunehmen. „Das ist unzumutbar“, klagte einer der Anwohner aus der Siedlung Vogelsang bei Bergede, der nach eigenen Angaben nur knapp 850 Meter vom nächsten Windrad entfernt wohnt. Ähnlich äußerten sich Anwohner aus Müllingsen und Lendringsen. 

Den Ergebnissen der beiden Gutachter, die ihre Erkenntnisse zu zukünftigen Lärm- und Schlagschattenbelastungen sowie zu erwartbaren Auswirkungen auf die Vogelwelt vortrugen, wurde wenig Glauben geschenkt. Beide kamen zu dem Schluss, dass gesetzliche Grenzwerte von den neuen Anlagen eingehalten würden. Ersterer musste aber einräumen, dass seine Berechnungen auf Herstellerangaben basieren, Letzterer, dass die Abwesenheit von geschützten Vogelarten in dem fraglichen Bereich möglicherweise ja auch eine Folge von zwei Jahrzehnten Windräderbetrieb sein könnten. 

Rat- und teilweise auch Hilflosigkeit wurden ebenfalls artikuliert von Bürgern, die auf vermeintlich gesetzlich festgelegte Mindestabstände verwiesen, die aber nach Auskunft von Matthias Abel tatsächlich keine Gesetzeskraft hätten und somit auch einen Bau der neuen Riesenwindräder voraussichtlich nicht verhindern würden. 

Leidtragende des Scheiterns

Er erinnerte auch daran, dass die Soester Politik vor einigen Jahren vergeblich versucht hatte, Flächen im Stadtgebiet für den Bau von Windrädern auszuweisen, um den unkontrollierten Bau solcher Anlagen rund um die Kernstadt zu verhindern – der Widerstand in den Ortsteilen war damals zu groß gewesen. Viele Müllingser, Bergeder und Lendringser fühlen sich jetzt als Leidtragende dieses Scheiterns.

Wie geht´s weiter?

Wohl weniger Lärm, aber an mindestens 88 Adressen in der Umgebung mehr als 30 Minuten am Tag Schlagschatten, das sind nur einige der Gutachterergebnisse, die ab dem 18. Oktober einen Monat lang einzusehen sind, unter anderem bei der Stadt und beim Kreis Soest. Einwände von Betroffenen können nur bis zum 18. Dezember beim Kreis vorgebracht werden. Der lädt anschließend ausschließlich Einwänder zu einer Versammlung ein. Entschieden wird danach über eine Genehmigung, voraussichtlich im Frühjahr oder Sommer 2020.

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