Müllingser protestieren gegen Windräder

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Es wurden bereits Unterschriften gesammelt gegen die Windmüller und ihre Modernisierungs-Vorhaben. Am 27. November ist eine Ratssitzung, und bis dahin soll der Protest dokumentiert sein.

Müllingsen – Die Müllingser wollen die neuen Riesen-Windmühlen nicht am Dorf stehen haben: Je 230 Meter hoch sollen die beiden Anlagen werden, die laut Investoren-Antrag die aktuell vier Windräder zwischen Müllingsen und Bergede ersetzen würden.

Die Rechnung für mehr sauberen Strom: Zwei große Anlagen bringen Strom für 8750 Haushalte – die vier bisher schaffen die Hälfte: „In der Höhe steigt die Windausbeute exponentiell“, so hat es der Technische Beigeordnete Matthias Abel den Müllingsern erklärt, als sie am Dienstagabend nach der Ortsbegehung mit dem Bürgermeister im Feuerwehrgerätehaus zusammensaßen. 

Die Müllingser knöpften sich die Stadtoberen sofort vor und machten Druck: „Verschaffen Sie uns Zeit gegen das Projekt!“ Jemand legte gleich nach: „Denken Sie dran: Nächstes Jahr sind Kommunalwahlen!“ Eine Unterschriftenaktion hat begonnen, und es gibt Vorwürfe, die selbst bezahlten Gutachten der Windrad-Investoren seien fehlerhaft. Vögel zählen, wenn in der Nachbarschaft Vergrämungsanlagen ballern – wie soll das denn wissenschaftlich korrekt sein? Überhaupt: Da gebe es doch dieses neue Klimapaket der Bundesregierung, und im Gesetz stehe was von 1500 Metern Abstand zum Dorf. 

Ob das den Entscheidern schon aufgefallen sei? Das Land wolle aktuell 1000 Meter Abstand, aber die seien am Standort in Müllingsen nun schon nicht eingehalten. Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer will nicht „mauern“: Wenn die Müllingser ihm den Bedarf signalisieren, dann will er die entscheidende Ratssitzung am 27. November vom Rathaus II ins historische Rathaus verlegen, damit alle Platz haben und im öffentlichen Teil dabei sein können. Beginn ist um 17 Uhr. 

Wann die Riesen-Windräder dran sind und damit die Entscheidung über ein nötiges „gemeindliches Einvernehmen“, also die Zustimmung der Stadt, das ist noch nicht raus. Zig andere Anträge drehen sich ums Klima und mögliche Projekte, und eigentlich sollen ja auch die neuen Windräder ihren Beitrag dazu leisten, dass die Bilanz noch sauberer wird. Sauberen Strom und sauberes Klima, das wollen auch die Müllingser. „Wir haben Solaranlagen auf den Dächern“, sagen sie. Mit noch mehr Nachteilen durch Windkraft wollen sie nicht leben: „Was ist mit Infraschall, was ist mit Schattenwurf durch die 70-Meter-Rotorenblätter, wie weit fliegt so ein Teil, wenn eine Mühle brennt – so wie in Echtrop?“ Jemand hatte nachgeblättert: 500 Meter sollen es in Echtrop gewesen sein – bei einer „kleinen“ Anlage. 

Wie man die neuen Anlagenteile überhaupt nach Müllingsen schaffen wolle, welche Äcker und Wege dabei kaputt gefahren werden, auch das interessiert. Die Vorwürfe aus der Runde: „Die Investoren machen sich die Taschen voll, die verdienen sich dumm und dämlich – und wir haben die Nachteile, wir ruinieren uns die Gesundheit!“ 

Wie ist der Plan? Die Müllingser drängen darauf, dass der Bürgermeister, seine Verwaltung und die Politik deutlich „Nein!“ sagen zu den beiden Riesen-Mühlen. Dann wäre der Kreis am Zug. Der kann sich als Herr des Verfahrens zwar über das städtische Nein hinwegsetzen, aber auch nicht „mal eben so“: Er muss gründlich prüfen und verhandeln. Dann die vielleicht fehlerhaften Gutachten: Es könnte Klagen und Prozesse geben, die alles in die Länge ziehen. In der Zwischenzeit könnte das Klimapaket mit den neuen Abstandsregeln als Gesetz greifen – es ist ein reines Spiel auf Zeit, auf das die Müllingser ihre letzte Hoffnung setzen. Und weil sie das als völlig legitim empfinden, setzen sie dem Bürgermeister die Pistole auf die Brust.

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