Viel Wind um geplantes Repowering:

Interessengemeinschaft läuft Sturm gegen Riesenräder

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Akten wälzen, Argumente sammeln: Johannes Meier, Tim Sauerland, Beate Röttger, Marie-Luise Reinecke und Carsten Grüne wollen keine Riesenräder.

Müllingsen – Auf der bestehenden Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen südlich von Müllingsen plant ein Investor den Bau von zwei neuen Rädern. Die würden im Gegensatz zu den bestehenden vier Anlagen mit einer Höhe von 229 Metern deutlich höher in den Himmel ragen. Jetzt läuft die Interessengemeinschaft (IG) „Lautstark gegen Schattenschlag“ Sturm gegen den Bau.

Die Argumente gegen die Mammutanlagen sind dabei so vielfältig wie die Gesetzes- und Genehmigungslage kompliziert ist. „Da ist uns erst mal die Kinnlade runter gefallen“, erinnert sich Carsten Grüne an eine Bürgerversammlung im März, als Investor Michael Flocke von der „Energiehof GmbH“ die Dimensionen gelüftet habe. Später habe sich sogar herausgestellt, dass es sich bei den geplanten Windrädern um Prototypen handele, weil solche Dimensionen bisher noch an keinem anderen Standort erschlossen worden seien. „Das macht uns natürlich auch skeptisch was die vielen Gutachten betrifft“, sagt Beate Röttger. Denn oft würden Formulierungen wie „Wir nehmen an“ oder „Es wird vermutet“ genutzt – und am Ende passten dann die Grenzwerte und Vorgaben „ganz zufällig so grade“ ins gesetzliche Raster.

Klar ist: Das Landschaftsbild würde sich verändern mit den beiden Riesenrädern, 88 Häuser wären von Schattenschlag betroffen, „über die Maßen“, so die Anlieger. Neben dem Wechsellicht, dem Infraschall und den bedrohten Tierarten geht es den Mitgliedern der IG aber auch um das Landschaftsbild. Tim Sauerland: „Ich möchte nicht aus dem Fenster gucken und solche Monstren sehen.“ Jede Woche trifft sich die IG jetzt, mindestens 70 Betroffene haben sich bereits zusammen geschlossen.

Das Gespräch mit den Soester Ratsfraktionen hat längst stattgefunden. Die müssen während der Sitzung des Stadtentwicklungs-Ausschusses (STEA) am 27. November darüber befinden, ob die Stadt das „gemeindliche Einvernehmen“ für die neuen Windräder erteilt. Unabhängig davon ist aber am Ende der Kreis Soest als Genehmigungsbehörde für das Verfahren zuständig. „Wir sind nur Zuschauer“, brachte es Soests Technischer Beigeordneter Matthias Abel schon mehrfach auf den Punkt. Also der Kreis Soest. Michael Joswig als „Abteilungsleiter Bauen und Immissionschutz“ betont, dass seine Behörde sich wohl erst im kommenden Jahr mit dem Fall befassen werde. Zu berücksichtigen hat der Kreis die Einwände und Argumente aller Beteiligten, die am 11. Februar 2020 im Rahmen eines Erörterungstermins vorgetragen werden. Und natürlich die Bauanträge, aktuellen Gesetzeslagen und auch die Entscheidung aus dem STEA. Michael Joswig: „Das Landesentwicklungsprogramm von NRW gibt einen Abstand von 1 500 Metern zur Wohnbebauung vor. Allerdings als Grundsatz, von dem immer auch gut begründete Ausnahmen möglich sind.“ Ob die bestehende Konzentrationsfläche, die Bevorzugung eines „Repowering“ (also das Ersetzen alter Anlagen) oder der in die Jahre gekommene Flächennutzungsplan der Stadt (der eine maximale Höhe von 100 Metern vorsieht) diese Ausnahme rechtfertigt, das will Joswig noch nicht beurteilen.

Bisher nur eine Fotomontage: Das neue Windrad würde die bestehenden Anlagen deutlich überragen.

Sicher ist er, dass nach dem Februar-Termin mindestens noch drei Monate vergehen werden, ehe der Kreis Soest eine Entscheidung trifft. Dass diese Entscheidung überall Jubel auslöst, dieser Illusion gibt er sich nicht hin. „Klar ist, am Ende werden wir sowieso beklagt“, weiß er aus Erfahrung.

Vorgaben von Bund, Land und Kreis

Im Klimapaket der Bundesregierung soll ein Mindestabstand von 1 000 Metern zur Wohnbebauung bei Windrädern festgeschrieben werden. Eine der beiden geplanten Anlagen in Müllingsen hat einen geringeren Abstand. Weil das Paket zwar in der Koalition beschlossen, aber noch nicht Gesetz ist, gilt es auch noch nicht. Klar ist: Gilt das Bundesrecht, dann „schlägt“ es das Landesrecht. Unklar bleibt: Gilt es auch für „Repowering“-Maßnahmen? Und hat es Auswirkungen auf laufenden Genehmigungsverfahren?

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Kommentare

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Kommentare

SchmidtAntwort
(1)(0)

Sie hat Ihren Klarnamen verwendet. Jeder, der eine Suchmaschine bedienen kann, findet heraus, dass sie eine Enercon Mitarbeiterin ist.

Haxor
(0)(1)

In den Kommentaren zum gestrigen Artikel hat sich ja auch die Enercon angestellte Carolin Jeffries zu dem Thema geäußert. Dort hat sie noch behauptet es gäbe keine Ausnahmegenehmigungen. Hier im Artikel ließt sich das aber ganz anders. Ich finde es absolut verwerflich, dass eine Angestellte einer Interessenspartei hier Stimmung macht und Falschinformationen verbreitet ohne sich wenigstens als solche zu erkennen zu geben