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„Montagsspaziergang“: Demonstranten greifen in die Trickkiste - Polizei prüft Anzeige

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Von: Daniel Schröder

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In gewohnter Weise zogen die Demonstranten durch die Soester Innenstadt, obwohl die Versammlung beendet worden war.
In gewohnter Weise zogen die Demonstranten durch die Soester Innenstadt, obwohl die Versammlung beendet worden war. © Daniel Schröder

Eines muss man den Demonstranten, die sich selbst als „Spaziergänger“ bezeichnen und für die „Beendigung aller Corona-Maßnahmen“ auf die Straße gehen, lassen: Sie besitzen großen Einfallsreichtum.


Soest – So lösten sie die Versammlung am Montagabend kurzerhand auf, als die Ordnungskräfte sie dazu aufforderten, der Maskenpflicht nachzukommen. Demonstriert wurde danach trotzdem.

Die Maskenpflicht ist eine der Maßnahmen, gegen die die Demonstranten bei ihren sogenannten „Montagsspaziergängen“ auf die Straße gehen. Rund 500 waren es am Montagabend in Soest, auf dem Marktplatz hatten sich 100 Gegendemonstranten postiert.

Demonstration beendet, weil Maskenpflicht nicht umgesetzt werden kann

Da seit vergangenem Donnerstag unter anderem auch bei Versammlungen Maskenpflicht herrscht, wiesen die Kräfte von Polizei und Ordnungsamt den Versammlungsleiter der „Spaziergänger“ darauf hin. „Er hat diese Aufforderung an die Teilnehmer weitergegeben – per Ansprache von der Treppe am Petrikirchhof – und dann sofort die Versammlung für beendet erklärt“, berichtet Stadtsprecher Thorsten Bottin.

Versammlungsleiter: „So gemein sind wir nicht - noch nicht!“

Der Versammlungsleiter erklärte auf dem sozialen Netzwerk Telegram, wo die Demonstranten sich organisieren: „Ich hab die Versammlung beendet, weil die Auflagen nicht zu erfüllen waren. Da gab es Staunen, Entsetzen und lange Gesichter bei der Polizei, haben uns dann friedlich begleitet – soweit es die kleinen Gassen in Soest zuließen.“ Den Zusatz versetzte er mit einem Zwinker-Smiley.

Im weiteren Verlauf des Gespräches klopften sich die Demonstranten dafür auf die Schulter, wie viele Polizei-Kräfte sie gebunden haben. Der Versammlungsleiter schrieb in diesem Zusammenhang: „Wenn man jetzt noch auf die Idee käme, zeitgleich einen Autokorso zu starten. Aber so gemein sind wir nicht – noch nicht!“

Trotz der offiziell beendeten Versammlung starteten die Demonstranten ihren „Spaziergang“ durch die Soester Innenstadt in gewohnter Weise – ein Unterschied zu den vergangenen Demonstrationen war nicht zu erkennen. Abstände wurden nicht gehalten, Masken nicht getragen.

Demonstration in Soest: Polizei prüft Anzeige gegen Versammlungsleiter und Anmelder

Polizeisprecher Holger Rehbock erklärte: „Zurzeit wird geprüft, ob gegen den Anmelder und Versammlungsleiter noch eine Anzeige gefertigt wird. Es ist zu prüfen, ob er die Versammlung vor Ort hätte auflösen und die Teilnehmer zum Weggehen auffordern müssen. Im Grunde hat er durch konkludentes Handeln gezeigt, dass die Versammlung trotzdem noch stattfindet und sich auch mit den anderen Teilnehmern gemeinsam durch die Soester Innenstadt bewegt.“ Deshalb wurde der Demonstrationszug auch weiter von der Polizei begleitet.

Versammlung: „Zwar galt sie für beendet, fand jedoch faktisch noch statt“

Mit Blick auf die Versammlung erklärte Rehbock: „Zwar galt sie für beendet, fand jedoch faktisch noch statt.“ Aufgabe der Polizei sei es, die Versammlungsfreiheit zu schützen.

Vonseiten des Ordnungsamtes der Stadt hieß es: „Aus unserer Sicht ist der Abend friedlich und konfliktfrei abgelaufen. Genau solch ein Ablauf bei einer Meinungskundgebung, ohne Eskalationen, hat aus städtischer Sicht eine hohe Priorität.“

Alle aktuellen Infos zur Corona-Lage im Kreis Soest gibt es an dieser Stelle.

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