Biergarten erlaubt

Wirte freuen sich auf Start der Modellkommune Soest - Außengastronomie ab Mittwoch

Auf Abstand: Im Café Fromme werden noch die exakten Standorte für die Tische bestimmt.
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Auf Abstand: Im Café Fromme werden noch die exakten Standorte für die Tische bestimmt.

Wolkig, tagsüber 13 bis 18 Grad, kein Regen. Das sind die Wetterprognosen für den Mittwoch in der Soester Innenstadt. Mit diesen Aussichten dürfte die größte Sorge der heimischen Gastronomen vor dem Start in die Freiluftsaison vom Tisch sein. Denn nach dem verschobenen Start der gastronomischen Modellkommune Soest warten die Wirte jetzt auf ihre Gäste, die von Mittwoch an den Frühling wieder bei Cappuccino und Eis oder Westfälischer Küche in der Außengastronomie genießen dürfen.

Soest - Klar: Ganz ohne Corona-Regeln wird der Start nicht über die Bühne gehen. Wer sich den ungewohnten Luxus eines Restaurant- oder Café-Besuches gönnen will, muss sich an die Personenbegrenzungen für seinen Tisch ebenso halten wie an die Regeln zur Registrierung. „Es wird das digitale Gast-ID-System geben“, sagt Brigitte Sliwa als Sprecherin der Stadt – und erteilt damit der Zettelwirtschaft aus der Vergangenheit eine klare Absage. Welche Regeln im Detail gelten, lesen Sie hier.

Ausnahmen könne es nach Angaben von Birgitt Moessing vom Stadtmarketing nur dann geben, wenn etwa ältere Besucher über kein Smartphone verfügten. Dann könnten die Daten auch per Zettel hinterlassen werden. „Um eine elektronische Weiterleitung an das Kreisgesundheitsamt zu gewährleisten, müssen die Wirte die Daten dann nachpflegen“, erläuterte Wilhelm Müschenborn als Sprecher des Kreis Soest. Klar sei nämlich, dass nur dann schnelle Rückschlüsse gezogen werden könnten, wenn alle Daten digital vorliegen.

Ich finde das echt klasse, dass die Stadt das angestoßen hat und wir jetzt wieder öffnen dürfen.

Marcus Franz, Inhaber Georgenkeller

Zudem muss jeder Gastronom seine Gäste überprüfen: Entweder sei ein aktueller negativer Corona-Test oder aber das Vorlegen des Impfbuches mit doppelter Impfung obligatorisch, um einen Platz zu bekommen. „Wie das mit den Gästen ist, die nach einer Corona-Infektion genesen sind, das wird derzeit noch geklärt“, so Brigitte Sliwa. Alle aktuellen Nachrichten zum Coronavirus im Kreis Soest gibt es hier.

Wenig Klärungsbedarf gibt es in Sachen Reservierungen: Wer sich draußen bedienen lassen will, muss sich vorher anmelden – oder aber spontan vor Ort reservieren. Danach wird vom Personal ein Platz zugewiesen, ehe es in Sachen Kulinarik und Entspannung für die Gäste angenehm werden soll.

Drinnen gibt es keine Plätze

Kräftig geputzt und gerückt wurde am Montag im Café Fromme auf dem Marktplatz. Das sieht die 87-jährige Elisabeth Fromme gerne. „Jetzt können sich meine Töchter zwar wieder weniger um mich kümmern, aber damit komme ich ganz gut klar“, sagt die Frau, die selbst 40 Jahre lang das Traditionscafé leitete. Während nun sämtliche Maschinen wieder in Betrieb gesetzt würden, müssten parallel die eingehenden Reservierungen bearbeitet werden. „Da müssen wir vielen Stammgästen absagen, die immer am gleichen Tisch drinnen sitzen. Denn drinnen bleibt ja geschlossen“, so Fromme.

1800 Plätze für Gäste

Mehr als 20 Gastronomen und rund 1800 Sitzplätze: Wenn am Mittwoch innerhalb der Soester Wälle die Außengastronomie öffnet, dann dürfte die Modellkommune Soest nicht nur zum Magneten für Besucher werden, sondern auch eine gehörige Portion fast schon verloren geglaubter Freiheitsgefühle produzieren. Das Modellprojekt ist zunächst auf mindestens drei und maximal sechs Wochen befristet. Wenn die Inzidenz aber wieder an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über 100 steigt, ist ein kurzfristiger Abbruch unausweichlich.

Serif Pajazetovic als Inhaber des Domhofs in der Wiesenstraße gibt sich optimistisch. „Die letzten Monate waren schwer“, blickt er angesichts von ein wenig Außer-Haus-Verkauf und viel Langeweile mit gemischten Gefühlen zurück. Und während er am Montag gerade die letzten Vorbereitungen für die App zur Nutzung der elektronischen Registrierung trifft, sind die Gedanken schon beim Mittwoch. Da gebe es bisher zwar noch nicht viele Reservierungen, „aber wenn das Wetter mitspielt, dann kommen die Gäste schon“.

„Ich war fix und fertig gestern“, erzählt Marcus Franz als Inhaber des Georgenkellers am Markt. Zwei Stunden habe er die Terrasse aufgebaut und gekärchert, das sei ziemlich stressig gewesen. „Aber jetzt pendelt sich alles ein“, sagt Franz – und verweist auf das Instandsetzen der Maschinen ebenso wie auf das Verstauen der Vorräte, die zum größten Teil am Dienstag kommen. „Ich finde das echt klasse, dass die Stadt das angestoßen hat und wir jetzt wieder öffnen dürfen“, zollt er der Verwaltung ein großes Lob. „Hoffentlich wird es nicht zu kalt und bleibt trocken, sonst müssen wir gar nicht aufmachen“, meint er noch, ehe sein persönliches Barometer in Richtung „Hoch“ schwenkt. Einen Mitarbeiter habe man schon abgestellt, der sich nur um die reichlich eingehenden Reservierungen kümmere. „Da freue ich mich, dass die Leute Lust auf einen Besuch haben.“ Knallhart hingegen werde man mit Menschen verfahren, die sich nicht registrieren wollen. „Die müssen das Lokal sofort wieder verlassen.“

Spontane Anmeldungen vor Ort

„Bei uns kann man auch spontan vorbeikommen und sich vor Ort anmelden“, sagt Peter Alempic als Inhaber der Hopfenstube in der Brüderstraße. Die Tische seien aufgestellt und jetzt freue man sich, dass es endlich losgehe nach so langer Zeit. Gäste würden vom Personal eingewiesen und müssten sich natürlich registrieren, so der Soester Gastronom.

Wenig Raum für spontanes Reservieren sieht Yvonne Hofmann vom „Brunello“ auf dem Petrikirchhof. „Wenn das Wetter mitspielt, dann ist alles in Ordnung“, meint sie, ehe sie auf die übliche Restaurant-Praxis eingeht: „Bei uns arbeiten wir so gut wie ausschließlich mit telefonischen Reservierungen.“ Vorbereitet auf den möglichen Ansturm sei man inzwischen ohnehin – und Reservierungen gebe es auch schon reichlich. Und weil man ja auch die ganze Zeit über die Gerichte zum Mitnehmen angeboten habe, sei die Umstellung auf den Außenbereich nun „ganz gut machbar“.

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