Tische werden rausgestellt

Modellkommune Soest: So bereiten sich die Gastronomen auf den 19. April vor

Modellkommune Soest Yvonne Hofmann „Brunello“
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Yvonne Hofmann macht am „Brunello“ die Tische sauber. Sie hofft auf gutes Wetter zum Start.

Wer einen Biergarten hat, schaut normalerweise in die Wettervorhersage, wenn er wissen will, ob sich das Geschäft lohnt oder eher nicht. Jetzt blicken die Wirte in der Modellkommune Soest zusätzlich auf die Infektionszahlen. Die 7-Tage-Inzidenz muss unter 100 bleiben. Trotzdem wird in Soest alles für den Start der Außengastronomie am Montag, 19. April, vorbereitet.

Soest - Mit der Bestätigung, dass Soest eine von 14 Modellkommunen in NRW wird und ab kommenden Montag die Gastronomen innerhalb der Wälle wieder Gäste willkommen heißen dürfen, wenn auch nur draußen und unter diversen weiteren Auflagen, die in dieser Woche erst noch festgezurrt werden, beginnt für die Gastwirte ein Wettlauf mit der Zeit. Denn einfach wieder die Türe öffnen und Geld verdienen, während die Kollegen jenseits der Wallmauern traurig ins Ofenrohr schauen, dieses Bild ist trügerisch.

StadtSoest
BundeslandNordrhein-Westfalen
BürgermeisterDr. Eckhard Ruthemeyer

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So sieht es nicht nur Margarita Burgos Luque, Chefin im Solista in Heuss-Park und im Lamäng am Markt: „Wir wären finanziell besser gestellt, würden wir weiter geschlossen lassen. Wir brauchen jetzt vier Tage, um den Betrieb komplett von Null wieder hochzufahren, was mit großem Aufwand und hohen Kosten verbunden ist. Da uns die Öffnung vom Land so kurzfristig mitgeteilt wurde, haben wir nur diese Woche dazu.“

Modellkommune Soest: Gastwirte geben Bestellungen auf

Das wesentliche Problem ist eine Voraussetzung, die schon jetzt feststeht: Die 7-Tage-Inzidenz muss stabil unter 100 bleiben. Andernfalls war alles für die Katz. Und letztlich kommt in den Lokalen keine Tiefkühlpizza auf den Tisch. Die Gastwirte müssen dieser Tage ihre Bestellungen aufgeben und laufen Gefahr, die frischen Waren dann doch wieder entsorgen zu müssen.

Burgos Luque: „Und die Inzidenzen hängen als Damoklesschwert über unseren Köpfen. Wir sind daher mehr als besorgt. Aber die Betriebe, die sich am Samstag mit den Vertretern der Stadt getroffen haben, haben sich solidarisch erklärt, zusammenzuhalten, schon allein, weil die Stadt sich so darum bemüht hat, Modellkommune zu werden. Wer sich jetzt nicht solidarisch zeigt, hat etwas nicht verstanden.“

Das Solista ist seit dem 2. November komplett geschlossen. Im Vorteil sind nun jene Lokale, die sich seit Wochen und Monaten mit Außer-Haus-Angeboten über Wasser halten, wie das Ristorante „Brunello“ am Petrikirchhof. „Daher müssen wir nicht komplett hochfahren“, meint Yvonne Hoffmann, die mit ihrem Mann Frank vor zwei Jahren das frühere „Ferdinand“ übernahm.

Modellkommune Soest: Das machen Brunello und Fachwerk

Somit sind sie immer noch relativ neu am Markt und konnten das „To go“-Geschäft schon deshalb nicht außer Acht lassen konnten, um im Gespräch zu bleiben. „Wir haben alles an Ware da, da wir die Karte nicht verkleinert haben, aber eben nicht in den Mengen wie vor Corona. Wir können die Waren bei unserem Lieferanten auch täglich bestellen, können das also auch tagesabhängig machen.“ Denn letztlich hänge viel vom Wetter ab: „Darauf können wir uns schwer einstellen, wir werden ja nicht jeden Tag 25 Grad haben.“

Genau das ist auch das Problem für Julian Ibers vom Restaurant Fachwerk am Vreithof: „Es setzt sich doch keiner bei 6 Grad Celsius nach draußen und haut sich ein Filetsteak für 30 Euro rein.“

Andreas und Karina Rumpf vom Café Schümer wollen mit einem verkleinerten Angebot öffnen.

Immerhin, so sehe man endlich wieder die Stammgäste, meint ein Türchen weiter Andreas Rumpf, Pächter des Café Schümer: „Die fragen uns ja schon seit Wochen, wann wir wieder aufmachen. Zum Glück haben wir einen geringeren Vorlauf als die Restaurants und werden auch nur mit einem kleinen Angebot an den Start gehen.“

Komplett im Nachteil sind jene Betriebe, die so klein sind, dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis stünde. So sieht es zum Beispiel Gudrun Dröge, die am Markt den „Kochpott“ betreibt, der normalerweise auch zwei Tischchen vor der Tür hätte, im Wesentlichen jedoch auf Mittagstisch ausgerichtet ist: „Und um die Zeit sind wir Gott seid Dank auch jetzt in Vollbeschäftigung. Und dann sollen wir noch die ganzen Kontrollen durchführen? Das ist von uns nicht zu leisten. Selbst, wenn dazu eine App kommt, dann stellen sich mir datenschutzrechtliche Bedenken. Denn dann habe ich diese Daten auf meinem Handy. Darf ich die da überhaupt speichern?“

Modellkommune Soest: Wasserschaden im Osterkamp

Obendrein habe sie dort aufgrund technischer Probleme kein Internet, nutze daher das offene City-Wlan der Stadt. „Und ich müsste mir eigens dazu Heizpilze anschaffen.“

Nicht nur sprichwörtlich in die Röhre schaut Andreas Ortmann vom Osterkamp: „Wir würden gerne mitmachen, können aber nicht. Wir hatten gerade gleich zwei Wasserschäden. Einmal einen Heizungsrohrbruch, der noch repariert werden muss, da warten wir derzeit auf die Freigabe vom Denkmalschutz. Und durch einen Wasserrohrbruch in der ersten Etage sind unten im Lokal in einer Ecke die Decke runtergekommen und eine Wand. Auch die Küche ist nicht einsatzfähig, wir haben derzeit nicht einmal heißes Wasser.“

Modellkommune Soest: Liste aller Teilnehmer

Die endgültige Liste aller teilnehmenden Lokale will die Stadt Soest noch in dieser Woche bekannt geben. Ob das Projekt Modellkommune überhaupt eine gute Idee ist, darüber gibt es sehr unterschiedliche Meinungen.

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