Großes Interview

Modellkommune Soest: Start erst am 22. April - das sagt der Bürgermeister

Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer
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Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer beim Fassanstich auf der Allerheiligenkirmes 2019. Den Rathaus-Chef schmerzt es für seine Stadt, dass die Corona-Pandemie nahezu das gesamte gesellige Leben in Soest zum Erliegen gebracht hat. Im Modellversuch sieht er einen „Weg in eine neue Normalität“.

Nicht gleich am kommenden Montag, 19. April, an dem der Modellversuch hätte starten dürfen, sondern wegen der vielen Vorbereitungen am Donnerstag, 22. April, will Soest seine Außen-Gastronomie öffnen.

Bis dahin gebe es noch jede Menge Arbeit, erklärt Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer. Er hat das Ausprobieren von Lockerungen zur Chefsache erklärt, nachdem das Land vergangene Woche Soest den Zuschlag als Modellkommune erteilt hat. „Wir sind auf dem Weg in eine neue Normalität“, sagt der 60-jährige Rathaus-Chef im Gespräch mit Holger Strumann. Und fügt sofort hinzu: „Die Gesundheit hat Priorität.“

Herr Ruthemeyer, ab kommendem Montag hat die Stadt Soest als Modellkommune die Möglichkeit, in Sachen Corona mehr zu wagen und die Außen-Gastronomie wieder zu eröffnen. Können wir uns also für Montagabend auf ein Glas Bier bei Christ oder auf dem Markt verabreden?
Die Modellkommunen dürfen ihre Konzepte zwar ab 19. April umsetzen, wir in Soest werden aber wohl erst am Donnerstag, 22. April, starten, sofern die Rahmenbedingungen es ermöglichen. Das ist das Ergebnis der Gespräche mit den Gastronomen. Denn es soll erst abgewartet werden, ob unsere örtliche Inzidenz am 19. April den Start überhaupt zulässt. Falls ja, können die Gastronomiebetriebe verlässlich ihre Einkäufe für die Außengastronomie machen.
Was muss ganz praktisch noch bis zum Start erledigt werden?
Erledigt werden muss die Einrichtung zusätzlicher Schnelltestzentren. Darüber hinaus müssen wir offenen Fragen klären: Beispielsweise die Abstände der Tische in der Außengastronomie, die maximale Besucherzahl pro Tisch und das Vorgehen bei der Registrierung. Dazu warten wir noch auf Informationen von der Landesregierung.

Modellkommune Soest: Branche leidet unter Lockdown

Wie viele Gastro-Betriebe werden dabei sein? Gibt es auch welche, die abgewunken haben?
Bisher haben 23 Gastronomiebetriebe mit Außengastronomie ihr Interesse an dem digitalen Modellprojekt gezeigt und möchten gerne mitmachen. Die Abfrage für den Start am 22. April wurde gestellt, und wir warten auf die Rückmeldungen der Gastronomen. Bisher hat noch kein Gastronom sich gegen eine Teilnahme ausgesprochen. Allerdings wird sich der Aufwand bei kleineren Außengastronomieflächen wahrscheinlich nicht lohnen. Dies wurde bereits signalisiert.
Warum ist der Versuch auf die Innenstadt beschränkt worden?
Das Land hat für die Bewerbung um die Corona-Modellkommunen die Vorgabe gemacht, dass wir einen Bereich vorschlagen, den wir öffnen wollen, und diesen räumlich begrenzen. Da der Einzelhandel schon eine Öffnungsperspektive hat, haben wir die Gastronomie ausgewählt. Denn diese Branche leidet unbestritten stark unter den Corona-Beschränkungen und ist gleichzeitig in Soest ein wesentlicher Faktor für die Attraktivität der Stadt. Gerade unsere Gastronomen haben im letzten Jahr gezeigt, dass sie Hygienekonzepte ernst nehmen und umsetzen und so eine sichere Nutzung möglich machen. Eine Ausweitung auf die ganze Stadt war aber wegen der Rahmenbedingung von vorneherein ausgeschlossen. Die Innenstadt innerhalb der Wälle ist vergleichsweise klar abgrenzbar und verständlich.
Einen Baustein für das Gelingen sollen zusätzliche Testzentren bilden. Wie viele solcher zusätzlichen Teststellen soll es geben, wo entstehen sie und bis wann werden sie am Abend geöffnet halten – für das besagte spontane Feierabendbier?
Wir möchten das Testzentrum im Blauen Saal ausweiten und darüber hinaus drei weitere Testzentren einrichten. Die Betriebszeit ist aktuell von 8 bis 19 Uhr geplant, im Blauen Saal sieben Tage die Woche. Falls notwendig, muss das flexibel angepasst werden.

Modellkommune Soest: Weg in die neue Normalität

Die Reaktionen auf die wieder zu öffnenden Freiluft-Lokale sind gespalten: Die einen sagen: „Endlich!“, die anderen: „Um Himmels willen!“ Zu welcher Seite neigen Sie?
Wir sind auf dem Weg in eine neue Normalität, die wir voraussichtlich nach dem Sommer erreichen werden. Hierzu gilt es, Risiken und Chancen abzuwägen. Insofern gibt es immer mehrere Betrachtungsweisen. Klar ist: Die Gesundheit hat Priorität. Wir haben deshalb mit allen Beteiligten ein Konzept entwickelt, das verantwortbar ist. Die Außengastronomie hat sich bislang nicht als Hauptfeld der Verbreitung von Corona gezeigt. Wir starten behutsam in einem klar abgegrenzten Bereich und flankieren die vorsichtige Öffnung mit zusätzlichen Tests, um mögliche Infektionsketten zu unterbrechen. Die Teilnahme am Modell ist für die Menschen und Gastronomiebetriebe freiwillig und der Versuch kann jederzeit kurzfristig abgebrochen werden.

Modellkommune Soest: Transparenz und viele Tests

Wie wollen Sie die anscheinend widerstrebenden Positionen ins Gleichgewicht bringen?
Durch Transparenz wollen wir Vertrauen schaffen und durch konsequente Testungen für bestmögliche Rahmenbedingungen sorgen.
Jede Modellkommune im Land will etwas anderes ausprobieren. Die einen öffnen die Kinos, die anderen die Muckibuden. Was hat den Ausschlag gegeben, sich in Soest um die Außengastronomie zu kümmern?
Die Innenstadt von Soest hat durch ihren Einzelhandel und die Gastronomie eine besondere regionale Bedeutung. Wir müssen heute die Voraussetzungen schaffen, um auch morgen eine attraktive Innenstadt mit vielfältigen Angeboten zu erhalten.

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