Modehaus: Klare Mehrheit, aber weiter harte Fronten

Auch über die Fassade wurde noch einmal beraten: Die Eingangsseite zum neuen Modehaus soll eine Verblendung aus Sandstein erhalten.

SOEST - Auch wenn sich eine breite Mehrheit für den Bau des Markenmodecenters in der Waisenhausstraße abzeichnet, die Ansichten über das Für und Wider gehen in der Soester Politik weit auseinander. Von großer Zustimmung bei CDU und Grünen bis hin zu schroffer Ablehnung bei SO-Partei und Linken.

Ja sogar innerhalb der SPD-Ratsfraktion finden sich Differenzen. Drei der vier SPD-Vertreter im Stadtentwicklungsausschuss sagten am Mittwochabend Nein, eine Vertreterin Ja.

Die stundenlange Debatte in der Öffentlichkeit ist später am Abend noch in geheimer Runde fortgeführt worden. Dort überarbeitete der Ausschuss den Entwurf für den Vertrag mit Investor Rainer Kress. Geregelt wird in dem Papier, wer die Bauarbeiten und die möglichen Auswirkungen (Grundwasserspiegel, Straßenzustand durch Baufahrzeuge) kontrolliert und wer im Schadensfall haftet.

Zudem beantragte das „Junge Soest“, in diesem Vertrag festzulegen, dass sämtlicher Lieferverkehr mit schweren Fahrzeugen nicht durch die enge Walburgerstraße rollt, sondern von der Hansastraße über die Fußgängerzone und die Waisenhausstraße sein Ziel erreicht.

Durchaus ein interessanter Ansatz, befand Bauabteilungsleiter Olaf Steinbicker, doch im Ergebnis eher schlecht. Auch Ilse Maas, die als Vertreterin des Geschichtsvereins in der Runde saß, konnte der Idee etwas abgewinnen, zumal die nicht gerade vor Schönheit strotzende Hansastraße etwas mehr Verkehr vertragen könne.

Mancher hat Handel schon abgeschrieben

Hinter verschlossenen Türen gab es dennoch nur zwei Ja-Stimmen für den Vorstoß, der damit vom Tisch ist.

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Zur Sprache kamen einmal mehr die Sorgen der Anlieger. Die meisten Redner betonten, sehr wohl die Schwierigkeiten durch zusätzlichen Verkehr und Lärm im Blick zu sehen. CDU-Fraktionschef Rolf Meiberg sprach sogar davon, „wir haben die Sorgen der Anlieger extremst ernst genommen“. Doch während mit Linken, SO-Partei, Piraten und AfD das Modehaus eben wegen seiner Lage, der Tiefgarage und möglicher Verkehrsprobleme „nicht zu machen“ ist, stellten die Befürworter diese Sorgen und Bedenken hinter das Gemeinwohl zurück: Ein solch großes Modehaus mit über 6000 Quadratmetern Fläche passe nicht nur zum Einzelhandelskonzept der Stadt, es biete auch die „große, große Chance, Soest als Einkaufsstadt Soest weiterhin den Spitzenplatz gegenüber Nachbarstädten zu sichern“.

Werner Liedmann (Grüne) empfahl zudem, bei allen Bedenken und Sorgen Investor Kress ein „gewisses Grundvertrauen“ zu schenken. Auch was seine Erfahrung als Kaufmann anlange.

Sven Sladek von der Piratenpartei scheint dagegen stationären Handel und Verkaufsgeschäfte schon als Idee von vorgestern abgeschrieben zu haben: „Onlinehandel wird sich durchsetzen; wir sollten unseren Fokus lieger auf eine lebenswerte Stadt richten.“ Ähnlich äußerte sich Berengar Elsner von der AfD: „Der Einzelhandel befindet sich auf einem absteigenden Ast; wir sollten nich auf einen Monopolisten setzen.“

Die Meinungen der beiden Einzelkämpfer von Piraten und AfD kamen bei der Abstimmung im Stadtentwicklungsausschuss nicht zum Tragen. Sie haben hier kein Stimmrecht, wohl aber bei der entscheidenden Ratssitzung Mitte Februar. - hs

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