Hochwasser in der Altstadt war ein Drama, das vom Himmel fiel

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Aus dem Süden und Südosten flossen Wassermassen wie hier über den Opmünder Weg in die Altstadt.

Soest - Es fiel zwar buchstäblich vom Himmel, was da am Nachmittag des 1. Juni über die Stadt – und besonders Teile des Zentrums – hereinbrach, aber vielleicht kann ja doch etwas getan werden, um ähnliche Überschwemmungen durch extremen Starkregen im Stadtgebiet in Zukunft zu verhindern. Und wenn ja, was? Darüber diskutierten am Dienstagabend die Mitglieder des Umweltausschusses.

Nach einer Präsentation von Axel Funke vom Abwasserwerk bei den Stadtwerken, fallen die Antworten allerdings ernüchternd aus. Die an fünf verschiedenen Stellen in der Stadt gemessenen Niederschlagmengen am „feuchten Freitag“ waren derart außergewöhnlich und groß, dass kein realistisch denkbares Kanalsystem es hätte aufnehmen können. 

Und: Viel besser hätte die vorhandene Infrastruktur nicht funktionieren können, weder technisch noch personell. „Bis auf das Pumpwerk Linnenecke in Hattrop, das zwischenzeitlich ausfiel, weil dort Wasser in die Steuerung gelaufen war, sind alle Pumpwerke im Dauerbetrieb gewesen“, erklärte Dirk Mackenroth von den Soester Kommunalbetrieben.

Mit Zahlen, die zwar keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit erheben können, aber dennoch aussagekräftig sind, verdeutlichte Funke die Dimensionen des „Jahrhunderthochwassers“, das diesem Status zumindest stellenweise gerecht wurde. So dürfte die Tagesniederschlagsmenge von 99 Litern pro Quadratmeter am Regenschreiber Sälzerweg im Soester Südosten tatsächlich nur alle 100 Jahre gemessen werden. Rein statistisch. 

Deutlich machen die Messwerte auch, wie unterschiedlich groß und gleichzeitig lokal begrenzt die Schauer niedergingen: Fielen zwischen 15 und 16.30 Uhr am Regenhertzweg im Soester Norden 27 Liter pro Quadratmeter, waren es im selben Zeitraum in Hattrop 23, am Sälzerweg dagegen mit 51 mehr als doppelt so viel.

Ähnlich dramatisch sind die Unterschiede bei den Regenmengen im gesamten Tagesverlauf: Da sind die 99 Liter am Sälzerweg gleichbedeutend mit 13 Prozent des durchschnittlichen Jahresniederschlags in Soest (785 Liter pro Quadratmeter), während die Werte am Regenhertzweg (42/5 Prozent) und in Hattrop (59/8) deutlich niedriger sind.

 Mindestens so schlimm wie die Wassermassen vom Himmel über der Stadt waren aber auch die, die von höheren Regionen im Süden in Richtung Altstadt flossen – besonders über den Hiddingser Weg und die Niederbergheimer Straße. Auch hier zeigten Mutter Natur und die Topographie der Altstadt allen technischen Widerständen deutliche Grenzen auf. „Es gibt schlicht keine vernünftige Möglichkeit, solche Wassermassen außerhalb der Stadt abzuleiten“, erklärte Mackenroth.

Nach dem Vorbild der Stadt Remscheid überlegt auch die Soester Stadtverwaltung, Merkzettel mit wichtigen Informationen zu möglichen Schutzmaßnahmen bei Überschwemmungen zu erstellen.

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