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Messerattacke auf Abi-Party im Anno: Angeklagter spricht von Notwehr

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Von: Achim Kienbaum

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SOEST / ARNSBERG - Mehr als vier Monate nach der tödlichen Messerattacke auf einer Abifete im „Anno“ begann am Mittwoch der Prozess gegen den 18-jährigen Kayahan B. Die Staatsanwaltschaft hat den Berufsschüler wegen Totschlags an dem 20-jährigen Tim K. angeklagt, der wie B. das Börde-Kolleg besuchte.

Wortlos gehen die Eltern von Tim K. an den Angehörigen von Kayahan B. vorbei in den Saal 3 des Arnsberger Landgerichtes – für beide Seiten ist es ein bitterer Tag. Hinter den für die Öffentlichkeit verschlossenen Türen des Saals 3 wird in wenigen Augenblicken der Versuch beginnen, Klarheit in die Geschehnisse der Nacht vom 28. auf den 29. Januar dieses Jahres zu bringen – jene Nacht, in der Tim K. auf einer Abiparty des Aldegrever-Gymnasiums im „Anno“ sein Leben verlor, weil Kayahan B. ihn mit einem Messer tödlich verletzte.

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Opfer und Täter Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so gut es die Mittel des Rechststaates zulassen, das ist seit gestern Morgen die Aufgabe der 6. Großen Strafkammer, die unter dem Vorsitz von Dr. Detlef Mehlich (56) tagt. Die Anklage wird von Staatsanwältin Sandra Müller-Steinhauer vertreten, der Soester Anwalt Klaus Picker nimmt die Interessen der Eltern von Tim K. war, die an dem Prozess als Nebenkläger teilnehmen.

Zum Verhandlungsbeginn gab der Angeklagte eine Stellungnahme ab, die von seinen Verteidigern

Hintergrund

Darum findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Volker Cramer (Soest) und Dieter Kaufmann (Dortmund) verlesen wurde. Darin räumte der mittlerweile 18-Jährige, der zur Tatzeit noch 17 Jahre alt war und nach Jugendstrafrecht des Totschlags beschuldigt wird, den Messerstich zwar ein. Er habe aber in einer Notwehrsituation gehandelt, da er sich von dem Opfer bedroht gefühlt habe, fügte er hinzu.

In der völlig überfüllten Kneipe hatte es eine Rangelei mit mehreren Beteiligten gegeben, darunter

Rückblick

Sämtliche Berichte für den Fall und die anschließenden Demonstrationen und Kundgebungen in Soest haben wir in einem Extra-Ressort gesammelt

zum Spezial

auch Täter und Opfer. Die Anklage geht allerdings davon aus, dass die Aggressionen dabei von dem Angeklagten und seinen Begleitern ausging, Tim K. habe sich für ein „Anschubsen“ in der Enge der Lokalität sogar entschuldigt.

Im Anschluss an die Erklärung vernahm das Gericht bis weit in den Nachmittag hinein Zeugen, um das genaue Geschehen aufzuklären. Schon nach wenigen Stunden war dabei klar, dass das Gericht wohl mehr Zeit als angenommen benötigen wird: In einer kurzen Prozesspause am Mittag wurde bekannt, dass zusätzlich zu dem bereits am kommenden Mittwoch anberaumten zweiten Prozesstag ein weiterer am 27. Juni hinzukommen wird. - kim

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