Mitschüler niedergestochen

Mehr als zwei Jahre nach Bluttat an Soester Gymnasium beginnt jetzt der Prozess

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Soest / Arnsberg – Mehr als zwei Jahre haben sich die Ermittlungsarbeiten, vor allem aber das Warten auf ein Sachverständigen-Gutachten hingezogen. Jetzt aber beginnt der Prozess gegen den 18-jährigen Soester, der im Februar 2017 einen Mitschüler am Aldegrever-Gymnasium niedergestochen hat.

Sechs Termine hat das Jugendschwurgericht am Landgericht Arnsberg angesetzt. Prozessauftakt ist heute in drei Wochen am 16. Mai. 

Im Juli könnte das Urteil gesprochen werden. Dem Schüler droht eine mehrjährige Haftstrafe; er ist wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. 

Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Weil der Angeklagte zur Tatzeit erst 16 Jahre alt war, findet die Verhandlung zu seinem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Gleichwohl will das Landgericht, wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigt, über den Verlauf des Verfahrens und natürlich über das Ergebnis wegen des „großen öffentlichen Interesses“ berichten. 

Die Tat am Morgen des 17. Februar 2017 hat in der Tat nicht nur Mitschüler, Eltern und Lehrer schockiert; sie war damals Stadtgespräch, alle Beteiligten und Beobachter hofften damals auf eine zügige Aufarbeitung. Tatsächlich waren Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft schon nach wenigen Wochen Ermittlungsarbeit, Spurenauswertung und Zeugenbefragung so gut wie am Ziel, hätte es nicht ein Gutachten gegeben, an dessen Ergebnis die Ermittler zweifelten. 

Gutachter untersuchten den Jungen 

Der psychiatrische Sachverständige hatte eine Tat im Affekt nicht ausgeschlossen und die Schuldfähigkeit des Jungen angezweifelt. Die Staatsanwaltschaft stand vor der Frage, den Schüler wegen verminderter Schuldfähigkeit anzuklagen oder ihn gleich als schuldunfähig einzustufen. In dem Fall wäre das Ermittlungsverfahren beendet gewesen; der 16-Jährige wäre in psychiatrische Behandlung gekommen. 

Also entschieden sich die Ermittler, einen zweiten Gutachter zu beauftragen. Der untersuchte den Jungen zwar noch im Sommer 2017, ließ sich danach aber „wegen Arbeitsüberlastung“ mehr als ein Jahr Zeit, der Staatsanwaltschaft Bericht zu erstatten. 

Streit um eine Freundin

Erst seit vergangenem November liegt das Gutachten vor; auch in ihm wird eine „affektive Erregung“ erwähnt, die eine verminderte Schuldfähigkeit nach sich ziehen könnte. Grundsätzlich aber sei der Gymnasiast für die Tat verantwortlich und könne deswegen zur Rechenschaft gezogen werden. 

Im Kern war es der Streit um eine Freundin,der damals den Disput zwischen dem 16-Jährigen und seinem ein Jahr älteren Mitschüler aufgeschaukelt hat. Erst fielen böse Worte, dann kam es zu Rempeleien und Geschubse, schließlich zog der Jüngere ein Klappmesser aus der Hosentasche und stieß es seinem Kontrahenten in die Brust.

Die Klinge verfehlte das Herz nur minimal; Ärzten gelang es zum Glück, das Leben des 17-Jährigen mit einer Notoperation zu retten.

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