Mehr als 1300 Besucher sahen Schulze-Sölde-Schau

Max Schulze-Söldes bewegtes Leben ist sicher ein Grund dafür, dass die Retrospektive seiner Kunst so gut besucht war.

SOEST ▪ In sechs Wochen Ausstellungszeit mehr als 1300 Besucher, Führungen mit regelmäßig rund 40 Gästen, Vorträge im Begleitprogramm, bei denen jedes Mal über 50 Zuhörer die Reihen füllten. Beeindruckende Zahlen standen am Ende der großen Retrospektive mit Werken von Max Schulze-Sölde (1887-1967) im Wilhelm-Morgner-Haus.

Nach jahrelangem Vorlauf war es dem Soester Geschichtsverein gelungen, die gesamte Bandbreite des künstlerischen Schaffens von Max Schulze-Sölde zu präsentieren und den Maler als „Mensch seiner Zeit“ im Katalog zu würdigen. Anspruch der Ausstellung war es, das Werk des mit Soest über Jahrzehnte eng verbundenen Künstlers unter dem Blickwinkel seiner Biografie zu würdigen.

Gestern Vormittag ging es zum Abschluss der Schau um die Frage, welchen Einfluss die Gesellschaft auf die Kunst und die Künstler auf die Gesellschaft haben. Dazu hatte der Geschichtsverein eine hochkarätig besetzte Expertenrunde gewinnen können. Und wieder waren zahlreiche Kunst- und Geschichtsinteressierte der Einladung gefolgt.

Kunst sei mit ihrem historischen Kontext verwoben. Sie gebe Auskunft über die Zeit und sei insofern auch eine Quelle für Historiker, stellte Professor Hans-Ulrich Thamer, Münster, heraus. „Zeitlos“ ist Kunst nach Einschätzung von Dr. Diana Lenz-Weber, der stellvertretenden Leiterin des Gustav-Lübcke-Museums in Hamm, wenn es ihr gelingt, unabhängig von ihrer Entstehungszeit, Menschen zu berühren.

„Entscheidend ist, was sie in unserem Kopf auslöst“, unterstrich der Soester Designer Thomas Drebusch. Von „Zeitlosigkeit der Kunst“ wollte er allerdings nicht sprechen, denn die Kunst und der Künstler stünden nie außerhalb ihrer Zeit.

Max Schulze-Sölde als ein Mensch seiner Zeit

Wilfried Hagebölling, Bildhauer aus Paderborn und in Soest mit zahlreichen Plastiken vertreten, sieht den Künstler als Außenseiter, ja als Widerständigen. Hagebölling nannte als Beispiel seine Paderborner Kunstaktion zu den Folterungen durch US- Soldaten im Gefängnis von Abu-Ghraib, die zu heftigen Debatten geführt hatte.

Max Schulze-Sölde war ein „Mensch seiner Zeit“, ein Zerrissener, immer wieder Gescheiterter. Bei der Suche nach Erklärungen für den außerordentlich großen Publikumserfolg dieser Retrospektive ist der Lebensweg des Malers voller Kurven, Wendungen und Sackgassen sicher ein entscheidender Aspekt.

Denn die Frage nach Sinn, nach Orientierung stellt sich den Menschen der heutigen Zeit zwar in einer anderen historischen Situation, aber vom Grundsatz her genauso dringlich wie dem Künstler Max Schulze-Sölde. im 20. Jahrhundert.

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