Veranstaltung wird wiederholt 

Klimawandel bewegt die Soester: Hunderte nach Hause geschickt 

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Die Dürre und Trockenheit des vergangenen Sommers führen BUND und Meeresbiologe Dr. Engelhardt auf die drohende Klimakatastrophe zurück.

Soest - Damit hatte bei der Hitze niemand gerechnet: Vor dem Bürgerzentrum „Alter Schlachthof“ warteten am Montag so viele Menschen dass Hunderte nach Hause geschickt werden mussten. Die Themen „Klima“ und „Klimanotstand“ brennen den Soestern offenbar auf den Nägeln. 

Dabei war es extrem harte Kost, die Meeresbiologe Dr. Udo Engelhardt im proppenvollen Saal servierte. Über anderthalb Stunden führte der „Scientist for Future“ den Zuhörern vor Augen, warum es allerhöchste Zeit ist, fürs Klima aktiv zu werden – engagiert, aber mit kühlem Kopf und deutlicher Wortwahl. 

Weltweiter Temperaturanstieg, Schmelzen der Polkappen, sterbende Korallenriffe, verlangsamter Golfstrom, Dürren auf einer Seite des Globus‘, Überschwemmungen und Schneestürme auf der anderen – Engelhardt zeigte Phänome, die seit Jahren bekannt sind und vor dem Klimakollaps warnen. Anhand von Studienergebnissen machte er Zusammenhänge und erschreckende Entwicklungen deutlich: „Was heute als Jahrhundertsommer gilt, ist in vier, fünf Jahren schon normal.“ 

Wissenschaftler Dr.  Udo Engelhardt, Sabine Schumacher vom BUND und Jörg Rostek von den Münsteraner Grünen (von links) sprachen am Klimaabend.

Es sei kaum zu ertragen, wenn die drohende Katastrophe geleugnet werde: „Wir haben höchstens zehn Jahre Zeit, das Ruder rumzureißen“. Immer wieder betonte Engelhardt, dass er als Wissenschaftler spreche. Und die Wissenschaft neige dazu, konservativ zu sein. Eigentlich müsse man bei ihren Prognosen immer noch ein bisschen drauflegen. 

Alarmierende Zahlen, Daten und Fakten

Die Flut alarmierender Zahlen, Daten und Fakten konnten die Besucher kaum schlucken. Nahezu atemlos lauschten sie Engelhardts Ausführungen. Nur als er aus dem „Soester Klimaanpassungskonzept“ zitierte, wurde höhnisch gelacht: Maßnahmen wie den Vorsatz, den ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) von fünf Prozent im Jahr 2011 auf sechs Prozent im Jahr 2030 anwachsen zu lassen, hielten viele für lächerlich. 

„Den Klimanotstand auszurufen heißt, in der Realität anzukommen“, sagte Engelhardt. In dieser Realität angekommen seien die Leute der „Fridays for Future“-Bewegung. „Sie sind das Gewissen der Gesellschaft“, sagte der Wissenschaftler und zitierte den Dalai Lama: Die Bewegung basiere auf Wahrheit und Verstand. Vom Klimanotstand in Münster berichtete anschließend der Grünen-Politiker Jörg Rostek: Gegenüber der ursprünglichen Forderung mussten viele Kompromisse gemacht werden. Beispielsweise gebe es jetzt nur jährlich statt halbjährlich einen Sachstandsbericht.

Eine Frage aus dem Kreis der Politiker

Die wenigen Zuhörer-Fragen wurden anschließend gesammelt, um sie Rat und Verwaltung vorzulegen. Aus dem Kreis der geladenen Politiker kam nur eine Frage: „Ist es nicht ungünstig, bei der Aushandlung des Klimanotstands so viele Kompromisse einzugehen?“ Da verwies Rostek auf die parlamentarische Demokratie in Deutschland. Abschließend stellte Sabine Schumacher vom BUND die Frage, die sich jetzt entscheiden wird: „Will Soest den Klimanotstand ausrufen oder nicht?“

Wegen des großen Interesses wird die Veranstaltung am kommenden Montag, 1. Juli, um 19 Uhr am gleichen Ort wiederholt.

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