Windrad-Bauer

Welche Auswirkungen der massive Stellenabbau bei Enercon auf die Niederlassung Soest hat

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Kaum noch neue Aufträge: Der Windrad-Markt in Deutschland ist zusammengebrochen.

Soest – Bei Enercon in Soest am Bahnhof planen, entwickeln und verkaufen sie Windkrafträder, aber sie bauen die Mühlen nicht. Das gerät den 35 Beschäftigten in der Werkstraße gerade zum Vorteil.

Ihre Arbeitsplätze stehen nicht zur Disposition, während andernorts mehr als 1000 Jobs in der Firma und bei den Zulieferern gestrichen werden. Der Wind hat sich buchstäblich gedreht und bläst jetzt mit großer Kraft den Windmüllern ins Gesicht.

Medien in Norddeutschland beschreiben dieser Tage mit alarmierenden Schlagzeilen den „Aufstieg und Fall von Enercon in Aurich“, dort wo die Firma ihre Windkrafträder baut(e). „Der Aufbau neuer Anlagen ist nahezu zum Erliegen gekommen“, sagt Enercon-Sprecher Felix Rehwald gegenüber dem Anzeiger.

Der Einbruch des deutschen On-shore-Windenergiemarkts sei „dramatisch“. 90 Prozent weniger Aufträge stehen in diesem Jahr in den Büchern. Enercons Aufbauleistung sei durch den Kollaps auf das Niveau von vor rund 30 Jahren geschrumpft, als sich die Windindustrie noch im Anfangsstadium befand.

Windrad-Bauer: Rahmenbedingungen miserabel

Die Rahmenbedingungen sind für die Windradbauer miserabel: Die Politik will neue Anlagen nur weit weg von Siedlungen zulassen, 1000 Meter Abstand müssten es schon sein, wenn fünf oder mehr Wohnhäuser in der Nähe stehen, so Wirtschaftsminister Peter Altmaier. „Nach Vorlage des Klimaschutzpakets der Bundesregierung wird klar, dass die Probleme für uns sogar noch größer werden“, sagt Hans-Dieter Kettwig, der Vorsitzende der Enercon-Geschäftsleitung.

Diese Woche kommt es auch in Soest zur Nagelprobe: Die vier alten, knapp hundert Meter hohen Windräder zwischen Müllingsen und Bergede sollen durch zwei deutlich leistungsstärkere neue Anlagen ersetzt werden; die aber würden deutlich über 200 Meter in die Himmel ragen. Die Sorge unter den Anrainern ist groß.

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Auch wenn die Lage für die Auftragsfertiger in Aurich und Magdeburg düster aussieht, Enercon macht weiter, schließlich läuft das Geschäft außerhalb Deutschlands nicht annähernd so schleppend. Deutschland aber bilde nun mal den „wichtigsten Absatzmarkt“, so Rehwald. Mit einem umfangreichen Turnaround-Programm wolle man wieder in die Spur kommen. Neben der deutlichen Reduzierung der Planungen für 2020 gehöre dabei die Konzentration auf internationale Märkte, in denen bessere Perspektiven bestehen, zum Kern des Programms, so der Firmensprecher.

Enercon-Stellenabbau: Auswirkungen auf Soest

Für die Soester Niederlassung finden sich sogar Stellenanzeigen im Internet: Projektmanager und Ingenieure werden (weiter) gesucht. Bloß wie passt das zu dem verordneten Einstellungs-Stopp? Rehwald: „Es handelt sich um einen qualifizierten Einstellungs-Stopp, der es ermöglicht, bestimmte Stellen, die unverzichtbar sind, weiterhin nach- beziehungsweise neu zu besetzen.“

Noch nicht einmal vier Jahre liegen Bau des neuen Bürogebäudes am Bahnhof in Soest und der Umzug von Ense hierher zurück. Damals spürte die Firma Rückenwind ohne Ende und benötigte unbedingt neue Kapazitäten, die sie in Ense nicht bekommen konnte. Und niemand hatte nur die leiseste Ahnung, wie das Geschäft binnen kürzester Zeit zusammenbrechen könnte.

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