Attacken in der Öffentlichkeit

Mann ohne Maske wird angepöbelt - doch er hat einen guten Grund, sie nicht zu tragen

Vinzent Crahay aus Soest ist lungenkrank und muss keine Corona-Schutzmaske tragen. Er wird in der Öffentlichkeit angepöbelt. Jetzt hat er Angst, dass mehr geschieht.

Soest - Die Zahl der Corona-Infizierten steigt auch im Kreis Soest stetig an. Deshalb gilt an vielen Orten, wie etwa Fußgängerzonen, die stark von Besuchern frequentiert werden, jetzt auch Maskenpflicht. In den Geschäften herrscht die Maskenpflicht schon seit Monaten. Doch Menschen, die etwa lungenkrank sind, können vom Arzt ein Attest bekommen, der sie von der Maskenpflicht befreit. Zu diesen Menschen zählt der Soester Vinzent Crahay.

StadtSoest
Fläche:85,81 km²
Einwohner: ca. 48.800 (Stand Juni 2010)

„Mein Arzt hat mich von der Maskenpflicht befreit, weil ich lungenkrank bin. Ich kann ohnehin schlecht atmen und bekomme weniger Sauerstoff als gesunde Leute. Durch das Tragen der Maske würde ich noch schlechter Luft bekommen“, berichtet Vinzent Crahay. Er fürchtet, dann zu kollabieren. Er hat sich an die Redaktion gewandt, weil er darüber erzählen möchte, wie häufig und stark er von anderen Menschen in Geschäften attackiert wird, weil er keine Maske trägt.

Corona im Kreis Soest: Vinzent Crahay aus Soest muss keine Maske tragen

„Es sind vor allem die anderen Kunden, die mich anpöbeln. Das Personal in den Geschäften kennt mich bereits und hat Verständnis. Doch was ich an Anfeindungen erlebt habe, macht mir Angst, dass irgendjemand mir gegenüber mal handgreiflich wird“, berichtet der Mann aus Soest. Er beteuert, sich an alle Regeln wie Abstand und Hygiene zu halten – nur eben die Maske, das ginge nicht. Auch das Attest des Arztes führt er permanent mit.

„Inzwischen suche ich mir die Geschäfte aus, in denen ich nicht angefeindet werde“, sagt der Soester. So ist es ihm passiert, dass er in ein Soester Fachgeschäft, bei dem er seit 45 Jahren Kunde ist, nicht mehr hinein gelassen wird. „Es reicht nicht, dass ich sage, ich bin aus gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht befreit. Die Geschäftsleitung hatte mir angeboten, die Ware vor die Tür zu bringen. Dabei fühle ich mich total unerwünscht und komme mir vor wie ein Hund, der draußen bleiben muss. Auch seine Lebensgefährtin traue sich nicht mehr, mit ihm einkaufen zu gehen.

Vinzent Crahay aus Soest: „Möchte mich nicht einsperren lassen“

„Ich weiß einfach keine Lösung und keine Alternative, schließlich muss ich auch mal einkaufen und möchte mich nicht einsperren lassen“, klagt Crahay. Für ihn bedeutet jeder Einkauf einen Spießrutenlauf. „Nur weil ich krank bin.“ Mit seiner Schilderung will er dazu sensibilisieren, dass nicht alle Leute, die keine Maske tragen, automatisch Maskenverweigerer sind.

Corona breitet sich auch im Kreis Soest wieder verstärkt aus. Zwei Krankenschwestern des Krankenhauses Maria Hilf sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Haus ist deshalb im Notbetrieb.

Rubriklistenbild: © Peter Dahm

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