Gericht verhandelt tödliche Kirmesrangelei

SOEST/ARNSBERG - Ein 19-Jähriger muss sich am Dienstagvormittag vor dem Landgericht Arnsberg für den Tod eines Mannes nach einer Kirmesrangelei in Soest verantworten. Vor der Jugendstrafkammer wird dem Angeklagten Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Rückblick: Es ist der Pferdemarkt-Donnerstag, als die beiden aufeinandertreffen. Beide ziehen schon seit vielen Stunden mit Bekannten und Kollegen umher, alle Beteiligten sind angetrunken. Jeweils einer aus den Grüppchen rempeln gegen 20.30 Uhr in der Walburgerstraße aneinander. Statt eines freundlichen „Tut mir leid!“ schlägt die Szene schnell in Aggression um, die Freunde und Bekannten mischen sich mit: Am Ende stößt der Soester den Möhneseer um; der 50-Jährige schlägt mit dem Hinterkopf aufs Pflaster, erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma und erliegt wenige Tage später seinen schweren Verletzungen in der Uniklinik Münster. Der mutmaßliche Täter flüchtet.

Mehr als zehn Zeugen hat die Jugendkammer des Landgerichts für Dienstag geladen. Sie haben alle bereits nach der Kirmes 2012 bei der Polizei ausgesagt. Der Sachverhalt ist einigermaßen klar. Was allerdings den genauen Ablauf und die konkrete Beteiligung des Angeklagten betrifft, haben die Beteiligten und auch unbeteiligte Zeugen teils widersprüchliche Versionen geliefert. Nach alledem kommen die Ermittler zu dem Schluss: Töten wollte der junge Soester seinen Kontrahenten offenbar nicht, nicht einmal seinen Tod durch das Wegstoßen billigend in Kauf nehmen. Doch auch ohne einen solchen Tötungs-Vorsatz habe er erkennen können, was er da anrichtet und welche Folgen das haben kann.

Der 19-Jährige, der bereits wegen Diebstahls, Unterschlagung und Fahrens ohne Führerschein mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, hätte sich eigentlich an dem Abend gar nicht mehr auf der Soester Kirmes aufhalten dürfen. Denn drei Stunden vor der tödlichen Schubserei war er der Polizei bereits bei einer anderen Auseinandersetzung unter jungen Leuten aufgefallen, bei der es ebenfalls zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Die Polizisten erteilten dem Soester deshalb einen Platzverweis. Doch der zur Tatzeit 18 Jahre alte Soester machte sich keineswegs auf den Heimweg, sondern zog weiter über die Kirmes.

Diese erste Begegnung mit der Polizei führte am Ende auch zur Festnahme. Denn die Beamten erkannten den damals 18-Jährigen später wieder und nahmen ihn mit zur Wache, um ihn wegen der Nichtbefolgung des Platzverweises einzuschließen. Als er wieder auf freien Fuß gesetzt werden sollte, wurde er wegen der Schubserei wiedererkannt – und erneut festgenommen. Im Prozess heute will der junge Mann umfassend zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen aussagen, hat am Montag sein Anwalt angekündigt. - hs

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