Thomas Nübel wird Nachfolger des in Rente gegangenen Burkhard Schnettler

Neuer Scharfrichter: Rathaus-Mann wippt Deliquenten in den Großen Teich

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Erst vor einem Jahr wurde Thomas Nübel selber von den Bürgerschützen in den Großen Teich gewippt. 

Soest – Der Mann ist mit vielen Wassern gewaschen, sogar mit jener Restflüssigkeit, die neben jeder Menge Entenkacke das Becken des Großen Teichs füllt: Erst im vergangenen Jahr wurde Thomas Nübel dort beim Wippen der Bürgerschützen in der Brühe versenkt, jetzt kehrt der Täter als Scharfrichter an den Tatort zurück.

Wir erinnern uns: Ämterhäufung war damals der Vorwurf, der dem in der Stadtverwaltung für alles Schulische und Sportliche zuständigen Abteilungsleiter den rasanten Absturz ins ebenso trübe wie kühle Gewässer eingebrockt hatte. 

Aber ganz nach dem Motto „Was schert mich das Geschwätz von gestern...“ hinderte das die Bürgerschützen offenbar nicht daran, bei dem eben noch derart Gescholtenen schon wenig später anzuklopfen, als es darum ging, einen Nachfolger für den in Rente gegangenen Burkhard Schnettler zu finden. 

Bei Thomas Nübel waren sie damit genau an der richtigen Adresse: „Ich musste nicht lange überlegen“, legt der 59-Jährige in seiner Anzeiger-Vernehmung ein erstes Geständnis ab – weitere lässt er als mehr oder weniger nachvollziehbare Begründungen für diese leichtherzige Zusage folgen.

Das Wippen in den Großen Teich 2018

Seit vielen Jahren ist er Bürgerschütze, vorwiegend allerdings als Karteileiche. Das konnte so einfach nicht bleiben. . „Es ist mir eine Ehre, dieses Amt auszufüllen, nachdem mein Vorgänger das so viele Jahre auf seine unnachahmliche Weise gemacht hat und damit dazu beigetragen hat, das Wippen immer beliebter zu machen“, erklärt der Neue brav. Im Klartext: Den Karrieresprung vom bösen Buben zum Herrn über Wohl oder Wehe konnte er sich unmöglich verkneifen. 

Der angeblich einst durchaus begabte Kicker kann als Scharfrichter seine lädierten Knie schonen. Ein befreundeter Soester Stadtarchivar steckte ihm, dass die historischen Vorbilder im Mittelalter ihren hohen Stand dadurch demonstrierten, dass sie beim Stehen das rechte vors linke Bein überschlugen. Derart minimaler Bewegungsaufwand soll einen nicht unwesentlichen Reiz auf den Richter-Kandidaten ausgeübt haben. Hört man...

Derselbe Stadtarchivar war es dann auch, der seinem Mittagspausenkumpel in einer alten Schrift die Abbildung eines Scharfrichters aus dem 17. Jahrhundert zeigte – gekleidet in eine Robe aus rotem und blauem Tuch. Nachdem er es sportlich nie ins Trikot seines Herzensvereins aus dem Freistaat im Süden der Republik geschafft hatte, witterte Nübel hier jetzt seine letzte Chance – und tauschte Trikot gegen Talar, rein zufällig in den FCB-Vereinsfarben. . Und dann schließt sich da auch noch ein Kreis: Wiederbelebt wurde das mittelalterliche Strafritual des Wippens vor über 20 Jahren im Kreise des Werkschores der Stadtverwaltung. Und den leitet heute, genau: Thomas Nübel.

Wenige Tage vor seiner Premiere am 25. Juni vor wohl wieder mehreren Tausend schadenfrohen Besuchern ist der neue Richter freudig erregt, leichtes Lampenfieber hat er auch. Aber vor allem freut er sich darauf, mit großer Geste endlich die Übeltäter in die Entengrütze schicken zu können, die es wirklich verdient haben – wegen Ämterhäufung, zum Beispiel.

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