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Warum Patienten lange auf einen Facharzt-Termin warten

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Es gibt immer mehr Patienten. Wer einen Termin beim Facharzt haben möchte, muss Geduld aufbringen.

Soest - Eines steht fest: Wer einen Termin beim Facharzt haben möchte, braucht Geduld, bekommt häufig das Besetztzeichen oder auch eine Bandansage zu hören.

„Herzlich willkommen, zurzeit befinden sich alle Mitarbeiter in einem Gespräch, bitte rufen Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal an.“ Oder: „Drücken Sie die 1, wenn Sie ein Rezept oder eine Überweisung wünschen oder einen Termin absagen möchten, die 2, um einen Termin zu vereinbaren oder persönlich mit uns sprechen möchten.“ Doch auch dieser Anruf läuft häufig ins Leere.

Da bleibt oft nur die Alternative, sich auf den Weg zu machen und persönlich in der Praxis vorzusprechen. Patienten müssen lange Zeit auf einen Termin warten – manchmal sogar Monate. Das neue Terminservicegesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will helfen, die Wartezeiten auf höchstens vier Wochen zu verkürzen. Dafür müssen längere Anfahrtswege in Kauf genommen werden.

So erging es jüngst einem Werler, der in einer Arztpraxis seiner Stadt vorstellig wurde. Man könne ihm frühestens im November einen Termin geben, hieß es dort. Als sich herausstellte, dass er als neuer Patient zugezogen war, sagte man ihm, man könne in der Praxis keine neue Patienten mehr aufnehmen, er müsse sich in Soest, Unna oder Dortmund einen Arzt suchen. 

Damit die Patienten im Notfall aber versorgt sind, bieten viele Praxen morgens oder mittags eine Notfall-Sprechstunde an. „Die Nachfrage nach einem Termin ist bei uns sehr groß“, sagt Dr. Jessica Rottler, die vor gut einem Jahr gemeinsam mit Dr. Kathleen Wozniak die Augenarztpraxis von Dres. Luetkens übernommen hat. 

„Wir hatten am 1. April unser Bestellbuch für Neupatienten für das nächste halbe Jahr geöffnet. An diesem Tag hatten wir großen Andrang. Am Ende waren binnen weniger Stunden mehrere Hundert Neutermine vergeben“, sagt Dr. Kathleen Wozniak. 

„An fünf Tagen in der Woche bieten wir mittags eine Notfallsprechstunde für Akutfälle an, dort werden alle Notfälle behandelt“, erklärt Dr. Rottler. Je nach Notwendigkeit wird auch ein Nachfolgetermin vereinbart. „Wir sind auch unglücklich mit dieser Situation, schließlich hat man den Beruf der Ärztin, den ich mit großer Freude ausübe, gewählt, um anderen zu helfen“, erklärt die Augenärztin. 

Man hoffe, durch neue Konzepte und Ideen im nächsten Jahr wieder neue Patienten aufnehmen zu können. Das Patientenaufkommen sei gestiegen, wegen des demografischen Wandels gebe es mehr ältere Leute, die augenärztlich behandelt werden. Gleichzeitig sei eine Augenarztpraxis in Warstein nicht wiederbesetzt worden. „Auch diese Patienten kommen nach Soest oder verteilen sich auf umliegende Städte.“ 

Außerdem gebe es mehr Behandlungs- und Untersuchungsmöglichkeiten als früher. Letztlich sei auch die Zahl der Augenarztpraxen durch die Kassenärztliche Vereinigung gedeckelt. Rottler: „Das liegt nicht in unserer Macht.“ 

In derPraxis für Orthopädie von Dr. Reinhard Gockel wird täglich von 8 bis 10 Uhr eine Sprechstunde für Patienten mit akuten Schmerzen angeboten. „Wir bieten jeden Morgen diese offene Sprechstunde an“, sagt der Arzt. Allerdings gelte: Die Notfall-Patienten müssen morgens kommen – man könne nicht erwarten, wenn man erst mittags käme, sofort behandelt zu werden. 

Schließlich dürfe man die Patienten, die einen Termin haben, nicht warten lassen. „Das kann man aber gut managen, wenn man geschickt ist und ein super Team hat“, so der Orthopäde. Die Offensive von Gesundheitsminister nennt Gockel „völlig überflüssig. In Soest muss niemand sechs Wochen auf einen Termin beim Orthopäden warten. Hier gibt es aus orthopädischer Sicht keine Engpässe für Patienten.“ 

Dr. Hans Kipp, Hals-Nasen-Ohrenarzt, kennt das: Öffnen sich morgens um 8 Uhr die Praxis-Türen, steht schon gut ein Dutzend Patienten draußen und wartet. „Für Notfälle müssen wir Kapazitäten freihalten“, betont er. Doch wann ist eine besondere Dringlichkeit gegeben? 

Das Problem sei zu fixieren, wer ein wirklicher Notfall ist, beschreibt Kipp die alltägliche Praxis. Dies einzuordnen, sei eine große Leistung des Personals. Da sei auch viel Diplomatie erforderlich. „Wir vergeben nur eine gewisse Menge an Terminen“, stellt er dar. Jeder Patient habe das Recht, einwandfrei behandelt zu werden. Seien Ansturm und Nachfrage groß, müsse sich der ein oder andere in Geduld üben. Kipp verdeutlicht auch: „Wir arbeiten bereits über dem Durchschnitt.“

Er verweist auch auf Patienten aus dem Ausland. So habe ihm kürzlich erst ein Engländer versichert, wie froh er sei, so rasch einen Termin bekommen zu haben. Auf der Insel sehe das ganz anders aus.

Eigene Erfahrungen

Das habe ich bei einem Soester Facharzt erlebt: Einen kurzfristigen Termin vergebe man nicht, bei Beschwerden müsse man in die Notfallsprechstunde um 7.30 Uhr kommen. 

Gesagt, getan: Als ich um 7.20 Uhr vor der noch verschlossenen Tür der Praxis ankam, standen schon mindestens 15 Leute vor mir in der „Warteschlange“. Pünktlich um 7.30 öffnete sich die Tür und die Leute strömten hinein. 

Die Assistentin nahm die Fälle der Reihe nach auf und erklärte, zu welchem Zeitpunkt sie am Tag wiederkommen sollten. Als ich schließlich an der Reihe war, hieß es, leider habe man heute keine Zeit mehr, ich solle bitte morgen früh um 7.30 wiederkommen. 

Welche Erfahrungen – gute und weniger gute – haben Sie bei Fachärzten gemacht? Mailen Sie an stadtredaktion@soester-anzeiger.de

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