Manaf Hallbouni in Soest

Shitstorm wegen Kunst: Blaue Fässer irritieren Betrachter und bewegen Gemüter

Eine Reihe blauer Fässer zieht sich vom Dom bis zur Thomästraße - mitten durchs Museum Wilhelm Morgner.
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Eine Reihe blauer Fässer zieht sich vom Dom bis zur Thomästraße - mitten durchs Museum Wilhelm Morgner.

„Ist das Kunst oder kann das weg?“, ist vermutlich der Satz, den Manaf Halbouni am häufigsten hört, wenn es um seine Arbeit geht.

Soest - Drei hochgestellte Busse vor dem Brandenburger Tor in Berlin, ein vollbepacktes „Flüchtlingsauto“ vor dem Victoria und Albert Museum“ in London, Aktionen auf dem Neumarkt in Dresden – mit seinen Arbeiten provoziert der der deutsch-syrische Künstler und ruft wie auch immer geartet Reaktionen bei den Betrachtern hervor.

Die Soester stehen nicht allein, wenn sie in der Facebook-Gruppe „Du weißt, Du bist Soester, wenn....“ einen Shitstorm gegen die aktuelle Arbeit von Manaf Halbounis loslassen. Ihr Stein des Anstoßes ist die Reihe blauer Tonnen, die sich vom Patroklidom durchs Museum Wilhelm Morgner bis zur Thomästraße zieht – nur unterbrochen von einem kleinen Durchgang.

Tonnenreihe weist auf Grenzen hin

Mit der Arbeit, die Teil seiner Ausstellung „Zone“ ist, will der Künstler, der in Dresden lebt, auf Ausgrenzung, Spaltung, Gegensätze und Grenzen aufmerksam machen. Wie sie auf Menschen wirken, hat Manaf Halbouni am eigenen Leibe erfahren.

Die Ausstellung im Raum Schroth des Museums führt tiefer in das Thema ein und macht auch kulturelle Grenzen deutlich. Anregung für die Fässer-Wamd gab die Grenze, die sich quer durch die Insel Zypern und deren Hauptstadt Nikosia zieht. Ein sechs Meter breiter Streifen teilt die Insel in einen griechischen und einen türkischen Teil.

„Einfach nur hässlich“, findet ein Facebook-Nutzer die Tonnenreihe. Andere schreiben „Was für ein Schwachsinn,...sonst haben wir keine Sorgen...“, „Schrecklich“, „Müll und Verschandelung“ und machen sich Gedanken darüber, ob das denn wohl „der Steuerzahler“ finanzieren muss.

Zur Person

Manaf Halbouni ist ein deutsch-syrischer Bildhauer, der 2008 Syrien verlassen hat, um dem Militärdienst zu entgehen. Er würde gern dorthin zurückkehren, was aber wegen des Bürgerkriegs nicht geht. In seiner Kunst beschäftigt sich der 37-Jährige oft mit Grenzen und Verbindungen zwischen der arabischen und europäischen Welt. Ebenso verarbeitet er universelle Themen wie Migration, Freiheit, Demokratie und die Möglichkeiten einer offenen Gesellschaft. Manaf Halbouni arbeitet in verschiedenen Medien wie Bildhauerei, Zeichnung und Video und ist bekannt für Arbeiten im öffentlichen Raum, die zum Teil international Aufsehen erregten.

Manaf Halbouni kennt das schon. Auf harsche Kritik stieß der frühere Kunststipendiat bereits mit der Arbeit, die er der Stadt 2018 zum Abschied seiner Stipendienzeit hinterließ. Seine Betonskulptur „Speak free“ mit golden lackiertem Gitter, die an das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit erinnern will, stand kaum im Rosengarten, da wurde sie auch schon besprüht und mit Schrifttafeln versehen. Die meisten Menschen liebten diesen Klotz offenbar nicht.

Offen und neugierig

Konnte der Künstler vielleicht auch seine eigentlichen Themen nicht durchsetzen, so hat er doch eines erreicht: Über seine Arbeiten wird geredet. Die Gräfte und die Altstadt sind möbliert mit jeder Art von Kunst. Aber kein Werk bewegt die Gemüter derart stark wie die „Rednertreppe“ und jetzt die Fässerwand.

„Du weißt, Du bis Soester, wenn...“: Wissen nur Soester, wofür die blauen Tonnen stehen oder könnten das auch Menschen aus anderen Orten wissen? Sind all diejenigen, die ahnungslos schimpfen keine Soester?

Klar ist: Kunst ist Ansichtssache. Aber offen und neugierig Unbekanntem gegenüber zu treten, kann jeder, nicht nur ein Soester.

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