Männer mögen Markantes, Frauen lieber Feines

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In einer Abschlusspräsentation zeigten die Studenten, welche Ideen und Produkte sie im vergangenen Semester entwickelt haben. Einige dieser ungewöhnlichen Alltagsgegenstände könnten sicherlich erfolgreich in Serie gehen.

Soest -Männer mögen Markantes, Frauen favorisieren Feines – an diesen Klischees haben offensichtlich auch Jahrzehnte von Frauenbewegung, Aufklärung und Genderforschung nichts geändert. Das stellten jetzt die Drittsemester im Seminar Produktgestaltung des Studiengangs Design- und Projektmanagement bei Prof. Dr. Ulrich Kern fest.

An Kundenwünschen kann aber kein Gestalter vorbeigehen, und unprofessionelles Designmanament ist ebenfalls ein „No-go“. „Experimentelle Gestaltung von technischen Alltagsprodukten für eine genderorientierte Nutzertypologie“ lautete darum die Aufgabe für die jungen Leute. Zum Abschluss des Seminars stellten sie jetzt ihre Ideen vor.

Hinter der Überschrift, die so schwer auszusprechen ist, verbirgt sich der Auftrag, Gebrauchsgegenstände, die gewöhnlich Männern oder Frauen zugeordnet werden, so zu gestalten, dass sie auch vom anderen Geschlecht gekauft würden. Zudem sollten sich die Studenten ihre Zielgruppe möglichst genau vorstellen und sie beschreiben.

Geräte werten die Arbeit auf

In der Konsumwelt gibt es genügend Beispiele für „genderübergreifende“ Nutzung: „Nicht zufällig begeistert der Akkuschrauber Bosch Ixo gerade Frauen – obwohl er ein typisch männlich konnotiertes Produkt ist. Und der Dyson-Staubsauger hat Hausarbeit auch für Männer salonfähig gemacht“, sagt Prof. Kern. Der Akkuschrauber ist leicht und hat ein ergonomische Design, der Staubsauger wirkt fast futuristisch, und man sieht ihn arbeiten. „Schauen Sie sich typische Arbeitsgeräte für Frauen an“, fordert der Professor auf. Üblicherweise seien die Formen indifferent, belanglos. „Frauen erwarten, dass die Geräte ihnen bei der Arbeit dienen, wie sie aussehen, spielt dabei eine untergeordnete Rolle“, sagt Kern.

Anders die Männer: Sie erwarten, dass die Geräte repräsentativ sind nach dem Motto: Dies ist ein wichtiges Teil für einen wichtigen Vorgang. „Die Aufgabe, die ein Mann erledigt, wird durch das Produkt aufgewertet.“

Wo fühlen sich Mann und Frau zuhause?

An diesen Erkenntnissen orientierten sich auch die Studenten bei ihren Planungen. Sie erfanden Nutzertypen, stellten deren Bedürfnisse fest, setzten sich mit Funktionsweisen von Geräten auseinander, machten Verbesserungsvorschläge und überlegten, wie sie am besten mit „ihrem“ Kunden kommunizieren könnten. „In welchen Produktwelten fühlen sich Mann und Frau zuhause?“, war die Frage.

Herausgekommen sind unter anderem ein Maniküre-Set für den modeenthusiastischen Mann, das wie ein stylischer Kugelschreiber aussieht, ein Ortungsgerät für die souveräne Mainstreamerin und ein Multi-Tool für die pragmatische Frau, die an Handschmeichler erinnern.

„Wir haben uns ständig mit dem Thema beschäftigt und einen besonderen Blick für ,männliche’ oder ,weibliche’ Produkte entwickelt“, schildert die Studentin Anika Vogt. Prof. Kern hat das „Klassenziel erreicht“, denn genau das war es, was er wollte: Seine Studenten für das Thema sensibilisieren.

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